21.04.2017 13:10 |

Idee eines Wieners

Festival-Casting: Ohne Bewerbung keine Party!

Nach dem rasanten Erfolg der letzten Jahre hat sich der Wiener Veranstalter Hennes W. für sein Festival in Kroatien etwas ganz besonderes einfallen lassen: Während auf allen Events das Prinzip "Wer zuerst kommt, malt zuerst" herrscht, muss man sich für das Lighthouse Festival nun bewerben. Diskriminierend oder nicht?

Habt ihr es nicht auch satt, auf Festivals zu gehen, wo nur durchschnittliche Menschen in Punkto Aussehen anzutreffen sind? Wollt ihr nicht auch lieber Coachella Vibes - schöne und vor allem saubere Menschen, geiles Line-Up und "Sonne, Strand, Sattler"-Feeling - aber alles eben ein bisschen näher an Zuhause und nicht so exorbitant teuer? Das Lighthouse Festival 2017 ist eure Antwort!

Ganz exklusiv!
Die Tickets sind auf 3.500 Stück begrenzt und nicht mehr für die breite Masse zugänglich. Ideal für alle nicht geselligen Menschen, die sich in großen Mengen unwohl fühlen, und keine neuen und potentiell auch nicht so schöne Menschen kennenlernen möchten.

Der Verkauf der Pässe läuft nach dem "Friends of Friends"-Prinzip. Wer im Jahr zuvor auf dem Lighthouse Festival war, erhält einen Einladungslink zur neuen Website per E-Mail und kann sich auf der Homepage, die mittlerweile auch nicht mehr öffentlich zugänglich ist, ein Profil erstellen. Ist dieses Prozedere abgeschlossen, darf man seinen Freunden einen Einladungslink zur Log-In-Seite schicken, wo das Ganze von vorne losgeht.

Ihr wart vorher noch nie auf dem Lighthouse Festival und kennt auch niemanden, der euch einen Einladungslink schicken könnte? Kein Problem! Eine limitiert Anzahl an Tickets wurde für eben solche Fälle zurückgelegt. Um einen heißbegehrten Einladungslink zur geheimen Website zu erhalten, müsst ihr euch aber zuerst bewerben. Per E-Mail sollt ihr ein Foto von euch inklusive einer prägnanten Begründung, warum ausgerechnet ihr auf das Festival eingeladen werden solltet, einschicken. Gefällt den Veranstaltern, was sie da sehen und lesen, erhaltet ihr ebenfalls einen Einladungslink zur Registrierung. Ja genau, richtig verstanden. Euer Geld reicht offenbar nicht mehr aus für ein Ticket. Nun muss man sich, um Geld ausgeben zu dürfen, sogar, wie für einen Job, bewerben.

Ich habe heute leider kein Ticket für dich!
Wer warum Tickets bekommt, weiß keiner so genau. Allerdings suggeriert das System, nicht wie auf der Website beschrieben, dass es sich um eine familiäre Community handelt, sondern, dass ganz oberflächlich nach Aussehen selektiert wird. Weshalb sonst sollte man ein Foto von sich hochladen müssen?

Ein "Qualität statt Quantität"-System ist an sich eine innovative und definitiv keine schlechte Idee. Auch der Ansatz mit dem Profil und der Begründung, weshalb man auf das Festival gehen möchte, ist verständlich. So kann genau gefiltert werden, wer für das Line-Up und die Liebe zur Musik hingeht, und wer einfach keinen Plan hat und nur seinen Leuten hinterherdackelt.

Ein Insider verriet: "Man merkt schon, dass die Veranstalter ihre Leute genau aussuchen. Die letzten Jahre ist das Lighthouse Festival immer mehr zu einem Mainstream-Proletenfestival geworden. Nun will man eben zurück zum Ursprung und dieses Gefühl wie im ersten und zweiten Jahr wieder einfangen. Damals war es so, als würde man mit seinen Freunden in die Pratersauna gehen, nur halt am Strand in Kroatien."

Lookism, Lookism everywhere
Entspricht ein Mensch nicht dem vorherrschenden Schönheitsideal der heutigen Gesellschaft und wird aufgrund dessen diskriminiert, nennt man dieses Phänomen "Lookism". Der Begriff stammt aus dem englischsprachigen Raum und wurde erstmals 1978 im "Washington Post Magazine" verwendet. Laut "Lookism" werden Menschen in die Kategorien "schön", "hässlich" oder "irgendwo dazwischen" eingeordnet und erhalten aufgrund ihres Aussehens Vor- oder Nachteile. Zweifellos unterscheiden sich optisch ansprechende von optisch weniger ansprechenden Menschen und aus diesen optischen Zügen ergeben sich für sie Vor- oder Nachteile. Schöne Menschen erfahren in fast allen gesellschaftlichen Bereichen eine bessere und positivere Behandlung als hässliche. Attraktivitätsforscher Ulrich Rosar ist von der subtilen Macht der Schönheit überzeugt. Er stellte in einer Studie fest, dass hübschere Schüler die besseren Noten bekamen, einfacher Freunde fanden und im schlimmsten Fall wurden weniger hübsche Kinder von ihren Mitschülern gemobbt.

Swipe left for Nay
Doch nicht nur in der Schule ist dieses Phänomen vorherrschend. Schönheit spielt eine große Rolle. Das perfekte Beispiel dafür sind heutige Dating-Apps, in denen die Bilder potentieller Datingkandidaten angezeigt werden. Mit einem Wischen nach rechts oder links, wird entschieden, ob die Person äußerlich attraktiv ist oder nicht.


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