Mo, 21. Mai 2018

Trauer im Zoo

25.09.2008 11:26

"Knut wird noch länger nach ihm suchen"

Nach dem überraschenden Tod seines Tierpflegers Thomas Dörflein bahnt sich bei Eisbär Knut ein herzzerreißendes Drama an: "Ein paar Tage oder einige Zeit wird er wohl nach ihm suchen", sagte am Mittwoch der für die Bären im Berliner Zoo verantwortliche Biologe Heiner Klös. "Der Bär merkt nur, dass jemand nicht mehr da ist. Er kann aber nicht merken, dass jemand endgültig nicht mehr da ist."

Knut werde daran aber keinen emotionalen Schaden nehmen, so Klös. Das Suchen werde sich "mit der Zeit legen". Der genauso wie Knut weltweit bekannte Dörflein starb am Montag an einem Herzinfarkt. Dörflein hatte den von seiner Mutter verstoßenen Eisbären mit der Flasche aufgezogen und betreut. Die Grundfrage, ob Bären trauern können, sei in der Zoologie umstritten, meinte Klös.

Letzter Besuch bei Schützling Knut
Nach Informationen der "Bild"-Zeitung hatte Dörflein Knut noch am Samstag besucht. Die beiden hatten immer noch engen Kontakt, wenn auch nur durch das Gitter von Knuts Gehege: Aus dem schneeweißen Eisbärenbaby, das 2007 die Menschen in aller Welt verzückte, ist längst ein ausgewachsener Bär geworden, ein 21 Monate altes Raubtier mit schmutziggrauem Fell, das auch vertrauten Menschen gefährlich werden kann. Knut habe es aber immer noch geliebt, durch das Gitter an der Hand seines einstigen Pflegers zu nuckeln, berichtete die "Bild".

Bei Bekannter wortlos zusammengesackt
Am Montag hatte sich Dörflein einen Tag Urlaub genommen, um sich einer Routine-Operation am Fuß zu unterziehen. Vorher habe er noch bei einer Bekannten in Wilmersdorf vorbeigeschaut. Während des Besuches habe er sich plötzlich an den Hals und an die Brust gegriffen und sei wortlos zusammengesackt. Sofortige Wiederbelebungsversuche eines Notarztes blieben erfolglos. Dörflein hinterlässt seine Lebensgefährtin und deren Sohn im Volksschulalter sowie zwei erwachsene Kinder aus einer früheren Beziehung.

Trauer und Bestürzung im Berliner Zoo
Im Berliner Zoo löste der Tod von Dörflein Trauer und Bestürzung aus. An Knuts Gehege wurden Kerzen angezündet, zahlreiche Besucher legten Blumen nieder. "Die Gedanken aller Mitarbeiter und des Aufsichtsrates sind jetzt bei der Familie, den Angehörigen und Freunden unseres langjährigen Kollegen", erklärte Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz. Gemeinsam mit Knut habe Dörflein die Herzen der Fans in Berlin und der ganzen Welt erobert. "Wir trauern um einen kompetenten und erfahrenen Tierpfleger und werden ihm stets ein würdigendes Andenken bewahren."

Unglücklich wegen Rummel um seine Person
Dörflein galt aus ausgesprochen bescheidener Mensch, der nie ganz glücklich über den Rummel um seine Person war. In Berlin hatte er fast Kultstatus erreicht, Kinder erkannten ihn auf der Straße, Touristen ließen sich Autogramme geben. Als er im Sommer 2007 mit seiner Freundin den Sommerempfang von Bundespräsident Horst Köhler besuchte, ging er im Blitzlichtgewitter der Kameras beinahe unter.

"Herr Dörflein war ein eher zurückhaltender und bescheidener Mensch. Er hat öffentliche Auftritte meist zurückgewiesen und wollte das nicht", berichtete Blaszkiewitz. "Zum Beispiel hat er die Goldene Henne nicht haben wollen, den Bambi hat er nicht haben wollen. Das zeigt schon, dass ihm daran gelegen war, dass seine Arbeit im Mittelpunkt stand und nicht er als Person. Das ist eine Bescheidenheit, die heute nicht mehr häufig ist."

Kleiner Eisbär als großer Glücksfall für Zoo
Die Geschichte des hilflosen Eisbärenbabys Knut und seines Ziehvaters ging um die ganze Welt. Im Frühjahr 2007 berichteten mehrere Hundert Journalisten vom ersten öffentlichen Auftritt Knuts im Bärengehege. Mit dabei waren natürlich auch damals sein Pfleger Dörflein und Umweltminister Gabriel. Knut hatte sich für den Berliner Zoo als wahrer Glücksfall erwiesen. Erstmals in der 164-jährigen Geschichte zählte der Zoologische Garten 2007 mehr als drei Millionen Besucher, das entspricht einer Steigerung um gut 27 Prozent gegenüber 2006.

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