So, 22. April 2018

„Hatte Todesangst“

08.01.2018 07:29

Erdogan kritisiert: Schüsse auf Fußballprofi

Der deutsch-türkische Fußballprofi Deniz Naki, ehemals Stürmer bei St. Pauli, ist eigenen Angaben zufolge in der Nacht auf Montag auf der A4 nahe dem nordrhein-westfälischen Düren von einem anderen Auto aus beschossen worden. "Ich habe mich sofort weggeduckt und bin dann rechts auf den Standstreifen gerollt. Ich hatte Todesangst", sagt der 28-Jährige. Naki hatte immer wieder auf Facebook das Regime des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kritisiert. Er schließt daher nicht aus, dass es sich um einen Mordanschlag gehandelt haben könnte.

Die Schüsse seien aus einem schwarzen Kombi abgefeuert worden, der auf der linken Spur etwas zurückgesetzt gefahren sei, sagte Naki der Onlineausgabe der "Welt". Er sei auf der Spur ganz rechts gefahren, als er plötzlich Schüsse gehört habe. Der schwarze Kombi sei nach den Schüssen weitergefahren. Bilder, die Naki dem Bericht zufolge nach dem Anschlag aufnahm, zeigen Einschusslöcher am Fenster und nahe einem Reifen seines Wagens. "Ich war vorhin total geschockt, ich hatte Todesangst. Jetzt komme ich langsam wieder zu mir", berichtet der ehemalige Fußballprofi.

Naki hält es durchaus für möglich, dass der türkische Geheimdienst hinter dem Anschlag steckt: "Ich gehe davon aus, dass es ein MIT-Agent (türkischer Geheimdienst, Anm. d. Red) war oder ein anderer, dem meine politische Haltung nicht passt." Der Ex-Fußballer hatte sich immer wieder kritisch zur Politik Erdogans geäußert. Er lasse sich aber auch von dem Mordanschlag nicht einschüchtern, sagt er: "Ich bleibe der Deniz Naki, der ich bin."

Polizei bestätigt Schuss
Die Polizei in Aachen hatte zuvor mitgeteilt, auf der A4 sei auf ein fahrendes Auto ein Schuss abgegeben worden, der Fahrer sei unverletzt geblieben. Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Montag ermittelt die Staatsanwaltschaft Aachen wegen eines versuchten Tötungsdeliktes. Auch die Hamburger Linke-Politikerin Cansu Özdemir berichtete auf Twitter von dem Vorfall.

Dritte türkische Liga
Der frühere Spieler des FC St. Pauli und des SC Paderborn, der in Düren aufwuchs, steht inzwischen bei dem kurdischen Verein Amed Sportif Faaliyetler unter Vertrag, der in der dritten türkischen Liga spielt. Naki war in der Türkei im Mai 2017 zu einer 18-monatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Ihm wurde Terrorpropaganda für die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorgeworfen.

Im Sommer des Vorjahres wurde Naki während eines Spiels von einem Zuschauer zusammengeschlagen. Naki spielte früher unter anderem zusammen mit Mats Hummels und Jerome Boateng in der deutschen U21-Nationalmannschaft.

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