So, 21. Jänner 2018

Unlautere Werbung

16.05.2009 14:40

Datis Frauenarzt prahlt mit Entbindung

Der Gynäkologe der französischen Justizministerin und EU-Parlamentskandidatin Rachida Dati (UMP) ist von der Ärztekammer wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses und unlauterer Eigenwerbung vorgeladen worden, nachdem er gegenüber dem Wochenmagazin "Paris-Match" Details über die Entbindung seiner prominenten Patientin erzählt hatte. "Ich bin aus allen Wolken gefallen und habe unmittelbar beschlossen, den Arzt vorzuladen", betonte Irene Kahn-Bensaude, Präsidentin der Pariser Ärztekammer, am Samstag gegenüber dem Web-Nachrichtenportal "Rue89".
In dem ganzseitigen Interview erzählt Datis Arzt Claude Debache, dass die Ministerin am 3. Jänner 2009 in der Pariser Klinik "Clinique de la Muette" entbunden habe. "Ich habe ihr einen Kaiserschnitt gemacht, alles ist gut verlaufen", so Debache. Der Arzt berichtet weiter, dass er der Ministerin die ärztliche Erlaubnis erteilt habe, bereits fünf Tage nach der Entbindung an einer Ministerratssitzung teilzunehmen. "Ihre außerordentlichen Verantwortungen haben mich dazu veranlasst, ihren Wunsch zu respektieren", betonte Debache und erklärte sich über den Vorwurf "schockiert", dass Dati dies bloß gemacht habe, um sich zur Schau zu stellen.


Debache rühmt Kaiserschnitt-Methode

Überdies rühmt Debache die von ihm verwendete Kaiserschnitt-Methode, die eine raschere Erholung der Mutter nach der Entbindung erlaube. Diese Äußerungen verstoßen laut Kahn-Bensaude ebenfalls gegen die Berufsethik, weil sie eine unerlaubte Eigenwerbung darstellten. "Das ärztliche Berufsgeheimnis umfasst all das, wovon der Arzt in der Ausübung seines Berufes zur Kenntnis kommt, also nicht nur, was ihm gesagt wurde, sondern auch was er gesehen, gehört oder verstanden hat", betonte die Präsidentin der Pariser Ärztekammer.


Fall erinnert an Mitterrand-Arzt

Laut Kahn-Bensaude erinnert dieses Interview an die Geschichte von Claude Gubler, dem Arzt des verstorbenen französischen Präsidenten Francois Mitterrand (1981-1995). Dieser hatte nur acht Tage nach dem Tod des Sozialisten ein Buch veröffentlicht, in dem er schrieb, dass Mitterrand sein Krebsleiden Jahre lang verheimlicht und über seinen Gesundheitszustand gelogen habe. Gubler wurde daraufhin von der Ärztekammer ausgeschlossen.


Debache riskiert eine Mahnung, eine Verwarnung oder ein Verbot der Berufsausübung, das allerdings auf Bewährung ausgesetzt werden kann. Nach dessen Anhörung wird die Pariser Kammer entscheiden, ob vor der Disziplinärkammer Anklage erhoben werden soll.
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