29.11.2006 12:58 |

Winter-Debakel

Skigebiete in Sorge: Wo bleibt der Schnee?

Die Ski sind längst gewachst, alle paar Meter steht ein Punschstand, und die Hotels locken mit Weihnachtsangeboten - was zur winterlichen Idylle jetzt noch fehlt, ist allerdings der Schnee. Und von dem ist weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen überall grüne Berghänge, leere Lifte und frühlingshaftes Picknick-Wetter statt Kälte.

Eine Riesenveranstaltung mit vielen Stars hätte es werden sollen. Christina Stürmer und DJ Ötzi wollten kommen, Fernseh-Moderator Stefan Raab hatte für Samstag zum Promi-Skirennen nach St. Anton in Tirol geladen. Doch das frühlingshafte Wetter hat dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Wo bleibt die weiße Pracht?
Wo wadenhoch der Schnee liegen sollte, ist alles grün in grün. Keine Skifahrer, keine Snowboarder, bestenfalls Wanderer, die mit ihren Stöcken über die „Pisten“ spazieren. Raabs Parallelslalom ist vorerst um zwei Wochen verschoben.

Ob dann allerdings Schnee auf den Bergen liegt, wird sich zeigen. Denn von der weißen Pracht ist laut Meteorologen weit und breit nichts in Sicht. Doch St. Anton steht mit dem Problem nicht alleine da. Ganz im Gegenteil: planmäßig durchgeführte Ski-Openings sind die Ausnahme.

Sogar die Schneekanonen sind unbrauchbar!
In so gut wie allen Wintersportorten wird der Saisonauftakt, der am kommenden Wochenende stattfinden sollte, nach hinten verschoben. Auf den schneefreien Pisten ist an Carven und Wedeln nicht zu denken. Und auch mit der künstlichen weißen Pracht aus der Maschine klappt es nicht: Dafür ist es viel zu warm.

Im heimischen Tourismus herrscht ob dieser trüben Aussichten nun Alarmstimmung. In Tirol etwa investierten die Skigebiete für diesen Winter 270 Millionen Euro, 55 Millionen davon für neue Schneekanonen, die stehen nun still. Franz Perner vom Zauberberg Semmering: „Wir haben alles vorbereitet, jetzt können wir nur auf ein Umschwenken des Wetters warten.“

„Kommende Generationen werden gar keinen Winter haben“
Doch das ist laut Meteorologen nicht in Sicht. Und auch wenn in den kommenden Tagen hier und da vielleicht ein paar Schneeflöckchen fallen, reicht es noch lange nicht zum Skifahren. Ein trübes Bild, an das wir uns möglicherweise gewöhnen müssen. Der renommierte Klimaforscher Mojib Latif von der Universität in Kiel hat ein düsteres Zukunftsszenario entworfen: „Kommende Generationen werden gar keinen Winter mehr haben.“

Von Doris Vettermann, Michael Pommer und Günther Krauthackl

Donnerstag, 24. Juni 2021
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