Sa, 25. November 2017

Mitreißende Show

06.07.2009 12:33

Soul-Diva Chaka Khan traf auf George Duke

Mit einem zweistündigen Programm aus 13 Songs plus zwei Zugaben hat am 5. Juli Chaka Khan gemeinsam mit Fusion-Legende George Duke in einer fast ausverkauften Wiener Staatsoper das Publikum begeistert: Eine mitreißende Show gespickt mit unzähligen modernen und alten Jazz-Klassikern gab es im Rahmen des Jazz Fest Wien, auch wenn sich das Publikum sicherlich den einen oder anderen Pophit der Soul-Diva gewünscht hätte. Aber mehr als ein kurzes Ansummen von "I Am Every Woman" gab es nicht. Dafür genug Jazz vom Feinsten.

Chaka Khan, nach eigenen Angaben gerade mal 45 Jahre alt ("Glaubt ihr das?"), hat ihre große Zeit im Pop-Geschäft, damals vor allem mit der Funk-Formation Rufus, schon einige Jahre hinter sich gelassen. Doch die Sängerin, immerhin mit der Ehrendoktor-Würde der Musikuniversität Berklee ausgezeichnet, hat sich beeindruckend weiterentwickelt. Freilich: Ihre quietschige Soul- und Funk-Stimme ist ihr Markenzeichen. Die kann und will sie Gott sei Dank nicht verleugnen.

Bilder von Chaka Khans Auftritt in der Infobox!

Doch ganz offensichtlich hat sie sich intensiv mit den großen Vertreterinnen des Jazzgesangs - von Billie Holiday über Nina Simone bis zu Ella Fitzgerald - beschäftigt. Großartig interpretiert sie Klassiker wie George Gershwins "I Loves You, Porgy", "Round Midnight" oder "My Funny Valentine". Sie versteht ihre eigene Note über die x-fach gesungene Nummern zu legen - und kann damit reüssieren. Da macht es gar nichts, dass sie mitunter Teile der Lyrics auslässt oder beim Improvisieren den Faden verliert und sich darüber mit langjähriger Routine hinwegschwindelt. Sie kommt an.

Georg Duke Trio glänzt mit Virtuosität
Womit wir bei George Duke und seinen Musikern wären: Großartig am E- und auch am akustischen Bass ist Mike Manson. Sensationell an den Drums ist Ron Brunner Jr. Der Meister des Fusion-Jazz Duke könnte mit seinem Trio problemlos allein einen ganzen Abend begeistern. Nur drei Instrumentalstücke gesteht er sich und seinen Mitmusikern zu. Es hätten ruhig ein paar mehr sein dürfen. Die fetzen dafür so richtig. Sonst gefällt sich das Trio in der Rolle des Begleiters und fasziniert mit einer unglaublichen Virtuosität: Mühelos wechseln sie vom klassischen Jazz-Stil zum Soul oder zum Funk, haben spürbare Freude am Spielen und helfen Chaka Khan, wenn sie sich ein wenig verliert. Dass die Zusammenarbeit der Musiker relativ jung ist, zeigt auch die Tatsache, dass bei vielen Nummern noch mit Leadsheets gearbeitet wird. Kein Nachteil, denn umso erfrischender, spontaner und überzeugender kommen die Instrumental-Soli daher, etwa bei der Chaka-Khan-Nummer "End Of A Love Affair".

Mit Marvin Gayes Alltime-Klassiker "Brother" als Zugabe schließlich zeigt Chaka Khan noch eine weitere Facette ihres breit gefächerten Könnens und entlässt ein glückliches, zufriedenes und begeistertes Publikum in einen lauen Sommerabend.

von Martin R. Niederauer/APA
Fotos: Andreas Graf

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