Di, 20. Februar 2018

Welt in Flammen

23.09.2008 13:47

Mercenaries 2: World in Flames

Der Krieg ist ein schmutziges, aber äußerst lukratives Geschäft. Davon wissen die Protagonisten von EAs "Mercenaries 2: World in Flames" ein Liedchen zu singen. Im zweiten Teil des etwas anderen Open-World-Games sind die Söldnerseelen aber nicht so sehr auf das große Geld aus, ihnen steht der Sinn vielmehr nach Vergeltung.

Ramon Solano, der reichste Mann Venezuelas, hat uns in sein Land gelockt, um einen gewissen General Carmona, seines Zeichens Oberbefehlshaber der venezolanischen Armee, zu befreien. Doch die Befreiungsaktion erweist sich als Falle: Carmona und Solano schließen sich zusammen, um die Regierung in einem Putsch zu stürzen und an die heiß begehrten Ölvorkommen zu gelangen. Solano selbst erklärt sich zum Präsidenten und jagt uns als Zeichen seiner Dankbarkeit eine Kugel in den Allerwertesten.

Das allein wäre noch verzeihbar, viel schwerer wiegt aber, dass uns Solano für seinen Auftrag nicht bezahlt hat. Als einer von drei Söldnern sinnt der Spieler daher auf Rache, auch wenn dafür das ganze Land in die Luft gejagt werden muss. Zur Auswahl stehen der sich schneller regenerierende Mattias Nilsson, der mehr Munition tragende Chris Jacobs oder die flinker rennende Jennifer Mui. Abgesehen von diesen charakteristischen Vorzügen spielen sich alle drei Figuren jedoch ähnlich und auch am Spielverlauf ändert wie Wahl nichts.

Letzterer ist gerade zu Beginn des Spiels recht geradlinig, gilt es doch erst einmal ein passendes Hauptquartier in Venezuela zu finden. Die Villa unseres Erzfeindes Solano erweist sich als das passende Versteck und dient nach einer kurzen, aber effektiven Panzerattacke als Basis für sämtliche weiterführenden Operationen. Die herzensgute Fiona Taylor kümmert sich von hier aus um die logistische Abwicklung der Einsätze und bietet von Zeit zu Zeit auch neue Missionen sowie besondere Herausforderungen – etwa Checkpoint-Rennen - an, für die wir mit zusätzlichen Waffen oder Rohstoffen belohnt werden.

Mit Fiona ist das Team allerdings noch nicht komplett, es bedarf auch eines Mechanikers, eines Hubschrauber- sowie eines Kampfpiloten, um eigene Fahrzeuge zu bauen, wichtige Ressourcen auszufliegen oder Luftunterstützung zu erhalten. Um diese Dienste überhaupt in Anspruch nehmen zu können, braucht es jedoch Dollares und Öl – beides ist in Venezuela glücklicherweise reichlich vorhanden und kann fernab der Wege, vor allem aber durch das erfolgreiche Absolvieren von Aufträgen verdient werden.

Die Story-Missionen sind recht vielfältig ausgefallen: Mal gilt es einen mit Waffen beladenen Truck zu stehlen und unbeschadet zum Auftraggeber zu bringen, ein anderes Mal müssen Gebäude vor anstürmenden Gegnermassen beschützt oder Stützpunkte gestürmt werden. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Gleich in einer der ersten Missionen gilt es etwa den "Devastator" zu bergen. Was nach einer vor Waffengewalt nur so strotzenden Gerätschaft klingt, entpuppt sich allerdings als rosa Motoroller mit Einkaufskorb und Blümchen am Lenker. Die anschließende Flucht durch Feindesgebiet fällt dementsprechend schwerer aus.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil es in "Mercenaries 2: World in Flames" eine Vielzahl unterschiedlicher Fraktionen gibt, die einem, je nachdem, für welchen Auftraggeber man gerade arbeitet, mehr oder weniger wohlgesonnen sind. Die Fahrt mit Musclecar, Motorrad, Panzer oder beispielsweise Kanonenboot durch Venezuela wird so schnell zur Zitterpartie, zumal die manuell einzusammelnde Munition oftmals Mangelware ist und die eigene Gesundheitsleiste nicht allzu viel wegsteckt. Leichter tut man sich da zu zweit: Auf Knopfdruck kann ein Spieler jederzeit in das laufende Spiel einsteigen und mit Rat und Feuerkraft zur Seite stehen.

Die Landschaft selbst ist sehr abwechslungsreich gestaltet worden, enttäuscht aber aufgrund matschiger Texturen, Kantenflimmern sowie klobiger Animationen. Leider nicht die einzigen technischen Patzer, die den Machern unterlaufen sind: So hat man beispielsweise bei hohen Geschwindigkeiten mit unmittelbar vor der eigenen Stoßstange aufpoppendem Gegenverkehr zu kämpfen, während dümmliche KI-Gegner wie besessen auf eine Mauer ballern, obwohl ihr Ziel ja eigentlich dahinter stünde. Auch von störenden Ladezeiten kann sich das Spiel nicht freisprechen, obwohl vor dem Start der PS3-Version bei der Installation rund 2,8 Gigabyte Festplattenspeicher daran glauben müssen.

So unschön die Landschaft mitunter auch anzusehen ist: Mit dem entsprechenden Kawumm lässt sie sich äußerst kunstvoll in ihre Einzelteile zerlegen. Das eine ums andere Mal erfreut man sich so an spektakulären Explosionen, die ebenso bild- wie tongewaltig über den Bildschirm flimmern. Als sehr gelungen darf auch die deutsche Sprachausgabe bezeichnet werden, wenngleich die Dialoge auf inhaltlicher Ebene sicher nicht zu den intelligentesten ihrer Art gehören. Die südamerikanischen Klänge passen sich wiederum sehr schön dem Geschehen an, hätten jedoch ruhig ein wenig offensiver in den Mittelpunkt gerückt werden können.

Fazit: Die offene Spielwelt von "Mercenaries 2: World in Flames" kann zwar nicht mit jener von "GTA IV" mithalten, bietet aber ausreichend Gelegenheit, sich auszutoben und auf Erkundungstour zu gehen. Die Story- und Nebenmissionen sind zudem abwechslungsreich gestaltet und machen dank Feuergewalt, die ganze Landstriche dem Erdboben gleich macht, mächtig Laune. Auf der anderen Seite häufen sich jedoch technische Schnitzer und Pannen, die den Titel insgesamt unfertig erscheinen lassen. Wer sich davon nicht beirren lässt, bekommt mit "Mercenaries 2" grundsolide Actionkost präsentiert.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, PC, PS2
Publisher: Electronic Arts
Krone.at-Wertung: 7/10


von Sebastian Räuchle

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