Getrübter Badespaß

Kroatiens „Meeresrotz“: Nur eklig oder gefährlich?

Strahlender Sonnenschein, brütende Hitze, Touristenmassen an den Stränden – und niemand, der sich in der Adria abkühlen will. Was steckt hinter dem „Meeresrotz“, der Kroatiens Küsten aktuell zu Schleimwüsten verkommen lässt? Und ist das Naturphänomen nur ekelhaft oder für Badende gar gefährlich?

„Ich bin wirklich hart im Nehmen, Wassertemperaturen um 16 Grad sind kein Problem und selbst Quallen machen mir normal nichts aus – aber da wollte nicht einmal ich ins Wasser!“ Für „Krone“-Leserreporterin T. wurde der Kurztrip nach Poreč am vergangenen Wochenende zumindest badetechnisch zum Alptraum. Brauner Schleim überall, der den Einstieg in die sonst türkisblauen Fluten blockierte. „Wir sind eine Stunde lang die Küste entlang spaziert, auf der Suche nach einer Stelle mit weniger Schleim – vergebens.“

„Meeresblüte“ nennt sich das Phänomen, das Kroatiens Küste heimsucht, offiziell und durchaus charmant. Unter „Meeresrotz“ verbreitet es sich in den sozialen Medien – und das ist sicher passender. 

Die schleimige Masse ist das Ausscheidungsprodukt bestimmter Algen. Sie setzt sich über kurz oder lang am Meeresboden ab. Die Algen vermehren sich laut Experten etwa durch höhere Temperaturen, unbehandeltes Abwasser, das direkt ins Meer abgelassen wird, und geringe Fließgeschwindigkeit.

Der „Rotz“ tötet Ökosysteme
Tatsächlich ist das Phänomen kein neues, sondern sucht die istrianische Küste Jahr für Jahr heim – allerdings meist erst Ende Juni und Anfang Juli. Ausgelöst werde es hauptsächlich durch einen starken Anstieg der Meerestemperatur, so Experten.

Das fiel auch der Leserreporterin auf: „Ich war vor vier Wochen in Pula, da war das Wasser keine 20 Grad warm – jetzt hatte es Badewannentemperatur.“ Ein Blick auf die Messstationen zeigt: Plantschte man vor einer Woche noch bei kühlen 20 Grad, sind es nun knapp 24.

Wie kommt es nun zu dem unansehnlichen „Rotz“? Indem sich Phytoplankton schnell vermehrt, wenn bei hohen Temperaturen (zu) viele Nährstoffe vorhanden sind. Dadurch entstehen schleimigen Ansammlungen einzelliger Algen in der Wassersäule und an der Wasser-Oberfläche. Besonders stark ist ihr Wachstum, wenn es länger einen hohen Luftdruck und ruhige See gibt.

Die „Meeresblüte“ kann auch ganze Ökosysteme zerstören, und zwar wenn die Algen in Richtung Meeresboden sinken, wo sich ihre organische Substanz dann zersetzt. Das verbraucht Sauerstoff und führt zu einem Sauerstoffmangel im Wasser. Dadurch wiederum sterben Organismen, die sich dann zersetzen, dem Wasser Sauerstoff entziehen und eine Kettenreaktion auslösen. Zuletzt besonders dramatisch war das etwa 2021 im türkischen Marmarameer, wo sogar mit Schläuchen versucht wurde, den Schleim abzusaugen, um das dortige Ökosystem zu retten. 

Vor einigen Jahren versank das Marmarameer in „Meeresrotz“. (Bild: AFP)
Vor einigen Jahren versank das Marmarameer in „Meeresrotz“.
(Bild: AFP)
(Bild: AFP)

Am „Meeresrotz“ ist übrigens nicht nur der Klimawandel mit schuld, der Mensch verstärkt den Effekt noch, in dem etwa zu viele nährstoffreiche Abwässer aus der Landwirtschaft ins Meerwasser fließen.

Kann man im Schleim baden?
Wer trotz des Schleims den Sprung ins Wasser wagt, ist im Anschluss gut beraten, sich ausgiebig abzuduschen. Zwar ist der Schleim zumindest in der Adria im Normalfall nicht gesundheitsgefährdend, da er von einheimischen und nicht giftigen Algenarten besteht. Allerdings bleibt, so der Test von Leserreporterin T. ein schleimiger Film auf der Haut zurück.

Und: Auch im westlichen Mittelmeer gab es bereits Berichte einer für die menschliche Gesundheit „schädlichen Meeresblüte“, die von eingeschleppten Algenarten verursacht wurde.

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