So, 17. Dezember 2017

"Bohs" stinksauer

23.07.2009 13:27

In Dublin flogen beinahe die Fäuste

Die Wogen gingen hoch, beinahe wäre es tätlich geworden. Der Frust saß offenbar tief. Um wenige Minuten hatte Irlands Meister Bohemians Dublin den größten Erfolg seiner Europacup-Geschichte verpasst. Patrik Jezek verdarb den Iren die Party, schickte Red Bull Salzburg am Mittwoch mit dem 1:0 in der 86. Minute in die nächste Runde der Champions-League-Qualifikation. Nach dem Spiel, beim obligatorischen Handschlag mit Huub Stevens, explodierte auch Bohemians-Coach Pat Fenlon.

Fenlon bezichtigte den streitbaren Stevens, ihm den Handschlag verwehrt zu haben. Dabei wollte sich dieser eigenen Angaben zufolge nur zuerst beim Schiedsrichter bedanken. "Er ist schon in beiden Spielen total respektlos gewesen. So etwas gehört sich nicht", betonte Fenlon. "Schade, dass wir sie nicht aus dem Bewerb geworfen haben." Mehrere "Bohs" waren nach Matchende in kleinere verbale Scharmützel verwickelt, Ordner mussten Stevens vor heranstürmenden Spielern bewahren - ein unrühmliches Ende.

Grausame Nacht für die Iren
Denn bis dahin hatten die spielerisch limitierten Iren einen Kampf geboten, für den sie beinahe belohnt geworden wären. "Das grausame Ende einer Nacht, die so viel versprochen hatte", schrieb die Zeitung "Irish Independent" über die Niederlage der Bohemians, die ihre finanziellen Sorgen mit Europacup-Einnahmen zu lösen gedachten. "Die Konsequenzen dieses Gegentores könnten große Auswirkungen auf die Zukunft des Clubs haben", meinte der "Independent".

Einen ausführlichen Bericht zum Spiel findest du in der Infobox!

Stevens hätte sich mehr Sportsgeist erwartet
Den entscheidenden Fehler hatte Mark Rossiter begangen. "Ich übernehme die Verantwortung dafür", betonte der Verteidiger. Seine Teamkollegen vermochte er damit nicht zu trösten, einige stürmten auf Stevens zu. "Auch das ist nicht gerade respektvoll", erklärte der Niederländer. Er habe sich von den Iren etwas mehr Sportsgeist erwartet.

"Fenlons Herz ist gebrochen"
Fenlon stellte sich vor seine Mannschaft. "Alle waren großartig bis zu diesem Moment, diesem einen schlampigen Gegentor", erinnerte der Trainer. "Über beide Spiele gesehen, haben sie es nicht verdient, auszuscheiden, vor allem nicht auf diese Art und Weise." Lange Zeit hatten die Dubliner die favorisierten Bullen durch ihre kompakte Defensive neutralisiert. "Fenlons Herz ist gebrochen", titelte der "Irish Daily Mirror".

Stevens jenseits der Realität
Auch für Salzburg wäre das Ausscheiden bitter gewesen. Star-Coach Stevens, der in einem Anflug von Realitätsverlust im TV-Interview direkt nach dem Spiel seiner inferioren Mannschaft für die Einstellung und das Ergebnis die Note eins, für das Spiel die Note zwei gab, hätte sich mit nationaler Kost begnügen müssen. Dank der Mateschitz-Millionen wäre ein Scheitern zwar keine finanzielle, aber eine sportliche Bankrotterklärung gewesen. "Wir sind natürlich immer nervöser geworden, je länger das Spiel gedauert hat", sagte Janko. "Wenn wir ausgeschieden wären, wäre das für uns eine Katastrophe gewesen."

Nach Ried kommt Zagreb
Bei einem möglichen Out gegen Dinamo Zagreb würde nun zumindest der Umstieg in die Qualifikation für die neue Europa League winken. Damit wäre das Saisonziel europäische Gruppenphase noch immer erreichbar. Mit den Kroaten, bei denen Routinier Robert Kovac, Bruder von Salzburgs Amateur-Trainer Niko Kovac, verletzungsbedingt ausfällt, will sich Stevens aber noch gar nicht befassen. Vorerst beschäftigt ihn der kommende Ligagegner Ried.

Hochhauser: "Es wird noch dauern"
"Es wird noch dauern", kommentierte Salzburgs Sportdirektor Heinz Hochhauser das Spiel gegen Dublin. "Wir müssen der Mannschaft Zeit geben." Zeit, die es kaum gibt. Das Hinspiel gegen Dinamo Zagreb, ein ganz anderes Kaliber als der biedere irische Meister, steigt bereits am kommenden Mittwoch. "Zagreb ist eine ganz andere Mannschaft, die ganz anders Fußball spielt - nämlich offensiv und selbst Akzente setzend", erklärte Hochhauser. "Das kommt uns sicherlich entgegen. Sie haben eine andere Spielweise, aber auch eine ganz andere Qualität. Dessen sind wir uns bewusst."

"Die herausragenden Spieler fehlen uns derzeit", meinte Hochhauser. Daher muss das Kollektiv bis zu den Duellen mit Zagreb fortgeschritten sein. "Wir wissen, dass wir gegen Meister aus Länder wie Kroatien spielen, die fußballerisch über Österreich zu stellen sind", versicherte Hochhauser. "Aber irgendjemand müssen wir schlagen, wenn wir in eine Gruppenphase einziehen wollen."

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