Mi, 23. Mai 2018

Wirbel um Zufahrt

02.04.2011 11:00

Schwer kranke Steirerin: "Will doch nur meine Ruhe"

Es scheint eine große Schweinerei zu sein, die sich seit Jahren in Mariazell abspielt: Eine schwer kranke 56-jährige Frau hat nur einen Wunsch - dass sich die Bewohner ans Fahrverbot in ihrer Wohnstraße halten und sie nicht länger belästigen. Stattdessen wird sie als Simulantin abgestempelt, beschimpft, bedroht...

Unzählige schmerzhafte Chemotherapien hat die 56-Jährige hinter sich. Sie leidet unter Atemnot, ist auf ihr Sauerstoffgerät angewiesen. "Die Ärzte haben ihr Ruhe verordnet. Sie soll Anstrengung vermeiden", erzählt ihr Anwalt Christian Fauland. Doch von der Möglichkeit, sich von ihren jahrelangen Strapazen zu erholen, ist die Frau leider meilenweit entfernt.

"Autos rasen durch, Betrunkene lärmen"
Das Problem wurzelt in der Zufahrt zu ihrem Wohnhaus. Hier gilt (ausgenommen Anrainer) ein Fahrverbot. Doch da die Straße an der örtlichen Minigolfanlage mit dazugehörigem Buffet endet, nutzen viele die Zufahrt als Abkürzung. "Autos rasen durch, Betrunkene lärmen. Auch ihr Zaun wurde schon beschädigt", so Fauland. Die Polizei riet der Steirerin, die Kennzeichen zu notieren und zur Anzeige zu bringen.

"Wir appellieren an den Anstand!"
Damit zog sich die 56-Jährige jedoch viel Unmut zu. In einem anonymen Schreiben wird sie als "Simulantin und Intrigantin" bezeichnet, die ihre "Umgebung schikaniert". Einer der von ihr Angezeigten versuchte auch zweimal nachts bei der kranken Frau einzusteigen. Angeblich, um mit ihr zu reden. Von ihrem schwer angeschlagenen Gesundheitszustand habe er nichts gewusst... Fauland: "Wir appellieren an den Anstand!"

Bürgermeister Josef Kuss kennt die leidige Geschichte: "Auf der einen Seite kann ich zwar sehr viel Verständnis für die Probleme der Familie aufbringen, auf der anderen Seite aber geht die persönliche Empfindlichkeit der Betroffenen weit übers Maß hinaus."

von Eva Molitschnig, "Steirerkrone"'
Symbolbild

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