Fr, 24. November 2017

12 Monate bedingt

06.06.2011 15:19

Postler stahl 5.300 Briefe und 128 Pakete - verurteilt

5.279 Briefe und 128 Pakete - all das hat ein Postbediensteter in Salzburg binnen zwölf Jahren mit nach Hause genommen und geplündert. Der Vater von fünf Kindern zog nicht nur 4.000 Euro an Bargeld heraus, sondern hortete zudem einen Großteil der erbeuteten Gegenstände im Wert von rund 30.000 Euro im Keller. Den Kindern schenkte er einen Fernseher, der Gattin Handy und Schmuck. Bei einem Prozess in Salzburg legte der 42-Jährige am Montag ein umfassendes Geständnis ab. Er erhielt 1.440 Euro Geldstrafe und zwölf Monate bedingt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Vertragsbedienstete hatte früher in zwei Umleitungsstellen die Post sortiert. "Überforderung" gab der bisher unbescholtene Mann als Motiv des schweren gewerbsmäßigen Diebstahles an: "Ich hatte einen Tunnelblick und bin da nicht mehr rausgekommen." Etwa 20 Prozent der Beute habe er selbst verwendet. Staatsanwalt Marcus Neher gab sich nun im Prozess mit dieser Rechtfertigung allerdings nicht zufrieden und warf ihm eine gezielte Vorgangsweise vor: Eine Vielzahl an Briefen sei an ein Kontaktmagazin adressiert gewesen, "die Leute trauen sich nicht, ihren Schaden anzugeben".

Postler war bei Auffliegen "erleichtert"
Der Beschuldigte ließ seinen Angaben zufolge auch Sendungen mit Autobahnvignetten, Musik- und Videokassetten, Briefmarken und Tankgutscheinen mitgehen. Am 27. November 2010 wurde der Beschuldigte beim Stehlen von elf Paketen dann aber erwischt. Da sei er erleichtert gewesen, weil er ein schlechtes Gewissen hatte, erzählte er nun Einzelrichter Roland Finster.

Stress für Post beim Sortieren des Diebesguts
Bei der Aufarbeitung des Falls zeigte sich der Mann anschließend kooperativ. Die Zuteilung der sichergestellten Waren bereitete der Post Kopfzerbrechen. "Im Keller war ein heilloses Durcheinander, vieles war nicht mehr verpackt", schilderte ein Vertreter der Post. Zwei Mitarbeiter sortierten in 100 Arbeitsstunden das Diebesgut auf dem Dachboden eines Lagers. Bei einem Großteil weiß man bis heute nicht, wer Absender und Empfänger waren. Ein Plastiksack voll Schmuck im Wert von rund 7.000 Euro konnte an eine Salzburger Juwelierin zurückgebracht werden.

Angeklagter muss sich Psychotherapie unterziehen
Die Post selbst leistete 2.115,13 Euro an Schadensersatz für nachvollziehbare Paketsendungen. Diesen Betrag wie auch den Arbeitsaufwand in der Höhe von 5.500 Euro muss der Salzburger nun laut Urteilsspruch an die Post zahlen. Weitere Schadensansprüche wurden auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Der Richter erteilte Bewährungshilfe und eine Weisung zur Fortführung der bereits begonnenen Psychotherapie. Der 42-Jährige, der mittlerweile eine andere Arbeitsstelle gefunden hat, nahm das Urteil an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.

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