Schwimm-EM

Mirna Jukic holt Gold, ihr Bruder Dinko Silber

Sport
22.03.2008 00:43
Mirna Jukic hat sich am Donnerstagabend erstmals zur Europameisterin über 100 m Brust gekürt. Die 21-jährige Wienerin setzte sich bei den Langbahn-Titelkämpfen in Eindhoven im Finale in 1:08,18 Minuten durch und verfehlte damit ihre im Semifinale aufgestellte nationale Bestleistung um 2/10 Sekunden. Eine knappe halbe Stunde später durfte auch ihr Bruder Dinko jubeln. Der 19-jährige holte sich im Endlauf über 200 m Lagen in 1:59,65 Minuten die Silbermedaille und verbesserte dabei den am 12. Mai 2004 von Markus Rogan bei seinem EM-Finallauf in Madrid aufgestellten österreichischen Rekord um 14/100 Sekunden.

Der Europameister-Titel über 200 m Lagen ging wie erwartet an den Titelverteidiger und Favoriten Laszlo Cseh. Der Ungar schlug in 1:58,02 Minuten an, Bronze sicherte sich der Litauer Vytautas Janusaitis in 2:00,17. 

Mirna Jukic überglücklich
"Das war ein harter und langer Weg zurück", erklärte Mirna Jukic angesichts ihrer 2006 durch "Pfeiffer'sches Drüsenfieber" bedingten halbjährigen Trainingspause. "Jetzt habe ich gezeigt, dass ich wieder das Zeug dazu habe, in der europäischen Klasse mitzuschwimmen - aber auch in der Weltspitze. Ich bin überwältigt, glücklich und stolz." Es war ihr fünftes EM-Gold sowie der insgesamt 16. Medaillen-Gewinn ihrer Karriere.

Trotz oder gerade wegen der knappen Sekunde Vorsprung im Semifinale war sich Jukic ihrer Sache nicht sicher gewesen. Sie war skeptisch, ob die Rivalinnen nicht doch noch Reserven hätten. Trotz des letztlich sicheren Siegs bedauerte die SC-Austria-Wien-Athletin, ihren OSV-Rekord verpasst zu haben.

Mirna Jukic Vierte im EM-Vorlauf über 200-m-Brust
Am Freitag zog Jukic als Vorlauf-Vierte über 200 m Brust souverän ins abendliche Semifinale ein. In 2:28,98 Minuten blieb die 21-Jährige in ihrem Heat nur hinter der russischen Kurzbahn-Europameisterin Julia Efimowa (2:28,06) zurück. Die Finalplätze werden um 19.24 Uhr ausgeschwommen.

Jukic ließ sich von der im letzten Heat neben ihr auf der letzten Länge davonziehenden russischen Kurzbahn-Europameisterin Julia Efimowa nicht zu einem höheren Tempo verleiten, begnügte sich mit einer Zeit von 2:28,98 Minuten. "Julia hat die letzten 50 Meter voll reingefetzt, das ist ja komplett unnötig", meinte Jukic zur Vorstellung Efimowas. "Die 200 m sind ein Rennen, das muss man gescheit schwimmen."

Medaillen-Premiere und OSV-Rekord für Dinko Jukic
Bruder Dinko Jukic zeigte als jüngster Finalist über die kürzere Lagenstrecke keinen Respekt und hielt sich das gesamte Rennen über in den Top Drei. Vor dem Rennen hatte er sich mit seinem Trainervater dahingehend abgestimmt, auf der dritten Länge über Brust mit dem Litauer Vytautas Janusaitis in Kontakt zu bleiben, da Jukic als besserer Krauler das bessere Ende für sich haben müsste. So war es dann auch, der Balte holte in 2:00,17 Minuten Bronze.

Jukic aber markierte in 1:59,65 einen neuen österreichischen Rekord, indem er die von Markus Rogan beim EM-Goldlauf am 12. Mai in Madrid fixierte nationale Bestzeit um 14/100 unterbot. "Unglaublich! Ich habe mich extrem steigern können, alle vier Lagen waren stark." In der vergangenen Kurzbahn-Saison war der Sport- und Biologie-Student in etwa gleich schnell gewesen, hat sich seither also um rund zwei Sekunden gesteigert.

Silber kam etwas überraschend
Seinen Medaillengewinn hinter dem in 1:58,02 Minuten erfolgreichen ungarischen Titelverteidiger Laszlo Cseh schätzte Jukic als speziell ein. "Im Jugend-Bereich habe ich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt", sagte der neue österreichische Schwimm-Fixstern. "Jetzt möchte ich mich in der allgemeinen Klasse etablieren und habe nun einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht."

Seine Silber-Zeit hat Qualität, das weiß Jukic. "Bei Olympia stehe ich damit im Finale", erkannte der Maturant. Gute Aussichten, wenn man bedenkt, dass er sich in den nächsten fünf Monaten noch weiter steigern kann und wohl auch wird. Mit EM-Silber hätte Jukic vor den Titelkämpfen freilich nicht gerechnet. Sein Vater hatte aber vor der Abreise im Verband (OSV) eine Medaillenchance erwähnt. Sohn Dinko hatte ihn da noch fragend angeschaut.

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