Sa, 26. Mai 2018

Ganz unten

18.09.2008 11:36

"Drogen haben mich fast zerstört"

Mit 14 Jahren das erste Heroin, mit 16 der erste Entzug, dann fast Tod durch Überdosis - Nadja L. war ganz unten, ein Kind vom Wiener Karlsplatz. Sie sah Freunde sterben, hat gestohlen und sich verkauft. Und sie hat es trotzdem geschafft: von der Drogenhölle in ein neues Leben. Und hoffentlich nie mehr zurück.

Das ist keine Geschichte von zerrütteten Familienverhältnissen. Vom trinkenden Prügelvater, der Rabenmutter und der Tochter, die sich in die Sucht flüchtet. "Ich komm' aus behütetem Haus. Ich war einfach nur neugierig, ich wollte probieren", sagt die heute 26-Jährige.

Begonnen hat es ausgerechnet mit einem Film gegen Drogen. "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", gezeigt in der Schule. Statt abschreckend wirkt die Geschichte von Christiane F. auf die damals 14-Jährige inspirierend. Nach dem Unterricht fährt sie zum Karlsplatz und als junges, hübsches Mädchen findet man dort schnell Anschluss.

"Drogen-ABC" kennengelernt
Ihr erstes Mal Heroin, Kokain, Tabletten, sie schnupft und spritzt sich durch das ganze Drogen-ABC. Mit jeder Fahrt zum Karlsplatz geht es eine Etage abwärts. Sie stiehlt. Sie prostituiert sich. Sie lügt und betrügt. Bekannte aus ihrer Clique sterben, manchmal nur ein Zimmer weiter. Dann trifft es fast sie: "Ich hatte eine Überdosis. Meine sogenannten Freunde haben mich halb tot auf die Mariahilfer Straße gelegt, damit ich nicht in ihrer Wohnung sterbe. Da wusste ich, dass mich die Drogen zerstören."

Hilfe von den offiziellen Stellen
Und heute: keine Drogen, ein guter Job und einen Sohn. "Hilfe hab' ich von den offiziellen Stellen keine bekommen", sagt Nadja. Was auch FP-Gemeinderat David Lasar heftig kritisiert: "Das Präventionsprogramm an den Schulen ist nicht ausreichend. Auf einen Entzugsplatz wartet man zu lange. Oft Monate."

von Michael Pommer, Kronen Zeitung

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