Mo, 22. Jänner 2018

Mit Türkei geeinigt

12.05.2009 07:31

Durchbruch bei Nabucco-Verhandlungen erzielt

Die Europäische Union und die Türkei haben einen Durchbruch bei den Verhandlungen über die Nabucco-Pipeline erzielt. Damit könne nun eine potenzielle Energie-"Goldgrube" im kaspischen Raum für Europa erschlossen werden, hieß es am Montag von hochrangigen EU-Vertretern, wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtete. Die unter Federführung der österreichischen OMV geplante Nabucco-Pipeline soll Erdgas bis nach Österreich bringen.

Das Abkommen soll den Angaben zufolge am 25. Juni in Ankara unterzeichnet werden. Es wird für das lange Zeit weitgehend blockierte Nabucco-Projekt einen wesentlichen Impuls bedeuten. Die Pipeline soll Erdgas aus Zentralasien, dem Kaukasus und dem Nahen Osten über die Türkei nach Europa transportieren. Damit würde Moskaus Vormachtstellung bei den europäischen Gasimporten gebrochen. "Das ist ein völliger Durchbruch", erklärte ein an den zähen Verhandlungen mit der Türkei beteiligter EU-Beamter. "Die Türken haben unsere Bedingungen akzeptiert."

Gegen Monopolstellung Russlands
Mit dem 9 Milliarden Euro teuren Nabucco-Projekt will die EU bei der Deckung ihres Gasbedarfs die russische Monopolstellung aufweichen. Das Thema bekam durch den Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine im Jänner, der Lieferausfälle in Osteuropa zur Folge hatte, neue Aktualität.

Die Pipeline soll sich über 3.200 Kilometer von der Ostgrenze der Türkei bis zum europäischen Gasverteilungszentrum Baumgarten bei Wien erstrecken. Sie wird die wichtigste Gasroute für Europa sein, die nicht von der russischen Gazprom kontrolliert wird. Die Umsetzung des Plans scheiterte bisher an dem Streit zwischen der EU und der Türkei über die Transitvereinbarungen. Mehr als die Hälfte der Pipeline liegt in der Türkei, die so zum "Pförtner" für Europas Energielieferungen würde.

Türkei verzichtet auf Forderung
Ankara zeigte sich bei den Verhandlungen lange Zeit unnachgiebig und forderte eine "Gebühr" für den Transit. Außerdem verlangte sie 15 Prozent des transportierten Gases zum Diskontpreis. Das jedoch würde das Nabucco-Projekt unrentabel machen, argumentierten die EU und das sechs Gesellschaften umfassende Konsortium, das die Pipeline errichten und betreiben soll.

Der Verhandlungsstillstand wurde schließlich am Energie-Gipfel am Freitag in Prag überwunden. Die Türkei habe auf ihre 15-Prozent-Forderung verzichtet, sagte Energiekommissar Andris Piebalgs. Man habe sich auf einen kostenbasierten Transit geeinigt und sei nahe an einer Übereinkunft. Ein tschechischer Beamter verglich die Verhandlungen mit einem Feilschen auf einem Markt in Istanbul. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso erklärte schließlich, der türkische Präsident Abdullah Gül habe ihm versichert, dass der Deal innerhalb einiger Wochen unterzeichnet werde.

Keine weiteren Bedingungen von Ankara
Die türkische Führung hatte zuvor den Abschluss einer Nabucco-Vereinbarung indirekt mit Fortschritten bei den EU-Beitrittsverhandlungen verknüpft, die derzeit von den griechischen Zyprioten blockiert werden. Auch viele andere EU-Staaten sind über den Stillstand nicht unglücklich. Barroso sagte jedoch, Ankara habe keine diesbezüglichen Bedingungen für ein Nabucco-Abkommen gestellt.

Soll 50 Milliarden Kubikmeter Gas liefern
Die EU importiert ein Drittel - 140 Milliarden Kubikmeter - seines Gases aus Russland. Der "südliche Korridor" - Nabucco und zwei weitere Pipelines - sollen unter Umgehung Russlands 60 Milliarden Kubikmeter jährlich liefern - rund 10 Prozent des Bedarfs im Jahr 2020.

"Nabucco" ist nach der gleichnamigen Oper von Giuseppe Verdi benannt, die sich österreichische und türkische Spitzenmanager 2002 zufällig in Wien ansahen. Sie fanden die Handlung höchst passend für ihren Plan, weil es in dem Singspiel ebenfalls um das große Thema Freiheit geht.

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