Do, 21. Juni 2018

"Knarrenballett"

17.10.2007 16:25

Stranglehold

Unter dem Motto "Ehre ist sein Kodex. Rache ist seine Mission. Blutvergießen ist seine einzige Wahl" gerät der schießwütige und allen Polizeikonventionen trotzende Inspektor Tequila in "Stranglehold" zwischen rivalisierende Drogen-Gangs. Dass es dabei äußerst bleihaltig und explosiv zur Sache geht, ist Action-Regisseur John Woo zu verdanken, unter dessen Schirmherrschaft das Spiel entstand.

Mit "Hard Boiled" revolutionierte Regisseur John Woo 1992 das Action-Genre. 2007 findet die Geschichte um Inspektor Tequila, gespielt von Chow Yun-Fat, in "Stranglehold" ihre Fortsetzung - diesmal jedoch nicht auf der Leinwand, sondern auf Konsolen und PC.

Am Grundprinzip von einst hat sich jedoch wenig geändert: Die eher spärliche Story dient nur als Rahmenhandlung, um von einer bleihaltigen Action-Sequenz zur nächsten überzugehen und möglichst viel Kulisse effektvoll in die Luft zu jagen. Pistolen, Pumpguns, Sturmgewehre, Uzis oder auch Raketenwerfer leisten Tequila bei dieser Aufgabe wertvolle Dienste.

Um im Gegenzug den Attacken der schier unzähligen, meist jedoch nicht sehr intelligent agierenden Gegner ausweichen zu können, bedient sich der Inspektor des Einsatzes der "Tequila-Time", auch besser bekannt als "Bullet Time". Ob automatisch beim Hechten auf Tische sowie Rollwagen oder manuell auf Knopfdruck ausgelöst: Je mehr Gegner Tequila im Zeitlupen-Modus tötet, desto mehr "Stilpunkte" wandern auf sein Konto.

Mit diesen Stilpunkten füllt sich wiederum eine Anzeige, die Tequila den Einsatz vier unterschiedlicher Fähigkeiten ermöglicht: Stufe eins erlaubt es dem Polizisten, sich selbstständig zu heilen, während mit Stufe zwei ein Präzisionsschuss zur Verfügung steht. Ein Sperrfeuer-Angriff legt schließlich selbst massive Hindernisse in Schutt und Asche, und der Drehangriff ist optimal dazu geeignet, alle Feinde in einem bestimmten Umkreis zu beseitigen.

Davon abgesehen hat "Stranglehold" jedoch leider nur wenig zu bieten, um den Spieler langfristig bei Laune zu halten. Rätsel beschränken sich meist darauf, irgendetwas umzuschießen oder in die Luft zu sprengen, um weiter voranzukommen - etwa Telefonmasten, um das höher gelegene Dach eines Hauses zu erreichen. Lediglich die "Standoffs", Duelle mit mehreren Gegnern, vermögen noch ein wenig Pepp in das ansonsten eher monotone Gameplay zu bringen: In feinster Matrix-Manier gilt es während dieser Art von Minispiel den feindlichen Kugeln auszuweichen und selber fleißig auszuteilen.

Was "Stranglehold" in punkto Gameplay vermissen lässt, macht das Spiel dafür in Sachen Optik wieder wett. Das liegt einerseits am Design der Levels, die sich - genügend Munition vorausgesetzt - nahezu gänzlich in ihre Einzelteile zerlegen lassen. Müsste man sich nicht um Gegner kümmern, man könnte die ganze Zeit auf Mauern, Leuchtreklamen und sonstige Dinge schießen, nur um sich am eigenen Zerstörungswerk zu erfreuen. Andererseits begeistert das Spiel mit seinen filmreifen Zwischensequenzen, den flüssigen Animationen und den überzeugenden Charaktermodellen. In Kombination mit einer sehr stimmungsvollen deutschen Sprachausgabe und einer gewaltigen Soundkulisse entsteht so zumindest in audiovisueller Hinsicht ein kleines Meisterwerk.

Hat man sich schließlich von Hongkong bis nach Chicago geballert, wartet "Stranglehold" noch mit einem Multiplayer-Part für bis zu sechs Spieler auf. Auf den der Einzelspielerkampagne entliehenen und daher wenig ausgewogenen Karten darf man sich in den Modi Deathmatch oder Team-Deathmatch üben.

Fazit: "Stranglehold" ist wie ein Action-Streifen aus Hollywood: Schnell, bildgewaltig und vor Spezial-Effekten nur so strotzend. Die Story hat man hingegen vernachlässigt, und so weiß "Stranglehold" zwar kurzfristig zu begeistern, auf Dauer wünscht man sich jedoch mehr Tiefgang, etwas knackigere Rätsel und Gegner, die nicht nur als Kanonenfutter fungieren. In Sachen Präsentation setzt der Titel jedoch Maßstäbe, weshalb man sich auch als Nicht-Action-Fan "Stranglehold" zumindest angesehen haben sollte.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PC, PS3
Publisher: Midway
Krone.at-Wertung: 82%


von Sebastian Räuchle

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