Sa, 25. November 2017

Schock-Geständnis

28.10.2009 15:27

Andre Agassi: „Ich habe Crystal Meth genommen“

Tennis-Legende Andre Agassi gesteht in seiner in Kürze erscheinenden Autobiografie, die Droge Crystal Meth genommen zu haben.

Der 2006 abgetretene US-Star und Ehemann der Deutschen Steffi Graf hat nach eigenen Angaben während seiner schlimmsten sportlichen Krise 1997 das Aufputschmittel Crystal Meth (Methamphetamin) zu sich genommen.

"Habe mein Herz auf der Zunge"
Dies geht aus einem Auszug aus der Autobiografie des 39-Jährigen hervor, aus der die britische Zeitung "The Times" am Mittwoch zitierte. Sein Buch "Open" wird am 9. November in den USA erscheinen. Der "New York Times" sagte Agassi: "Von Sucht kann ich nicht reden, aber viele Menschen würden sagen, wenn man etwas als Flucht benutzt, hat man ein Problem." Über die Reaktion seiner Fans habe er sich nur einen Moment lang Sorgen gemacht: "Ich habe mein Herz auf der Zunge getragen, und meine Gefühle standen mir immer ins Gesicht geschrieben. Ich fand es eigentlich sehr aufregend, der Welt die ganze Geschichte zu erzählen."

"Lass uns high werden"
Der Gewinner von acht Grand-Slam-Titeln, der 1996 in Atlanta Olympiasieger wurde und mit dem US-Team auch den Davis Cup holte, war Ende 1997 in der Weltrangliste auf Position 141 abgestürzt und hatte zweitklassige Challenger-Turniere spielen müssen. Damals habe ihm sein Assistent "Slim" die Droge angeboten, deren Besitz in den USA laut "Times" mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden kann. "Weißt du was? Sch... drauf. Lass uns high werden", wird Agassi zitiert. Dann habe er den Stoff geschnupft.

Der Ex-Weltklassespieler schrieb, wie es das erste Mal zu dem Konsum kam und wie es ihm dabei ging: "Slim schüttete eine kleine Menge Puder auf den Couchtisch. Er machte eine Linie, schnupfte sie. Er machte noch eine. Ich schnupfte. Ich sank zurück in das Sofa." Und weiter: "Es gibt einen Moment des Bedauerns, gefolgt von riesiger Traurigkeit. Dann kommt eine Welle der Euphorie und schwemmt jeden negativen Gedanken aus meinem Kopf."

Auf dem New Yorker Flughafen LaGuardia habe ihn im Herbst 1997 ein für die ATP tätiger Arzt angerufen, über einen positiven Dopingtest informiert und die möglichen Sperren aufgezählt. Er habe sich zunächst gedacht, "mein Name, meine ganze Karriere, alles steht auf dem Spiel", berichtet Agassi.

Lügen-Brief an ATP-Verantwortliche
Ein paar Tage später habe er in einem Brief an die ATP-Verantwortlichen gelogen. "Ich habe gesagt, ich habe vor kurzem aus Versehen einen Drink mit Schuss meines Freundes Slim getrunken und dabei unabsichtlich seine Drogen zu mir genommen", soll Agassi in dem Buch geschrieben haben. Er bat um Verständnis und um Gnade. Die ATP entschied sich damals gegen eine Sperre. Eine Stellungnahme der ATP gab es am Mittwoch zunächst nicht.

Zweifel an Hochzeit mit Brooke Shields
Zur Zeit seines Drogenkonsums befand sich Agassi nicht nur in einem Formtief. Privat plagten ihn Zweifel an seiner bevorstehenden Hochzeit mit Brooke Shields.

Agassi lässt sich in dem Buch auch über seine kurze, turbulente Ehe mit der Schauspielerin aus und erzählt von seiner Beziehung mit Steffi Graf (40), in die er sich während der French Open 1998 verliebt hatte. Die beiden sind seit 2001 verheiratet. Sie haben inzwischen zwei Kinder, Sohn Jaden Gil (7) und Tochter Jaz Elle (6). Die Familie lebt in Agassis Heimatstadt Las Vegas.

1998 kämpfte sich Agassi unter die ersten Zehn der Weltrangliste zurück, ehe er 1999 die French Open und US Open gewann und die Saison als Nummer eins abschloss. Agassi, einst auch wegen seiner langen Haare und schrillen Tennis-Mode aufgefallen, hat als einer von nur sechs Spielern die vier wichtigsten Turniere in Melbourne, Paris, London und New York gewonnen. Seine Karriere endete vor gut drei Jahren bei den US Open nach 1.144 Matches mit einer Drittrunden-Niederlage gegen den Deutschen Benjamin Becker.

Meth zerstört Gehirn und Körper
Das Methamphetamin Crystal Meth gilt als Partydroge mit aufputschender Wirkung. Crystal Meth wird geschnupft, geraucht oder auch injiziert. Bei längerem Konsum zerstört die Droge Körper und Gehirn und lässt den Abhängigen rasch altern.  

Vor Jahren sorgte eine US-Kampagne unter dem Titel "Faces Of Meth", also "Gesichter des Meth" gegen den Missbrauch der Substanz für Schrecken, weil darin Vorher-Nachher-Fotos von Süchtigen veröffentlicht wurden, die zeigten, wie deren Gesichter von der Droge zur Fratze zerstört worden waren. Der Film kursiert immer noch im Internet.

Den Link zu einem der YouTube-Videos findest du in der Infobox.

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