Di, 20. Februar 2018

Wie die Wahl wird

15.09.2008 13:04

Ein Drittel der Wähler ist noch unentschlossen

Bei rund einem Drittel der wahlberechtigten Österreicher steht zwei Wochen vor der Nationalratswahl noch immer nicht fest, wer gewählt wird: Laut Meinungsforschern ist die hohe Zahl der Unentschlossenen vor allem auf den kurzen Wahlkampf zurückzuführen. Den Österreichern sind darum Zeitungsinterviews, Berichte im Internet und vor allem die TV-Konfrontationen im Fernsehen wichtiger denn je. Indes wagen es die Experten kaum, Prognosen über den Ausgang der Wahl zu stellen. Nur so viel: ÖVP und SPÖ kämpfen um die geringeren Verluste, Jörg Haider kostet der FPÖ Stimmen, dem Wahlkampf der Grünen fehlt der „Zug zum Tor“, und für LIF/Dinkhauser zeichnet sich eine „Zitterpartie“ ab.

Peter Hajek von „Public Opinion Strageties“ geht von einem Wechselwähleranteil von einem Viertel bis zu einem Drittel aus. Dieser sinke immer mehr ab, in den letzten Wochen und Tagen vor der Wahl würden trotzdem noch einige Wähler zu gewinnen sein. Dieses Mal seien die TV-Diskussionen auf Grund des kurzen Intensivwahlkampfes stärker in den Mittelpunkt gerückt - vor allem bei Leuten, die die Kandidaten noch nicht so gut kennen. Dies könnte ein leichter Vorteil für SP-Spitzenkandidat Werner Faymann sein, so Hajek. Auch Peter Ulram vom ÖVP-nahen FESSEL/GfK-Insitut beziffert den Anteil der noch Unentschlossenen mit zirka 30 Prozent. Allerdings seien da auch eine Reihe an Nichtwählern dabei, der Wechselwähleranteil werde schlussendlich mit deutlich über einem Viertel sehr hoch sein.

Laut Imma Palme vom SPÖ-nahen IFES-Institut ist der Anteil der Unentschlossenen in den letzten zwei  Wochen von etwa 40 auf 35 Prozent gesunken. Überraschenderweise seien sehr viele von denjenigen, die sich bereits jetzt zu einer Partei bekennen, noch nicht sehr gefestigt in ihrer Meinung - viele würden noch zwischen zwei Parteien überlegen. Auch Werner Beutelmeyer vom Linzer market-Institut schätzt den Prozentsatz der Wähler, die sich bisher noch nicht festlegen konnten, höher ein als bei der Nationalratswahl 2006. Als Grund dafür ortet er die geringe Unterscheidbarkeit der einzelnen Partei-Programme.

SPÖ und ÖVP kämpfen um die geringeren Verluste
Vorsichtig sind die Meinungsforscher nach wie vor mit Prognosen. Laut Beutelmeyer sei vor allem bei den beiden Großparteien SPÖ und ÖVP der Ausgang des Kopf-an-Kopf-Rennens schwierig abzuschätzen. Für Hajek hat die SPÖ „sicher leichte Vorteile gegenüber der ÖVP“. „Interessant“ sei aber, dass sich die Volkspartei nun auf die „Stärken“ des Spitzenkandidaten Wilhelm Molterers besinne und die Slogans „Hält Wort“ oder „Gibt Sicherheit“ propagiert. Die ÖVP versuche damit, all jene Attribute auszuspielen, die Molterer auch in Umfragen zugesprochen werden.

Laut dem Politologen Peter Filzmaier geht es für SPÖ und ÖVP in erster Linie um Schadensbegrenzung. „Es ist unbestritten, dass beide verlieren werden“, sagte er. Die strategische Frage, die sich jetzt stelle, sei lediglich, wer von beiden die höheren Verluste einstecken müsse. Der SPÖ sei es bisher besser gelungen, Stimmen aus dem Pool der möglichen Nichtwähler zurückzuholen. Welche Rolle die Berichterstattung der Kronen-Zeitung in diesem Zusammenhang spiele, sei schwierig einzuschätzen, meinte Filzmaier. Das Blatt sei aber auf jeden Fall ein „zentraler Faktor im Wahlkampf“.

Ulram attestierte der SPÖ, einen sehr auf Faymann konzentrierten Wahlkampf geführt zu haben. Darüber hinaus versuche die SPÖ mit ihrem Plan, ihr Anti-Teuerungspaket noch vor der Wahl durchs Parlament zu bringen, den bisherigen Vorwürfen, sie hätten Versprechen nicht gehalten, entgegenzusteuern. Bei der ÖVP sei der Wahlkampf erst „in den letzten Tagen“ richtig in Schwung gekommen. Große Erfolge erwartet er für keine der beiden Regierungsparteien: „Es würde mich wundern, wenn eine der beiden über den 30er (Prozentmarke, Anm.) kommen würde.“ Imma Palme sieht eine „Themenführerschaft der SPÖ“, sie habe damit den „Aufholprozess“ gegenüber der ÖVP bereits geschafft.

Haider-Aufstellung kostet der FPÖ Stimmen
Der FPÖ werden zwar Zugewinne prognostiziert, Hajek glaubt aber nicht daran, dass die Freiheitlichen die 20-Prozent-Marke erreichen werden. Beutelmeyer sieht die FPÖ gar „auf dem absteigenden Ast“, während das BZÖ in der Wählergunst steige. „Die TV-Auftritte von Jörg Haider haben offenbar mobilisiert“, meinte er. Auch Ulram meinte, dass sich „das Aufstellen des Haider“ bezahlt gemacht habe. Auch für Palme habe die FPÖ damit „Konkurrenz im eigenen Lager bekommen, die doch spürbar ist“.

Grünen fehlt „Zug zum Tor“
Unterschiedlich sind die Meinungen zum Wahlkampf der Grünen. Während Hajek diesen einen angriffigen, klaren, „mit Kanten und Profil“ versehenen Wahlkampf attestiert, meinte Ulram, die Erwartungen der Partei von Alexander Van der Bellen sei durch das Antreten des Liberalen Forums „massiv eingebremst worden“. Und Palme vermisst bei den Grünen „den Zug zum Tor“.

Zitterpartie bei LIF und Dinkhauser
Skeptisch gaben sich die Experten zum Einzug des LIF: Beutelmeyer sagt den Liberalen wie auch der Liste Dinkhauser eine „Zitterpartie“ vorher. Letzterer sei außerhalb Tirols „nicht wirklich besonders präsent“, so Palme - und auch Hajek meinte, es sehe derzeit so aus, als ob Dinkhauser „die Luft ausgeht“.

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