27.04.2017 15:27 |

Saison 2017/18:

Schauspielhaus stellt die Gretchenfrage

"Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?" Die bange Frage, die Goethes Gretchen an Faust stellt, schwebt mottomäßig über der Saison 2017/18 im Grazer Schauspielhaus. Welche Rolle spielt Religion im säkularisierten Europa (wieder)? Versuche zu Antworten kommen unter anderem von Joseph Roth, Lessing und Molière.

Die heutigen Bewohner eines weitgehend säkularisierten Europas mit seiner lange gewohnten Trennung von Kirche und Staat sind vor neue Herausforderungen und Fragen gestellt - in einer Zeit, in der durch Migrationsbewegungen religiös geprägte Lebensentwürfe plötzlich wieder Wirklichkeit werden und auch Ansprüche stellen. In einer Zeit, in der Toleranz, Vielfalt und Werte ständig neu zu diskutieren, neu zu denken und auch neu zu verteidigen sind.

Gott und die Welt
Sachdienliche Hinweise zum Thema liefern 2017/18 unter anderem Gotthold Ephraim Lessing, dessen Religions-Klassiker "Nathan der Weise" von Regisseurin Lily Sykes (heuer: "Romeo und Julia") neu befragt wird. Auch Joseph Roths Roman "Hiob", der die große, schwere Frage stellt, wie Gott all das Unglück auf der Welt zulassen kann, kommt zu Theaterehren. András Dömötör (heuer: "Der thermale Widerstand") wird eine Fassung von Koen Tachelet auf die Bühne bringen. Molières "Tartuffe" mit seiner Satire auf religiöse Heuchelei gewinnt dem Motto auch heitere Facetten ab während Volker Hesse (heuer grandios mit "Geächtet") mit seinem Projekt zum Alten Testament aufs Ganze geht. Ganz explizit auf Graz angewandt setzt sich das Religions-Thema innerhalb des Langzeitprojekts "Jeder ... Niemand/Graz und die Menschenrechte" fort.

Roman-Dramatisierungen
Die Dauermode der Dramatisierung von Romanen hat natürlich weiter Saison. Neben "Hiob" wagt man sich dabei gleich an Thomas Manns 1000-Seiten-Wälzer "Der Zauberberg", für die Dramaturgin Karla Mäder ist dieser eine einzige große "Metapher auf das erschöpfte Europa".

Grazer Legenden
Man wird nächste Spielzeit auch Grazer Legenden begegnen. Werner Schwabs 1994 posthum uraufgeführtes "Faust:: Mein Brustkorb: Mein Helm" eröffnet die Saison und Nikolaus Habjan wendet sich dem in Graz geborenen einstigen Klassik-Weltstar Karl Böhm und seiner nicht unproblematischen Biografie zu. Auch sehr grazerisch: Gemeinsam mit dem Theater im Bahnhof erkundet man den Alltag der hiesigen Polizei am Beispiel der Wachstube am Lendplatz. Pia Hierzegger schreibt den Text, Monika Klengel führt Regie. Neben "Böhm" und dem Polizeistück gibt es zwei weitere Uraufführungen, von Oliver Kluck bzw. von Nicoleta Esinencu. Österreichische Erstaufführungen sind "Bacchae" in Zusammenarbeit mit dem "herbst", Thomas Melles "Bilder von uns" sowie das erste Stück von Clemens J. Setz "Vereinte Nationen".

Auslastung bei 77 Prozent
In ihrer dritten Saison bleibt Intendantin Iris Laufenberg also beim "Steckenpferd Gegenwartsdramatik", riskiert auch einmal nicht massentaugliche Radikalität aus den 1990ern (Schwab), zeigt auf der Hauptbühne aber auch viel Klassik. Derzeit hält man übrigens bei einer Auslastung von 77 Prozent. Das ist nicht überragend, aber doch sehr solide. Infos hier

Martin Gasser
Martin Gasser

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