So, 19. August 2018

Digitales Imperium

26.08.2017 12:20

Modernste Methoden: Wie der IS den Terror plant

Bis vor einigen Jahren war Rakka eine schmucklose Stadt im Norden Syriens, die kaum jemand in der Welt kannte. Mittlerweile ist diese Kleinstadt weltweit zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt: als Hauptstadt des IS-Terrorstaates. Vor allem aber auch als Ort, von dem aus Terror organisiert und gelenkt wurde - bis heute?

Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass sich die Terroristen von Spanien (oben das jüngste Propaganda-Video) in Rakka aufhielten. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden wurden sie jedenfalls über den Cyberraum von "Headhuntern" des IS bis zuletzt gecoacht.

Geheimdienste können Gespräche des IS nicht mitlesen
Damit die Instruktionen der Hintermänner ihre Empfänger Tausende Kilometer entfernt erreichen, verwenden die Extremisten Nachrichten-Dienste, die jedem Smartphone-Besitzer zugänglich sind. Besonders beliebt sind die Anwendungen WhatsApp und Telegram, die Nutzern eine sichere Verschlüsselung bieten. Für die Geheimdienste weltweit ist es meistens unmöglich mitzulesen. Selbst wenn sie das Gerät eines Extremisten in die Hände bekommen, kann es passieren, dass sie leer ausgehen: Mit Telegram lassen sich Nachrichten so verschicken, dass sie sich nach einer bestimmten Zeit selbst löschen.

Online-Propaganda im Netz frei zugänglich
Um den Sympathisanten Anweisungen zu geben, nutzt der IS aber auch Online-Publikationen, die jedem einigermaßen findigen Internet-Nutzer zugänglich sind. Im November vergangenen Jahres verbreiteten die Dschihadisten in ihrem Magazin "Rumiyah" einen Artikel, in dem sie detailliert erklärten, wie Angreifer einen Anschlag mit Fahrzeugen verüben können, "eine der sichersten und einfachsten Waffen", wie es hieß. Dieser Propaganda ist nicht beizukommen, weil sie dezentral produziert und verbreitet wird.

IS-Anhänger sollen Zuhause Anschläge verüben
Die wichtigsten Hintermänner mögen in Rakka sitzen - doch Helfer weltweit unterstützen sie. Jeder Dschihadist betreibe heute "sein eigenes kleines Nachrichtenportal", schreibt der Journalist Abdel Bari Atwan in seinem Buch "Das digitale Kalifat". Wegen seiner militärischen Verluste in Syrien und im Irak hat der IS laut Sicherheitskreisen die Ideologie eines virtuellen Kalifats ausgerufen. Über die sozialen Netzwerke werden Anhänger dazu aufgerufen, nicht mehr in die Kriegsgebiete zu reisen, sondern Anschläge zu Hause zu verüben.

Kleine Terrorzellen als klassische Methode
Daneben nutzen die Extremisten auch eine klassische Methode von Terrorgruppen, um möglichst unentdeckt zu agieren: die Bildung von geheimen Zellen. Abu Musab al-Suri, ein einflussreicher Vordenker der Dschihadisten, widmete diesem Thema in einer seiner Schriften ein Kapitel. Die größte Gefahr geht dabei von aus dem Ausland gesteuerten Kleinstgruppen - sogenannten Hit-Teams - aus.

Attentate schon jahrelang geplant
Seit dem Beginn einer Offensive von syrisch-kurdischen Truppen auf Rakka haben die Extremisten mehr als die Hälfte der Stadt verloren. Allerdings dürften Teile der IS-Anführer schon in andere Gebiete unter Kontrolle der Extremisten geflüchtet sein. So bleibt auch die Gefahr von Anschlägen bestehen. Guido Steinberg, Terrorexperte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, ist davon überzeugt, dass der IS sogar vorgesorgt hat. Attentate seien schon seit 2013 geplant worden: "Wir müssen befürchten, dass die alten Planungen mit einem Erfolg zu Ende gebracht werden, ohne dass der IS noch aus Rakka die Fäden ziehen kann."

Kurt Seinitz, Kronen Zeitung

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