Mo, 20. November 2017

Pleitegeier fliegt

18.06.2008 13:38

Immer mehr Betrieben droht die Insolvenz

Die Pleitewelle bei Österreichs Unternehmen droht wieder ins Rollen zu kommen: Während die Privatkonkurse unverändert explodieren, drohen auch die Firmeninsolvenzen wieder zu steigen. "Wir müssen froh sein, wenn die Firmenpleiten Ende des Jahres gegenüber 2007 nicht gestiegen sind", so der Insolvenzexperte im Kreditschutzverband von 1870 (KSV), Hans-Georg Kantner, am Mittwoch zur vorliegenden Insolvenzstatistik für das erste Halbjahr 2008. Die Privatkonkurse kletterten im Jahresvergleich wieder zweistellig um fast 13 Prozent.

2008 wird keine Entspannung bei den Firmeninsolvenzen bringen, ist Kantner überzeugt. Ursachen sind der hohe Ölpreis und die Dollarschwäche. Darüber hinaus habe die USA-Subprime-Krise die Finanzierungsfreudigkeit der Banken gedämpft.

"Deutlicher Knick" nach oben
Im Detail gingen die Unternehmenspleiten insgesamt im Halbjahr im Jahresvergleich um 5,3 Prozent auf 3.136 Fälle zurück. Der Rückgang sei jedoch auf die noch günstige Entwicklung im ersten Quartal zurückzuführen. Danach habe es einen "deutlichen Knick" nach oben gegeben. Die eröffneten Verfahren stiegen im Berichtszeitraum um 4,4 Prozent auf 1.616 Fälle, die mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge sanken deutlich, und zwar um 13,8 Prozent auf 1.520 Fälle. Die geschätzten Passiva gingen um 8,3 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zurück, die Zahl der betroffenen Dienstnehmer hingegen stieg um 14,3 Prozent auf 10.400 (9.100) Betroffene.

Wien führt die Pleiten-Statistik an
Die größten Fälle waren bis jetzt der Konkurs der Biodiesel Enns mit 46,4 Millionen Euro Passiva, gefolgt von den Konkursen der AST Baugesellschaft mit 41 Millionen Euro Verbindlichkeiten und der Maschinenfabrik Battenfeld mit 30 Millionen Euro. Die meisten Pleiten gab es im ersten Halbjahr in Wien (976 Fälle), vor Niederösterreich (516) und der Steiermark (416). Nach Branchen waren vor allem die Bauwirtschaft (532 Fälle/189,4 Millionen Euro Passiva), unternehmensbezogene Dienstleistungen (521 Fälle/243,5 Millionen Euro) und das Gastgewerbe (454 Fälle/76,2 Millionen Euro) betroffen.

Privatkonkurse steigen um 12,7 Prozent
Die Privatkonkurse kletterten im ersten Halbjahr 2008 ungebremst weiter und nahmen im Jahresvergleich um insgesamt 12,7 Prozent auf 4.913 Fälle zu. Die eröffneten Verfahren stiegen um 17,9 Prozent auf 4.331 Fälle, die mangels Masse abgewiesenen Konkursanträgen sanken um 15,3 Prozent auf 582 Fälle. Die geschätzten Passiva erhöhten sich um 2,8 Prozent auf 507 Millionen Euro. Die meisten Privatkonkurse oder Schuldenregulierungsverfahren gab es unverändert mit 1.757 Fälle in Wien.

Verbraucher haben durchschnittlich 55.000 Euro Schulden
Die Schulden der Privaten sind laut KSV im Jahresvergleich im Schnitt um rund 13 Prozent auf 117.000 Euro zurückgegangen. Während ehemalige Selbstständige mehrere hunderttausend Euro Schulden haben, haben "wirkliche Verbraucher" durchschnittlich 55.000 Euro Schulden. Für Kantner ist das Ansteigen der Privatpleiten ein positives Zeichen, denn jedes eröffnete Verfahren bedeutet für den Überschuldeten "ein Stück Hoffnung" aus der finanziellen Misere.

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