Do, 19. Oktober 2017

Weiter harmlos

01.10.2010 10:51

Stevens ortete „Überheblichkeit“ bei den Bullen

Zwei Spiele, null Punkte, 0:4 Tore - die Aufstiegschancen von Österreichs Fußball-Meister Red Bull Salzburg in der Europa League sind nach der 0:2-Niederlage am Donnerstag bei Lech Posen auf ein Minimum reduziert. Die Salzburger manifestierten in Polen nicht nur ihre aktuelle Harmlosigkeit vor dem Tor, sie begingen auch haarsträubende Fehler im Spielaufbau - für Trainer Huub Stevens auch ein Resultat von Überheblichkeit.

"Das hat nichts mit Selbstvertrauen zu tun, das ist Überheblichkeit", erklärte Stevens. Verteidiger Ibrahim Sekagya etwa hatte kurz nach der Pause mit einem fehlgeschlagenen Fersler den Corner, der zum 0:1 geführt hatte, eingeleitet. "Das sind Undiszipliniertheiten, die auf internationaler Ebene sofort bestraft werden", schimpfte Stevens. "So etwas darf nicht passieren, wenn man ein Spiel eigentlich im Griff hat."

Im Vorjahr hatten die Salzburger noch alle ihre sechs Gruppenspiele gewonnen, um dann in der ersten K.o.-Runde an Standard Lüttich zu scheitern. Die positive Energie des EL-Herbstes von 2009 scheint derzeit zu fehlen. "Letzte Saison hätten wir so ein Spiel nach Hause gebracht. Wir hätten es gewonnen", meinte Stevens. "Vielleicht denken einige Spieler noch zu sehr an letzte Saison. Aber die Vergangenheit hilft dir nicht weiter."

Sechs Spiele mit nur zwei Toren
Die gegenwärtigen Probleme sind groß genug. In den vergangenen sechs Pflichtspielen haben die Salzburger nur zwei Tore erzielt. Auch in Poznan war wenig Zwingendes dabei, wenngleich der erstmals als Solospitze aufgebotene Neuzugang Alan gute Ansätze zeigte. Der Brasilianer hatte den Vorzug gegenüber dem bisher glücklosen Joaquin Boghossian und Roman Wallner erhalten.

"Wir haben momentan nach vorne zu kämpfen", gestand ÖFB-Teamspieler Franz Schiemer. "Man kann eben keine Chancen verwerten, wenn man fast keine hat." Das Problem sei keines der Einzelspieler, die zweifellos über ausreichend individuelle Qualität verfügen. "Wir haben ein leichtes mannschaftliches Problem", sagte Schiemer. "Dabei habe ich nach der ersten Hälfte noch das Gefühl gehabt, dass wir das Spiel nicht verlieren können."

"Wir haben sie mit unseren Fehlern stark gemacht"
Lech Posen hatte sich nämlich alles andere denn als Übermannschaft präsentiert. "Wir haben sie mit unseren Fehlern stark gemacht", betonte Stevens. Die Polen sind mit vier Zählern nun sogar Tabellenführer - punktegleich mit dem Starensemble von Manchester City. Juventus Turin hält bei zwei Remis.

In den beiden kommenden Duellen mit dem italienischen Rekordmeister (21. Oktober in Salzburg und 4. November in Turin) benötigen die Salzburger wohl zumindest vier Punkte, um wieder im Aufstiegsrennen zu sein. "Ich habe immer gesagt, dass es ganz schwierig ist, in dieser Gruppe zu bestehen", erinnerte Stevens. Der Papierform nach wäre Posen, in der Liga selbst nur auf Rang zehn, wohl der schlagbarste Gegner gewesen.

"Gegen so eine Mannschaft mit null Punkten nach Hause zu fahren, ist schon enttäuschend", gestand Salzburgs Außenverteidiger Christian Schwegler. Mit einem Erfolgserlebnis im Gepäck treten die Bullen in dieser Saison allerdings nach Auswärtsspielen höchst selten die Heimreise an. Von zehn Pflichtspielen auf fremdem Platz hat der Meister bisher nur ein einziges gewonnen - 4:1 in der ersten Runde des ÖFB-Cups bei den St. Pölten Amateuren.

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