So, 19. November 2017

Fehlplanung bei Heer

13.05.2010 10:42

Operationssaal um 650.000 Euro steht vor dem Abriss

50 Mann im Schlafsaal, veraltete Duschen und zu wenig warmes Wasser, damit nach einem Nachteinsatz alle Mann brausen können: Viele Quartiere der Soldaten in der Schwarzenbergkaserne sind erbärmlich. Für eine längst fällige Sanierung ist zu wenig Geld da – aber bei anderen Bauten schmeißt das Heer unnötig Mittel weg. Ein neuer Operationssaal in der Rainerkaserne kostete 650.000 Euro – und wird jetzt wieder weggerissen!

Das Ziel ist klar: Das Heer plant in der Schwarzenbergkaserne den Bau einer neuen Feldambulanz. Das bestätigte Minister Norbert Darabos auch im Parlament. Im Gegenzug wird die Heeressanitätsanstalt in der Rainerkaserne aufgelassen.

Vergeudung von Mitteln
Ein teurer Luxus, wie jetzt der Rechnungshof enthüllt: Denn erst im Jahr 2001 wurde die Sanitätsanstalt in Elsbethen generalsaniert. Dort ließ das Militär einen neuen Operationssaal einbauen, in dem kleinere Eingriffe möglich sind. Die Kosten für diese medizinische Investition machten rund 650.000 Euro Steuergeld aus – eine Vergeudung der Mittel, wenn die Rainerkaserne bald zugesperrt und verkauft wird…

Noch scheitert dieser Verkauf am Denkmalschutz: Er hält große Teile der Rainerkaserne für schützenswert – die 1939 für die Deutsche Wehrmacht errichtete Anlage ist ja "die einzige weitgehend authentisch erhaltene Reiterkaserne im Bundesland", wissen die Prüfer.

Rechnungshof deckt auf
Den Verkauf soll die SIVBEG erledigen. Die Firma wurde 2005 gegründet, um Immobilien des Heeres zu verscherbeln – mit horrenden Kosten, wie der Rechnungshof aufgedeckt hat:

  • Die SIVBEG leistet sich zwei Geschäftsführer, "obwohl das nicht dem Unternehmensbedarf entsprach" – ein Direktor hätte genügt.
  • Die hoch bezahlten Chefs kassierten auch satte Prämien: 38.717 Euro fürs Jahr 2006. Im Jahr davor gab es 9.870 Euro extra – "mehr als doppelt so hoch wie die Umsatzerlöse"!
  • Rückwirkend erhielten die beiden Chefs (einer hat nicht einmal eine Makler-Konzession!) auch eine Pensionskasse – 8.887 Euro zahlt die SIVBEG pro Kopf und Jahr ein.
  • Einer der zwei Direktoren ist so "ausgelastet", dass er zusätzlich 20 Stunden in der Woche für die BIG arbeitet – natürlich kassiert er da auch ein Extra-Honorar.
  • Bei einem Geschäft waren mit einem Anwalt 35.000 Euro Honorar ausgemacht, doch die Kanzlei verrechnete und bekam 97.000 Euro!

"Hier wird das Geld verpulvert, das zur Sanierung der Kasernen in Salzburg fehlt", ärgern sich Soldaten.

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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