So, 19. November 2017

Wetterpech bei Gala

25.07.2009 10:54

„Save The World Awards“ ging im Regen unter

Vor dem nie in Betrieb gegangenen Atomkraftwerk im niederösterreichischen Zwentendorf sind am Freitag die "Save The World Awards" verliehen worden. Geehrt wurden bei der feierlichen Zeremonie Menschen, deren soziales und humanitäres Engagement vorbildlich ist, darunter Carl Lewis, Karlheinz Böhm und postum Michael Jackson. Als Höhepunkt der Gala intonierte Jermaine Jackson (im Bild mit seiner Frau und seinen Söhnen) das Lieblingslied seines Bruders, den Charlie-Chaplin-Song "Smile". Besser gepasst hätte aber eigentlich sein eigener Hit "And when the rain begins to fall", denn die Freiluftveranstaltung ging im Regen unter...

Die nach dem überraschenden Tod von Michael Jackson unter dem Motto "Heal the World" abgehaltene Show, die von Hollywood-Schauspielerin Andie MacDowell tapfer durch den Regen moderiert wurde - während das Publikum sich in durchsichtige Pelerinen hüllte, stand die Moderatorin unbeeindruckt von der Nässe auf einer als Erdkugel gestalteten Bühne -, wurde eine gute halbe Stunde vor dem geplanten Beginn gestartet. Die Vorverlegung war - nach dem schlimmen Unwetter am Vorabend - durch erneute Angst vor starken Niederschlägen notwendig geworden. Doch die Gala konnte bis zum Schluss durchgeführt werden und erlebte mit Jermaine Jackson gegen 23 Uhr auch ein sentimentales Highlight.

"Welt hat einen großen Humanisten verloren"
Er habe "einen geliebten Bruder verloren und die Welt einen großen Humanisten", sagte der ältere Bruder des "King of Pop". Michael habe es geliebt, wenn Menschen glücklich waren. "Und ich bin sicher, er lächelt heute Nacht auf uns herunter", sorgte Jermaine für berührende Momente. Die Band des Abends hatte die Veranstaltung mit Jacksons Songs eingerahmt, der Künstler Gottfried Helnwein hatte den verstorbenen Sänger mit einer Bilder-Installation gewürdigt. Den Abschluss der Gala machten die Pointer Sisters und alle Beteiligten mit dem Song "We are the world".

"Ein Abend der Hoffnung und der Inspiration"
Andie MacDowell hatte zu Beginn die Location und die österreichische Bevölkerung gelobt, die sich 1978 in einer Volksabstimmung gegen den Betrieb des Atomkraftwerks ausgesprochen habe. Die Veranstaltung sei "ein Abend der Hoffnung und der Inspiration, ein Abend mit Role-Models und Helden". Als erster "Save The World Award"-Preisträger wurde der Ex-Leichtathletikstar Carl Lewis gefeiert. Er sagte im Anschluss an die Ehrung, es sei ein "historischer Tag". Im Anschluss wurde Helmut Kutin stellvertretend für SOS Kinderdorf International ausgezeichnet.

Jubel für Freda Meissner-Blau
Als Freda Meissner-Blau sich danach für ihre Ehrung bedankte, wurde im Publikum mehrmals gejubelt. Die "Grande Dame" der Grünen nahm die Auszeichnung im Namen jener "Abertausenden" entgegen, die "jahrelang daran gearbeitet haben, Atomkraft in Österreich zu verhindern". Auch Renee Ernst für die United Nations Millennium Campaign und deren Kampf gegen Armut, Alexander Likhotal für Green Cross International sowie die Frauen- und Naturrechtlerin Vandana Shiva wurden mit einem "Save The World Award" geehrt.

Der Preis für Greenpeace-Aktivist Thomas Henningsen stand im Zeichen des Umweltschutzes. "Wir steuern auf die größte Katastrophe der Menschheit zu", warnte er vor dem Klimawandel. "Wir müssen weg von Kohle- und Öl-Verbrennung, aufhören den Regenwald abzuholzen - das klingt einfach? Ist es auch." Der Preisträger Karlheinz Böhm rief den großen Gegensatz zwischen Arm und Reich ins Gedächtnis. Tagtäglich würden 100.000 Menschen auf der Welt verhungern. Es liege in der Hand jedes einzelnen, das zu ändern. Zum Schluss nahm Jermaine Jackson den postumen Preis für Michael entgegen.

Auch Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll kam im Rahmen der Veranstaltung zu einem Kurzauftritt. Heute stünden Menschen vor dem Vorhang, die Botschafter und Vorbilder für Nachhaltigkeit und einen sorgsamen Umgang mit dem Planeten seien, sagte Pröll. Er wünsche sich daher einen neuen Geist, wie ihn schon US-Präsident Barack Obama formuliert habe: "Yes, we can."

"Nein" zur Kernkraft bei Volksabstimmung
Die erste Volksabstimmung der Zweiten Republik war dereinst zur bitteren Niederlage für den damals mit absoluter Mehrheit regierenden "Sonnenkanzler" Bruno Kreisky geworden. Die Atomkraftgegner trugen damals einen hauchdünnen Sieg davon: Am 5. November 1978 stimmten 50,5 Prozent der Österreicher gegen die Nutzung der Kernenergie. Das bereits fertig gebaute AKW Zwentendorf wurde daraufhin für Jahrzehnte "eingemottet".

Nun aber wurde die Anlage nach 30 Jahren einer neuen Nutzung zugeführt, die zugleich eine Trendwende in der Energieerzeugung signalisiert: Im Juni 2009 nahm der niederösterreichische Energieversorger EVN den ersten Teil der größten Photovoltaikanlage Österreichs in Betrieb. Niederösterreich verfolge das Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energie von derzeit 25 Prozent bis 2020 auf 50 Prozent zu steigern, erklärte Landeshauptmann Erwin Pröll beim "Sustainable World Congress" in Grafenegg, der den Auftakt zu den "Save The World"-Awards bildete.

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