Sa, 24. Februar 2018

Uni-Chef in Politik

21.04.2011 10:19

Rektor Töchterle ist neuer Minister für Wissenschaft

Das Rekordtempo, mit dem Vizekanzler Michael Spindelegger die ÖVP umbaute, hat Tirols Landeshauptmann Günther Platter überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil: "Ich habe darauf gedrängt, die Personalentscheidung so rasch wie möglich abzuschließen und sich nicht tagelang in Diskussionen zu verstricken", sagte er am Dienstag im "Krone"-Gespräch. Zwei Tiroler in wichtigen Politpositionen – Minister Karlheinz Töchterle und Generalsekretär Johannes Rauch –, die noch dazu "einhellige Zustimmung" (so Platter) erhielten, hat es überhaupt noch nie gegeben.

Unbestritten, dass Platter hinter den Kulissen höchst erfolgreich und taktisch klug für das Land die Fäden (mit)gezogen hat. Die Achse Platter-Spindelegger funktioniert. Die wichtige West-Ost-Achse Tirol-Wien ist gestärkt. "Außerdem verfügen wir nun mit Töchterle und Rauch über eine starke Tiroler Allianz in der Bundeshauptstadt", freut sich Platter. "Denn so ist die Tiroler ÖVP die einzige Partei im Land mit einem gewichtigen Einfluss in Wien."

Und dem neuen Wissenschaftsminister streut er überhaupt Rosen: "Ich bin mit Karlheinz Töchterle seit Jahren befreundet. Er ist ein exzellenter Experte in Wissenschaft, Forschung und Bildung, der als Rektor viele positiven Impulse gesetzt hat und national und international anerkannt ist. Ein Gewinn für ganz Österreich!"

Überraschung bei Kollegen von Töchterle
Der plötzliche Karrieresprung von Töchterle vom Rektor zum Wissenschaftsminister dürfte selbst die engsten Mitarbeiter überrascht haben: "Wir erfuhren davon erst aus den Medien", hieß es im Rektorat. Töchterle bekleidete dreieinhalb Jahre diese Funktion. In seine Amtszeit fielen Massenproteste und Hörsaalbesetzungen genauso wie tiefgreifende Strukturreformen und große Neubau-Projekte (chemisches Institut und Uni-Bibliothek).

Töchterle gelang es, die Uni Innsbruck in relativ ruhiges Fahrwasser zu lenken. Dass die Stamm-Uni heute bei vielen Studenten so beliebt ist und in diversen Uni-Vergleichstests in Österreich stets Spitzenplätze belegt, ist sicher auch sein Verdienst. Bevor Töchterle im Herbst 2007 Rektor wurde, beendete er sein politisches Engagement bei den Grünen. Das Mandat als Gemeinderat von Telfes ist seine bislang einzige Erfahrung als Politiker.

Kein ÖVP-Mitglied
1994 hätte er die Möglichkeit gehabt, für die Grünen in den Tiroler Landtag einzuziehen, er lehnte jedoch ab. Töchterle ist kein ÖVP-Mitglied. Mit der ÖVP verbindet ihn jedoch die Forderung nach Studiengebühren, allerdings tritt er für eine soziale Staffelung bzw. ein ausgereiftes Stipendiensystem ein.

Bedauert wird der Wechsel des Innsbrucker Uni-Rektors von den Tiroler Grünen: "Es ist ein unerwarteter Verlust für die Universität Innsbruck, er war als guter Verhandler und ausgleichender Fachmann unumstritten", betont der Grüne Klubobmann Georg Willi. Nachfolger von Töchterle könnte Tilmann Märk werden, Professor am Institut für Ionenphysik und einer von vier Vizerektoren. Er vertrat Töchterle schon bisher bei diversen Anlässen.

Generalsekretär Rauch wechselt nach Wien
Mit einem lachenden und weinenden Auge sieht Platter Rauchs Wechsel in die Parteizentrale: "Eine Bestätigung für die gute Parteiarbeit in Tirol. Aber Rauch hat schon als Kommunikationchef und stellvertretender Sektionschef im Innenministerium seine Qualitäten bewiesen und ist am Wiener Parkett auch sehr gut vernetzt."

Und wer wird neuer ÖVP-Geschäftsführer in Tirol? Platter: "Ich habe einen Namen im Kopf, die Person aber noch nicht kontaktiert. Ich werde das in der Partei besprechen und nach Ostern die Entscheidung bekannt geben." Fix ist, dass Verena Remler das Landtagsmandat von Rauch erben wird.

von Walther Prüller und Philipp Neuner, Tiroler Krone

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