Das freie Wort

Gedanken zur Sterbehilfe

Obwohl die Entkriminalisierung der Sterbehilfe auf den ersten Blick erleichternd ist, sind die Hürden für den Menschen, der den Tod herbeisehnt, eher inhuman und für einen Todkranken wohl nur sehr schwer zu überwinden. Da ist einmal die Sterbeverfügung, die sicherlich nicht gratis erstellt wird und von einem Notar, ebenfalls gebührenpflichtig, abgesegnet werden muss. Dann kommt die Begutachtung bzw. das Aufklärungsgespräch, durchgeführt von einem Psychologen und einem Facharzt für Palliativmedizin, es ist nicht anzunehmen, dass dies kostenfrei geschieht. Am schlimmsten aber ist die 3-Monats-Frist, diese Zeit kann für einen Todkranken sehr lange bzw. zu spät sein. Fremde bestimmen, wie hoch die Hürde zum selbstbestimmten Sterben sein soll, und sie bestimmen, ab wann einem die Bürde zu schwer ist oder wie lange man sie zu tragen hat. Wer Erfahrung mit der Gewährung von Arztterminen hat, kann sich zudem die möglichen Zeitverzögerungen ebenfalls vorstellen. Dazu kommt, dass es für die unabdinglich notwendigen Personen keine Verpflichtung gibt zu helfen, kein Arzt kann gezwungen werden, die notwendige Substanz, selbst nach positiver Absolvierung aller Hürden, zu verordnen, kein Apotheker muss sie verkaufen, es ist wie der Weg durch ein Labyrinth, der niemals endet. In Deutschland haben viele trotz eindeutiger Gesetzeslage genau diese Erfahrung gemacht. Ich jedenfalls bete dafür, dass mir, wenn es so weit ist, die Möglichkeit zu einem würdevollen, barmherzigen Tod gegeben ist. Ich kann auch nichts Christliches darin entdecken, wenn man mich eines Tages zwänge, mein Leben unter Schmerzen und menschenunwürdigen Umständen, womöglich in einem rein vegetativem Zustand zu beenden. Auf die immer wieder hingewiesene Möglichkeit der Palliativversorgung möchten viele gern verzichten, ein Leben sollte nämlich mehr beinhalten als Ernährung, womöglich über Sonde, Säuberung, bestmögliche Schmerzvermeidung und warten auf den Tod. Wohl dem, dessen Gedankenwelt sich da bereits verabschiedet hat. Man kann sich im Leben nicht allzu viel aussuchen, für unseren Tod sollte das nicht gelten. Es müsste ohne Wenn und Aber und ohne Abhängigkeit von der Beurteilung anderer unser Recht sein, den Zeitpunkt und die Art unseres Sterbens ohne Barrieren selbst zu bestimmen. Wir bekamen von Gott den freien Willen, und diesen sollte uns am Ende unseres Weges weder Staat noch Kirche nehmen dürfen.

Eva Schreiber, per E-Mail

Erschienen am So, 31.10.2021

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