01.12.2007 14:40 |

Bann gebrochen

ÖSV-Läufer tanken Selbstvertrauen

Die ÖSV-Mannschaft hat nach dem Sieg von Michael Walchhofer in der Abfahrt von Beaver Creek Selbstvertrauen getankt: Die Trainer gönnten sich einen Schluck Rotwein, Michael Walchhofer feierte ebenfalls schaumgebremst. Die Erleichterung über den ersten Sieg für die ÖSV-Herren im sechsten Saisonrennen war aber deutlich zu spüren. „Unser oberstes Ziel ist es, Rennen zu gewinnen. Deshalb freuen wir uns alle, wenn es dann gelingt“, stellte Herrenchef Toni Giger fest.

Fast exakt elf Monate nach seinem Bormio-Double hatte Walchhofer in Colorado höchstpersönlich auch die ÖSV-Sieglosigkeit in der Abfahrt beendet. Mehr denn je sind also der 32-jährige Salzburger und der bald 35-jährige Hermann Maier die Leistungsträger in der Speed-Ecke der ÖSV-Herren, während - ausgenommen Mario Scheiber (24) und Romed Baumann (20) - die meisten ihrer potenziellen Nachfolger auch nicht mehr gerade zu den Jungspunden zählen.

Selbstvertrauen getankt
„Dieser Sieg gibt der ganzen Mannschaft Selbstvertrauen“, gab sich der Olympia-Zweite Walchhofer aber zunächst als Teamplayer. „Die Burschen sind im Grunde alle sehr gute Skifahrer, sie müssen es nur noch erst zeigen“, versuchte der Zauchenseer seinen Teamkollegen Mut zu machen. Er selbst sei auch erst mit 24 zur Abfahrt gekommen, betonte der Weltmeister von 2003. Allerdings war er dann gleich in seiner dritten Abfahrt erstmals auf das Podium gerast.

Derartige Senkrechtstarter sind derzeit nicht auszumachen. „Ihnen fehlt doch nur das Selbstvertrauen. Mit diesem Sieg im Rücken wird es in Gröden sicher leichter“, nahm Walchhofer seine Kollegen in Schutz. Walchhofer hat mit dem ersten Sieg auf US-Boden einen weiteren weißen Fleck auf seiner persönlichen Sieges-Landkarte ausgelöscht. Und ist nun wieder Träger des roten Abfahrts-Trikots. „Sehr lässig, das steht mir wirklich gut“, meinte der Familienvater schmunzelnd.

Nächstes Ziel: Olympia-Gold
Große Ziele bleiben dennoch. Ein Gröden-Sieg. Oder Olympia-Gold. „Es wäre schön, wenn es mich so lange freuen würde. Denn eine richtige Gaude macht das Training nur, wenn du weißt, dass du dann auch etwas gewinnen kannst“, machte Walchhofer auch nach seinem zwölften Weltcupsieg klar, dass er bis 2010 denkt. Dabei war die beherzte Fahrt Walchhofers auf der Raubvogelpiste nach dem wilden Trainingssturz zuvor in Lake Louise und dem Schock durch die schwere Verletzung von Aksel Svindal keine Selbstverständlichkeit gewesen.

Umso mehr bewies der 32-jährige Familienvater damit, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. „Noch auf dem Podium habe ich mir gedacht, wie gut dass ich im Sommer nicht aufgehört habe“, grinste der „Gefühlsfahrer“ zufrieden und kassierte viel Lob. Franz Klammer gratulierte vor Ort, Ski-Legende Toni Sailer via Telefon.

Nyman als fairer Zweiter
„Der Walchi hat einfach den Killerinstinkt“, verneigte sich auch Marco Büchel und der zweitplatzierte US-Jungstar Steven Nyman wollte dem Österreicher nichts von dessen Ruhm nehmen, obwohl er selbst bei dichtem Schneefall fahren musste und um nur 5/100 langsamer gewesen war. „Skifahren ist Freiluftsport. Der Michi hat mit Stil gewonnen. Und der Sieger ist der Sieger“, gab sich Nyman sportlich.

Der Sieger wollte bei der Pressekonferenz in Beaver Creek etwas Anderes loswerden: „Der Skisport ist so viel internationaler geworden, dass Siege für uns Österreicher keine Selbstverständlichkeit mehr sind.“ Lob von Legenden sei eine große Ehre. „Aber die Infos von unseren Coaches sind doch besser!“ Auch der geschlagene Topfavorit Didier Cuche schlug in diese Kerbe. „Der Skisport hat sich so dramatisch verändert, da könne ein Zurbriggen oder Klammer nicht mehr weiterhelfen.“

Streng genommen war Walchhofers Sieg auch der erste für Andreas Evers als Abfahrtscoach. „Meine Burschen haben schon genug Abfahrten gewonnen“, winkte der frühere WC-4-Coach schmunzelnd ab. Platz acht für den jungen Scheiber nach oberster Zwischenbestzeit imponierte Evers ebenso wie der Ärger von Hermann Maier über Rang elf. „Das zeigt, dass der Hermann es nach wie vor will!“

Scheiber selbst nahm viel Schwung in den freilich vom nahenden Schlechtwetter massiv bedrohten Super G Samstag mit. „Ich weiß jetzt, dass ich hier sehr schnell bin. Auch im Super G ist alles drin“, sagte der Tiroler und bedauerte das Fehlen von Svindal. „Mir tut es brutal leid um ihn. Er ist ein Super-Bursche und heute noch so natürlich und sympathisch, wie ich ihn vor Jahren bei der Junioren-WM kennegelernt habe.“

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