Das freie Wort

Düstere Aussichten für Europa

Was kommt noch, fragt man sich, wenn man die politische Berichterstattung verfolgt. Die Hauptakteure auf der Weltbühne lassen nichts Gutes erwarten. Wenn man bei der Präsentation von Rüdiger Bachmanns zwei möglichen Szenarien für Europas Zukunft noch Hoffnung hatte, so schwindet diese zunehmend, je länger man Trumps Handeln in Augenschein nimmt. Mögliches Szenario eins: USA, Russland und China teilen sich die Welt auf wie einst die Großmächte am Wiener Kongress, wobei Europa der Einflusssphäre Russlands zugeordnet wird, die USA erhalten ganz Amerika inklusive Grönland, und China hat in Asien alle Rechte. Afrika wird unter den drei Großmächten aufgeteilt. Mögliches Szenario zwei: USA und Russland verbünden sich gegen China. Europa ist die Morgengabe für Putin. Es gab eine Zeit, da hätte man das für unmöglich erklärt, aber jetzt? Wer sollte uns davor bewahren? Eine EU, die die Klimazeitenwende ausruft und Atomstrom für grün erklärt und amerikanisches Frackinggas importiert? Eine EU, die Friedensverhandlungen zum Unwort erklärt, sobald Kissinger es in den Mund genommen hat? Eine EU, die Angela Merkel zurückpfeift, die mit Putin verhandeln wollte? Eine EU, die ihrer Bevölkerung kleingeistige Beschränkungen auferlegt, moralisierend und arrogant unsere Zukunft verspielt und im gleichen Atemzug zu Kreuze kriechen muss, weil die Realität, sprich Trump, sie eingeholt hat? Unzählige haben wie ich auf die Friedensunion Europa vertraut, während ihre Führung uns in die Sackgasse manövriert hat und jetzt mit Kriegsrhetorik das Ruder herumreißen will, wohl wissend, dass wir sicherheitspolitisch von Amerika abhängig sind. Und sollte Trump plötzlich durch einen unvorhergesehenen Umstand von der Bildfläche verschwinden, wird unsere Welt nicht mehr dieselbe sein.

Renate Lehner, per E-Mail

Erschienen am Mi, 7.1.2026

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