Mo, 18. Juni 2018

"Werde angegriffen"

28.09.2017 13:07

Rätsel um zerfleischte Flüchtlingshelferin

Gruselig, mysteriös und ungeklärt: Der Tod einer britischen Flüchtlingshelferin im Norden Griechenlands beschäftigt Polizisten und Experten für Wildtiere gleichermaßen. Wurde die Frau wirklich von Wölfen angegriffen und zerfleischt? Ein Gerichtsmediziner ist sich dessen sicher. Griechische Wolfskenner hingegen bezweifeln das - zu scheu seien die Tiere und in der Region auch gar nicht heimisch.

Was geschah wirklich am vergangenen Donnerstag in der Nähe der antiken Stätte von Maronia nahe der nordgriechischen Stadt Komotini? Britische Medien berichten, die 62-jährige Flüchtlingshelferin aus Bradford on Avon, Celia Lois Hollingworth, habe Verwandte in England angerufen und von einer Attacke durch wilde Tiere berichtet. Danach sei das Signal abgebrochen. Die Verwandten setzten sich daraufhin mit der britischen Botschaft in Athen in Verbindung, die Frau wurde als vermisst gemeldet und die Polizei begann mit der Suche.

Erst zwei Tage später wurden die Rettungstrupps fündig. Offenbar war die Frau beim Wandern von der Strecke abgekommen, als sie Maronia besuchen wollte - am Samstag wurden ihre Überreste rund vier Kilometer von der eigentlichen Route entfernt entdeckt.

"Noch nie in meinem Leben so etwas gesehen"
"So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen", sagt dazu der zuständige Gerichtsmediziner Nikolaos Kifnidis. Entdeckt wurden menschliche Knochen, große Teile des Körpers fehlten allerdings, darunter auch die Wirbelsäule. Dass es sich um die Britin handelt, steht Kifnidis zufolge fest. "Wir haben keine Zweifel. Die Knochen, die wir gefunden haben, sind die der Engländerin." In der Nähe habe man Gegenstände und Dokumente der Frau gefunden, außerdem werde in der Region sonst niemand vermisst und die Überreste seien auch nicht älteren Datums.

Kifnidis zog einen Veterinärexperten hinzu, der die Bissspuren an den Knochen analysierte und zu dem Schluss kam, es handle sich eindeutig um Spuren von Wölfen. Dafür spreche auch, dass Teile des Körpers fehlten. "Die Tiere ziehen ihre Beute in ihr Versteck." Leben könnten Wolfsrudel demnach im dicht bewaldeten Gebiet von Ismaros in der Nähe von Maronia.

Experte: "Gebiet zu klein für Wolfsrudel"
Panos Stefanou, Sprecher der griechischen Wildtier-Organisation Arktouros, hat Zweifel. Schon ein Blick auf die Landkarte lasse das Szenario unwahrscheinlich erscheinen. Das Waldgebiet Ismaros sei viel zu klein für ein Wolfsrudel. "Wir wissen zwar nicht, ob es dort Wölfe gibt, aber der Fundort der Leiche liegt viel zu weit südlich, fast an der Küste, ungeschützt, in der Nähe zum Strand." Dort hielten sich Wolfsrudel nicht freiwillig auf. Erwiesen sei, dass viele Wölfe viel weiter nördlich in den dicht bewaldeten, weitgehend unbewohnten Grenzgebirgen von Griechenland zu Bulgarien, Mazedonien und Albanien lebten.

Vielleicht Opfer von verwilderten Hunden
"Hinzu kommt, dass die scheuen Tiere beim Anblick von Menschen Reißaus nehmen", glaubt Spyros Psaroudas von der griechischen Wolf-und Wildtierorganisation Callisto. Vorstellbar sei, dass die Frau Opfer einer Attacke verwilderter Hunde war, von denen es nach Schätzungen in Griechenland rund eine Million gibt. Auch die großen griechischen Schafhütehunde kämen infrage.

"Gerade in der Region um Maronia leben viele dieser riesigen Hunde, die Wölfen sehr ähneln", sagt Psaroudas, der sich wundert, wie ein Veterinär den Unterschied zwischen den Bissspuren von Hütehund und Wolf ermittelt haben will. Die Tierschützer fordern deshalb, es müsse ein DNA-Test gemacht werden, um den Speichel an den Bissspuren zu analysieren und eindeutig festzustellen, um was für eine Spezies es sich handle.

Auch die griechische Polizei hat den Fall noch nicht ad acta gelegt. Offenbar wollen die Beamten zunächst auch sichergehen, dass die Frau nicht schon vor der Attacke ums Leben kam. Der Sprecher der Polizei von Komotini hält sich bedeckt. "Wir ermitteln weiter."

 krone.at
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