04.11.2006 14:33 |

Übereifrige PR-Leute

Polnischer Präsident hebt Fotoverbot wieder auf

Der polnische Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski hat die „Fotozensur“ zurückgenommen, wonach er nicht mehr von der Seite abgelichtet werden durfte. Reporter hätten in der Regierungskanzlei auch weiterhin alle Arbeitsfreiheiten, versicherte er vor Journalisten und nahm damit eine Anordnung seines Presseamtes zurück. Er zeigte sich vom Übereifer seiner Mitarbeiter überrascht, künftig sein Doppelkinn nicht mehr in der Seitenansicht zu zeigen. „Hier ist mein Profil“, wandte er es den amüsierten Fotografen zu.

Die Zeitung „Dziennik“ hatte zuvor berichtet, Kaczynski dürfe nicht mehr von der Seite abgelichtet werden. Nach Worten von Regierungssprecher Jan Dziedziczak sei es „einfach nicht nötig“, den Premier im Profil zu fotografieren.

Damit Journalisten künftig nicht hinter den Ministerpräsidenten gehen und unerlaubte Fotos machen, wurde in dem Saal, in dem Kaczynski seine Pressekonferenzen gibt, zudem eine Barriere mit Absperrband errichtet.

Hintergrund der Maßnahme war vermutlich die Bildauswahl einiger regierungskritischer Zeitungen, die den eher vollschlanken Regierungschef nicht gerade vorteilhaft abbildeten.

Seit mit Kaczynski und seinem Zwillingsbruder Lech Kaczynski als Staatspräsident zwei Brüder die mächtigsten Männer Polens sind, blüht in Polen zudem die politische Satire über die Familienbande an Staats- und Regierungsspitze.