Mo, 19. Februar 2018

Bedrohte Arten

06.02.2018 11:06

Geschmuggelte Schildkröten sind Zootier des Jahres

Die Geschichte der Scharnierschildkröten im Tiergarten Schönbrunn liest sich wie ein Krimi. Nun sind die hochbedrohten Reptilien zum "Zootier des Jahres 2018" gewählt worden. "Unsere sechs Scharnierschildkröten wurden 2012 am Flughafen Wien Schwechat vom Zoll beschlagnahmt. Ein Schmuggler hatte über 50 Schildkröten in seinem Gepäck, insgesamt acht Arten", erklärt der zoologische Abteilungsleiter Anton Weissenbacher.

Der illegale Handel ist eines der größten Probleme für die Scharnierschildkröten. Obwohl diese Schildkröten zu den am stärksten bedrohten Wirbeltiergruppen zählen, sind sie vielen unbekannt. Das soll sich mit der Aktion "Zootier des Jahres" ändern. "Ausgewählt wird das Zootier des Jahres von der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP). Berücksichtigt werden stets Tierarten, deren Bedrohung bisher nicht im Fokus der Öffentlichkeit stand", so Tiergartendirektorin Dagmar Schratter.

Aktion fördert Schutzprojekte
Mit der Aktion "Zootier des Jahres" werden auch Schutzprojekte rund um die jeweiligen Tiere unterstützt. Dieses Mal sind es das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz im Zoo Münster und eine Zuchtstation in Kambodscha. Der Tiergarten leistet einen finanziellen Beitrag zur Aktion. Einige Arten der Scharnierschildkröten sind in freier Wildbahn bereits ausgerottet. Weissenbacher: "Das Problem ist, dass die Arten jeweils nur in einem sehr kleinen Gebiet, wie in einem einzigen Flusstal, vorkommen. Wird dort der Lebensraum zerstört oder werden viele Tiere abgesammelt, ist die gesamte Art bedroht."

Schmuggel seltener Arten boomt
Auch der Schmuggel hat sich verändert, wie die Geschichte der sechs Scharnierschildkröten zeigt, die nun im Tiergarten im Backstagebereich liebevoll gepflegt werden. "Die Schmuggler sammeln nicht wie früher wahllos Schildkröten ein, sondern erhalten genaue Bestellungen beispielsweise für ein Pärchen und verdienen riesige Summen damit. Je seltener die Tiere werden, desto höher werden die Preise. Eine unheilvolle Entwicklung."

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Redaktion
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