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14.04.2026

Krone Extra Tirol Ausgabe April 2026

Wo der Rubel rollt: Ein Münzhändler erzählt

Der Numismatiker Alfredo Vitola aus Innsbruck entführt auf eine Reise in die Welt der Münzen und gibt spannende Einblicke in seinen Beruf.

Fotos: V. L. Nummus

Vor 15 Jahren hat sich der gebürtige Südtiroler Alfredo Vitola mit seinem Unternehmen V.L. Nummus in Innsbruck selbständig gemacht. Dabei handelt er nicht nur mit Münzen und anderen wertvollen Gegenständen: Als einziger allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger in ganz Westösterreich fertigt er auch Gutachten und Schätzungen bei Erbschaften und Notarfragen an und überprüft Münzen auf ihre Echtheit. Darüber hinaus ist er Vizepräsident des Vereins Österreichischer Münzhändler.

Ein Numismatiker erzählt

Angefangen hat Alfredos Karriere im Münzhandel mit seiner großen Leidenschaft für Geschichte, die er von seinem Vater übernommen hatte. „Münzen sind ein Stück Geschichte. Da ich mich schon als Jugendlicher dafür interessierte, begann ich früh mit dem Münzensammeln als Hobby“, schmunzelt er. Heute ist er stolzer Geschäftsführer einer Münzhandlung mit Sitz in Innsbruck und einer Auktionsplattform in Salzburg. Es werden allerdings auch Auktionen in Innsbruck veranstaltet.

„An meinem Beruf gefällt mir am meisten, dass ich mit sehr vielen interessanten und intelligenten Kollegen weltweit in Kontakt trete, die meine Leidenschaft für Münzen teilen. Als ich noch jünger war, fand ich auch die vielen Reisen toll, mittlerweile übernehmen das aber Kollegen für mich.“ Um besonders wertvolle Münzen aufzustöbern, reiste der Numismatiker früher auch nach Asien oder in die USA.

„Als Numismatiker hat man stets mit historisch spannenden Artefakten zu tun. Gleichzeitig muss man immer auf dem Laufenden bleiben und sich fortbilden“, erklärt Alfredo.

Wer sich für diesen Berufsweg interessiert, hat die Möglichkeit, in Wien Numismatik und Geldgeschichte zu studieren. „Sicherlich können Numismatik-Absolventen, die offen, kommunikativ und lernwillig sind bei Auktionshäusern einen guten Job finden“, ist Alfredo überzeugt.

Nicht alles Gold, was glänzt

Der Wert einer Münze wird laut Experte nicht in erster Linie an ihrem Alter festgemacht: „Ausschlaggebend ist vielmehr ihre Erhaltung, die Seltenheit sowie die Marktnachfrage aus dem Herkunftsgebiet.“

Man unterscheidet zwischen insgesamt 70 Erhaltungsstufen, wobei der Wert einer Münze je nach Stufe stark variieren kann. „Ein und dieselbe Münze kann in schlechtem Zustand z. B. 'nur' 50.000 Euro wert sein, im Top-Zustand aber auch für eine Million Euro verkauft werden“, informiert er uns.

„Wertvolle“ Euro-Münzen

Wovon der Münzexperte ein Lied singen kann, sind Kunden, die zu ihm in den Laden kommen und überzeugt sind, eine besonders wertvolle Euro-Münze zu besitzen. „In den allermeisten Fällen haben Euro-Münzen keinen Sammlerwert, da es sich um für den täglichen Zahlungsverkehr produzierte Massenware handelt.“ Alfredo zufolge gebe es nur zwei Szenarien, in denen eine 2-Euro-Münze mehr wert sein könnte: Entweder im Falle einer seltenen Fehlprägung oder falls es sich um eine seltene Gedenkmünze handelt (z.B. die Grace-Kelly-Münze aus Monaco, die 3000 Euro wert ist). 100 Letztere wurden aber meist nie in den Umlauf gebracht und LUSTRIS PERACTIS sind im Besitz von Sammlern. Die teuerste Münze, die der Experte in den Händen halten durfte, hatte einen Wert von 4,5 Millionen Euro.

Goldankauf sinnvoll

Alfredos Tagesgeschäft besteht hauptsächlich aus Anlagegold und -silber: „Da der Goldpreis derzeit hoch ist, möchten viele Leute ihr Gold zu Geld machen.“ Der Experte empfiehlt, in Gold und Edelmetalle zu investieren. „Wichtig ist es, sich hierbei an den ansässigen Handel, also an eine Firma vor Ort zu wenden, die ein Geschäftslokal hat“, erklärt der Numismatiker. Von einer Kontaktaufnahme mit unseriösen Fahrtenhändlern rät er dringendst ab: „Das sind meist Betrüger, die viel zu wenig Geld für das Gold bieten. Man sollte deshalb nie an Verkaufsveranstaltungen teilnehmen. Mein Rat lautet außerdem, nur aus Internetshops oder dem Versandhandel zu kaufen, wenn man sich vorher eingehend über die Shops informiert hat.“

Gleichzeitig müsse man laut Münzhändler die Investition in Edelmetalle stets als einen langfristigen Werterhalt des eigenen Vermögens betrachten. Kurze Gewinne seien beim Goldkauf riskant. Dem Experten zufolge empfiehlt es sich gerade für junge Erwachsene, regelmäßig etwas Gold als Absicherung zu kaufen. „Ideal wäre es, das Gold in einem Bankschließfach aufzubewahren“, ergänzt er.

Wer mehr über Numismatik erfahren oder eine Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte, findet weitere Informationen unter www.vl-nummus.com.