Sa, 25. November 2017

Steuern zu hoch

28.04.2011 13:33

Einziges Autokino Österreichs von Politik ruiniert?

Österreichs einziges Autokino in Groß-Enzersdorf hat nach 45 Betriebsjahren aufgeben müssen. Als Grund für die Schließung - zumindest für diese Saison - nannte Betreiber Franz Lampesberger am Donnerstag die exorbitante Erhöhung der Vergnügungssteuer durch die an Wien angrenzende Gemeinde im Bezirk Gänserndorf. Ein Gespräch mit SP-Bürgermeister Hubert Tomsic sei leider erfolglos geblieben.

Filme auf einer riesigen Leinwand unter freiem Himmel auf dem Pkw-Rücksitz genießen: in den 1960er-Jahren ein neuer Hit der Unterhaltung, im Zeitalter von DVD und häuslichem Großbildschirm-TV nicht mehr so gefragt - und dennoch stimmt die Schließung traurig.

"Verfehlte Kommunalpolitik killt Autokino", brachte Lampesberger, auch Präsident des österreichischen Kinoverbandes und Obmann der Fachgruppe Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe, am Donnerstag die Ursache für die Schließung auf den Punkt. Während 200 Meter entfernt in Wien die Kinos von der Vergnügungssteuer befreit sind, sei diese in Groß-Enzersdorf auf zehn Prozent des Kartenpreises angehoben worden, beklagte Lampesberger diese Wettbewerbsverzerrung. Die Belastung steige damit von 3.800 auf 15.000 Euro jährlich, der Betrieb sei wirtschaftlich gesehen nicht mehr zu führen, zumal auch die Saison 2010 - bedingt u. a. durch Wetter und Fußball-WM - "katastrophal schlecht" war.

Kinobranche hat hohe Kosten zu tragen
Seit 26 Jahren führt Lampesberger das Autokino - der Grund gehört zu zwei Drittel ihm, ein Drittel ist gepachtet. Nun hat er bereits fünf Beschäftigte kündigen müssen. Andere Gemeinden würden Kinos fördern, in Groß-Enzersdorf hingegen sei sein Gespräch mit Bürgermeister Hubert Tomsic leider erfolglos geblieben. Er würde sich einen Konsens wünschen. Auch wenn die Causa im Juni doch noch im Gemeinderat behandelt werden sollte - für diese Saison wäre das zu spät. Allgemein habe die Kinobranche hohe Kosten zu tragen - die Digitalisierung erfordere Investitionen, die allein für das Autokino 140.000 Euro betragen würden.

SP: Abgabe vom Vorjahr noch nicht bezahlt
Die Pressekonferenz stieß auch bei Branchenvertretern und Kommunalpolitikern auf Interesse. Wirtschaftsstadtrat Michael Rauscher (VP) erläuterte im Anschluss, in die Gespräche leider nicht eingebunden gewesen zu sein und bedauerte das - vorläufige - Aus für die Einrichtung, während SP-Stadtrat Eduard Schüller verteidigend argumentierte, dass die Gemeinde auf ihre Einnahmen achten müsse und der Kinobetreiber die Abgabe vom Vorjahr noch nicht bezahlt hätte.

Abgesehen davon, dass hier ein "sehr lokales" Problem vorliege, hielt Ferdinand Morawetz vom Elmo Movieworld Filmverleih neben Kritik an der - unterschiedlichen - Vergnügungssteuer für Kinos fest, dass er Lampesberger für dessen Engagement bewundere. Es wäre schade, wenn das Autokino endgültig verloren ginge.

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