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24.06.2022

Motor Krone Tirol

Ferrari Schorsch aus Schwaz stellt die Pferde in den Stall

Georg Bliem, bekannt als der „Ferrari Schorsch“, will nicht nur sein Haus, sondern auch seine Boliden verkaufen.

Die Ferraris haben das Leben von Georg Bliem geprägt. Nun will er in Pension gehen und alles verkaufen. Foto: Elena Krasovc

Wer kennt ihn nicht, den legen­da­̈ren Werbe­spot „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ der Spar­kasse in den 1990er-Jahren. Zwei Männer prahlen dabei, was sie sich alles durch geschicktes Geld­an­legen leisten können. Georg Bliem aus Schwaz hat solch eine Prah­lerei nicht nötig. Er besitzt tatsäc­hlich das, was andere vorgeben, zu haben. Nämlich ein paar Ferraris, ein Haus und eine Firma.

Zumin­dest noch, denn wenn jemand bei ihm vorkommt und zufä­llig ein paar Millionen übrig hat, kann dies alles ganz schnell den Besitzer wech­seln. „50 Jahre sind genug“, prangt auf der gelben Fassade seinen Wohn­do­mi­zils. Und darunter: „Zu verkaufen 2022: Mein Haus, meine GmbH, meine Ferraris“. Verkauft wird aller­dings nur im Gesamt­paket. Sogar die Tele­fon­nummer steht extra dabei. Bereits vor zwei Jahren hat er das Plakat auf die Haus­wand instal­liert. Vor allem das Haus und das Grund­stück gab es immer wieder Ange­bote.

Mit 72 Jahren ist es genug

Ferrari Schorsch aus Schwaz stellt die Pferde in den Stall-2
Foto: Elena Krasovc

Was wie eine Szene aus einer Film­ko­mo­̈die klingt, ist für Bliem, legen­där unter dem Namen „Ferrari Schorsch“, Reali­tät. Mit 72 Jahren scheint es für ihn Zeit, sich zur Ruhe zu setzen. Obwohl man vom Ferrari-Mythos ohnehin nie loskommen wird.

Symbo­lisch gespro­chen stellt Schorsch jedoch die Pferde in den Stall.

Ein Original aus Schwaz

Zuge­geben: auf Under­state­ment setzte das Original aus Schwaz nie. „Ich bin ein beson­deres Exem­plar“, sagt der Mann, der bis heute stylish den Look der wilden, unbe­schwerten 70er-Jahre inter­pre­tiert. Von der Optik her ein Typ wie der legen­däre TV- Held Jason King. Die Haare und der dicke Schnauz sind zwar grau geworden und bilden einen Kontrast zum schwarzen Stirn­band und der knall­roten Ferra­ri­brille. „Ich bin halt ein echter Benzin­bruder der alten Schule und lebe für mein Hobby Ferrari und habe es zu meinem Beruf gemacht.“

Ferrari Schorsch aus Schwaz stellt die Pferde in den Stall-3

Fotos: Elena Krasovc

Doch hinter dem vermeint­lich flockig lockeren Luxus­leben steckte von jeher viel Arbeit und noch mehr Geschäft­stü­cht­igkeit. Denn „der Schorsch“ ist alles andere als mit dem Goldenen Löffel auf die Welt gekommen. Viel­mehr war es das Mecha­ni­keröl, mit dem er als Kfz-Lehr­ling schon früh in Berü­hrung kam. Doch Bliem repa­rierte nicht nur Autos, er verkaufte sie auch. „Man muss fleißig sein. Es hat zwar nicht immer alles geklappt, aber über die Jahre ist eines zum anderen gekommen“, bilan­ziert er nach 50-jähr­iger Selbst­stä­ndi­gkeit. Die wich­tigste Tugend war aber sicher die Leiden­schaft, die ihn zum echten Ferra­risti machte. Im Jahr 1975 kaufte er seinen ersten Ferrari, Modell 355, und wurde damit zum Gespräch­sthema in Schwaz.

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Fotos: privat/Georg Bliem

Er etablierte sich als Hän­dler, fuhr selbst unzä­hlige Rennen und wurde bald zum „Ferrari Schorsch“. Sein Vorteil: als freier Hän­dler war er niemanden unter­stellt, baute sich selbst seine Kontakte in Italien und Deutsch­land auf. So konnte Schorsch einen Ferrari zumeist in kurzer Zeit besorgen. „Zum Unter­schied von offi­zi­ellen Hän­dlern, bei denen die Warte­zeit oft ein oder sogar zwei Jahre beträgt.“ Bei ihm dauert es im Schnitt nicht länger als einen Monat. Zudem gibt es auch noch Zube­hör wie vom Ferrari-Hand­tuch bis hin zum Ferrari-Küh­lschrank.

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Fotos: Elena Krasovc

Der Geld-Adel und die Promi­nenz ging bei ihm ein und aus. Aber nicht nur der, weil es auch Autos für den schma­leren Geld­beutel gibt. „Von Ferrari allein hätte ich nicht leben können.“ Verkauft hat er dennoch weit über 100 davon. Obwohl Bliem alias „Ferrari Schorsch“ Summen bewegte, die viele Menschen wahr­schein­lich ein Leben lang nicht sehen, verlor er nie die Boden­stä­ndi­gkeit. Statt andere für sich arbeiten zu lassen, legt er bis heute selbst Hand an. „Motoren und Getriebe mache ich selbst“, hat er vielen ausge­dienten Ferraris - aber auch anderen Boliden - neues Leben einge­haucht.

„Der Lange“ als treuer Helfer

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Foto: Elena Krasovc

Treu zur Seite stand ihm die letzten 37 Jahre sein Helfer Alberto, von allen nur „Der Lange“ genannt. Er ist der einzige Mitar­beiter, den Bliem beschä­ftigt. Dass dieser nun die Pension antritt, ist ein weiterer Grund, warum er sich von allem trennen will. Immer wieder rufen auch Inter­es­sierte an oder schauen vorbei. Das Staunen ist nicht schlecht, wenn „der Schorsch“ die roten Tücher hebt und die heißesten Schlitten hervor­ragen. Sollte sich kein Käufer für sein Lebens­werk finden, nimmt es der 72-Jährige auch nicht so tragisch, „Schlie­ß­lich gibt es da noch meine Tochter und deren Freund, der Mecha­niker ist. Denen schenke ich dann einfach alles.“ Wohl wissend, dass seine geliebten Pferde im Stall bestens aufge­hoben wären.