Mi, 22. November 2017

Olympia-Affäre

22.06.2010 15:03

Geschäftsführer vor dem U-Ausschuss geben sich wortkarg

Drei der vier Geschäftsführer, die Salzburg für die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2014 im Verlauf von eineinhalb Jahren verschlissen hat, sind am Dienstag vor dem Untersuchungsausschuss des Salzburger Landtages aufmarschiert. Alle drei entschlugen sich der Befragung, weil gegen sie ein Strafverfahren läuft, gaben aber eine allgemeine Erklärung ab. Vor allem Fedor Radmann (im Bild) ging dabei hart mit manchen ins Gericht.

Radmann - er steuerte das Olympia-Boot von März 2006 bis Jänner 2007 - beklagte vor allem die Indiskretion in den eigenen Reihen. So sei etwa das Durchführungsbudget an die Medien getragen worden, bevor es im Aufsichtsrat überhaupt beschlossen worden sei. Derartige Aktionen hätten zur Verunsicherung der Sponsoren geführt, seien international aufmerksam registriert worden und "haben mich teilweise zum Wahnsinn gebracht", sagte Radmann.

Persönliche Differenzen über Bewerbung ausgefochten
Das Krisenmanagement nach der Dopingaffäre von Turin sei "extrem unprofessionell" gewesen, die Klage des ÖSV-Trainers Walter Mayer gegen den IOC-Präsidenten Jacques Rogge und den früheren Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), Richard Pound, bezeichnete er "diplomatisch gesagt als nicht gerade hilfreich" bei der Kandidatur, und die "gröbsten persönlichen Differenzen" zwischen ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und dem damaligen ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth seien über die Bewerbung ausgefochten worden. Dies alles habe für größte Unruhe gesorgt und die Arbeit erschwert.

Zwei Rechnungskreise für bessere Transparenz
Radmann und seine beiden Nachfolger Rudolf Höller und Gernot Leitner gingen in aufeinander abgestimmten Stellungnahmen kurz auf jene Fragen ein, denen der Ausschuss nachgeht. Die beiden Rechnungskreise seien bereits von ihrem Vorgänger Anton Schutti eingeführt worden und sollten der Transparenz zwischen öffentlichen und privaten Geldern dienen. Keinerlei Mittel seien in irgendeiner Form zweckwidrig verwendet, absolut nichts verschleiert und keine Akten vernichtet worden.

Das 300.000-Euro-Darlehen an den Förderverein hat nach Angaben des Trios zur Rückabwicklung des Audi-Sponsorvertrages gedient. Von Audi seien dann 395.000 Euro in Geld (und 105.000 Euro an Sachleistung) zurückgeflossen. Da 150.000 Euro des Darlehens aus Wien rückbezahlt worden seien, habe die Bewerbungsgesellschaft einen Überschuss von 245.000 Euro aus diesem Geschäft erwirtschaftet.

Alle wussten vom Förderverein
Radmann sagte weiters, dass die Verwendung und Vermarktung der Olympischen Ringe nur dem Nationalen Olympischen Komitee, also dem ÖOC, erlaubt sei, und deshalb habe man den Förderverein gegründet. Der Verein sei jedem in Salzburg bekannt gewesen, widersprach er zahlreichen bisherigen Aussagen.

Zum Auftakt war im Ausschuss Vizebürgermeister Harald Preuner befragt worden, der einfaches Mitglied im Aufsichtsrat war. Auch er sagte, dass vom Förderverein in Salzburg alle gewusst haben dürften. "Das war eine gute Idee, um das Wiener Parkett (bei der Sponsorensuche, Anm.) zu beackern." Im Aufsichtsrat sei der Verein aber nie Thema gewesen.

Wurden doch Akten vernichtet?
Ein bemerkenswertes Detail brachte Richter Anton Meinhart ans Licht: Er legte eine Kostenaufstellung der Bewerbungsgesellschaft über jene Ausgaben vor, die die Vorbereitungskommission schon vor der offiziellen Bewerbung verursacht hatte. Gefunden wurde diese Liste aber nicht in den Geschäftsunterlagen der Gesellschaft, sondern bei einer Hausdurchsuchung bei Heinz Jungwirth, was dem Verdacht, es seien doch Unterlagen der GmbH vernichtet worden, wieder Boden gibt.
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