So, 17. Dezember 2017

Geld veruntreut

04.05.2011 12:57

Gesuchter Ex-Anwalt geht Polizei in Hamburg ins Netz

Der seit 13. April 2011 von der österreichischen Justiz gesuchte 45-jährige Salzburger Ex-Rechtsanwalt, der zumindest 115.000 Euro an Klientengeldern veruntreut haben soll, ist Mittwoch früh in Hamburg verhaftet worden. Das erklärte Josef Holzberger vom Salzburger Landeskriminalamt. Gegen den Salzburger wird auch wegen fahrlässiger und betrügerischer Krida ermittelt. Sein Verteidiger berichtete am Mittwoch, sein Mandant sei von der Festnahme überrascht gewesen, da es Gespräche mit der Salzburger Staatsanwaltschaft wegen Gewähung eines freien Geleites gegeben habe.

Die Festnahme durch die deutsche Polizei in Hamburg erfolgte aufgrund eines europäischen Haftbefehls und verlief offenbar unspektakulär. Der geschiedene Jurist hielt sich bei seiner Lebensgefährtin auf und ist widerstandslos, wenn auch überrascht mit den Polizisten mitgegangen. Überrascht deshlab, weil es laut seinem Verteidiger, dem Pinzgauer Rechtsanwalt Alexander Schuberth, nämlich in den vergangenen Tagen mit der Salzburger Staatsanwaltschaft Gespräche wegen Gewährung eines freien Geleites gegeben habe. Den Wunsch nach freiem Geleit erfüllte die Staatsanwaltschaft dem Verdächtigen jedoch nicht. Das hätte bedeutet, dass er vor den Behörden aussagt und erst im Laufe der Vernehmung geklärt werde, ob ein Haftgrund besteht oder nicht, erläuterte Schuberth.

Verteidiger: "Er wird alles aufklären"
Sein Mandant habe nichts geheim gehalten, erklärte der Verteidiger. Der per Haftbefehl gesuchte Jurist, der Anfang dieses Jahres in Salzburg delogiert wurde und dann in Hamburg arbeitete, "ist gelegentlich nach Salzburg gefahren und hat dort Kontakt zu seiner Familie und seinen Kindern gepflogen. In Hamburg hatte er einen festen Wohnsitz".

"Es wird jetzt in Deutschland ein Übergabeverfahren eingeleitet", erklärte die Mediensprecherin der Salzburger Staatsanwaltschaft, Barbara Feichtinger. "Mit dem europäischen Haftbefehl ist ein Ersuchen auf Auslieferung inkludiert." Wie lange der Ex-Anwalt in Deutschland in Haft sitzt und wann er an die Salzburger Justiz ausgeliefert wird, entscheidet das zuständige Gericht in Deutschland.

Den Fahndern falsche Fährten gelegt?
Schuberth vermutet, dass sein Mandant aufgrund eines Auslieferungsabkommens zwischen Deutschland und Österreich, das unkompliziert und schlüssig sei, bald nach Österreich überstellt werde. "Er will alles aufklären und - soweit es ihm möglich ist - den Schaden, den er zu verantworten hat, wiedergutmachen", sagte Schuberth.

Der Verteidiger aus Zell am See betonte am Mittwoch auch, dass der 45-Jährige den Fahndern keine falsche Fährten gelegt habe, wie spekuliert worden sei. Schuberth dürfte dabei auf Berichte angespielt haben, wonach der "Flüchtige" Ende April offenbar stundenlang seelenruhig in einem Salzburger Lokal gesessen sei, sein Auto vor der Polizeiinspektion direkt daneben abgestellt hatte und danach unbehelligt zurück nach Deutschland gefahren sei (siehe Infobox).

Aufruf an weitere Geschädigte
Laut dem Haftbefehl hat der 45-jährige Salzburger acht Klienten um erstrittene Beträge aus Zivilverfahren gebracht. Bei den 115.000 Euro soll es sich großteils um Versicherungsleistungen, Schmerzensgeld und Verdienstentgang handeln. Die Staatsanwaltschaft vermutet allerdings, dass der Jurist noch mehr Mandantengelder veruntreut hat. "Weitere Geschädigte sollen sich beim Landeskriminalamt Salzburg melden", startete Feichtinger einen Aufruf.

Der Salzburger ist laut Staatsanwaltschaft im Jänner 2011 sowohl mit seiner Kanzlei also auch privat in den Konkurs geschlittert. Er legte im Jänner seine Anwaltslizenz zurück. Beim Landesgericht Salzburg sind zwei Verfahren anhängig. Die 27 Gläubiger des privaten Konkursverfahrens meldeten bis zur Prüfungstagsatzung Forderungen von 251.656 Euro an, die 18 Gläubiger der Rechtsanwalt GmbH des Beschuldigten erhoben Ansprüche in der Höhe von insgesamt 105.661 Euro.

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