"Haut ab!"

Merkel und Gauck von Demonstranten übel beschimpft

Ausland
03.10.2016 14:10

Trillerpfeifen-Konzert und aggressive Krawallmacher-Stimmung am Tag der Deutschen Einheit am Montag: Im sächsischen Dresden haben Anhänger des rechtsradikalen Pegida-Bündnisses Gäste und Politiker auf übelste Art verbal attackiert. Wie deutsche Medien berichteten, kam es nicht nur zu rassistischen Äußerungen, Kanzlerin Angela Merkel und Co. wurden auch als "Volksverräter" beschimpft.

Neben "Haut ab" und "Merkel muss weg" waren auch fremdenfeindliche und rechtsradikale Beschimpfungen zu hören. So wurde ein dunkelhäutiger Mann, der gerade zum Gottesdienst in die Frauenkirche wollte, mit "Abschieben!"-Rufen empfangen. Der Mob pöbelte auch Bundespräsident Joachim Gauck an, der auf dem Weg zu den Feierlichkeiten war. Die Frau des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig brach in Tränen aus, als sie durch die aufgebrachte Menge ging.

Merkel zeigte sich trotz des Pegida-Pöbels volksnah. (Bild: AP)
Merkel zeigte sich trotz des Pegida-Pöbels volksnah.
Joachim Gauck mit Veteranen bei der Feier der Deutschen Einheit. (Bild: AP)
Joachim Gauck mit Veteranen bei der Feier der Deutschen Einheit.

Fragwürdige Logik der Pegida-Anhänger
Die rechtsradikale und ausländerfeindliche Pegida war in Dresden gegründet worden und zuletzt besonders in den östlichen Bundesländern immer wieder lautstark aufgetreten. Angesichts der Tatsache, dass deren Einwohner erst durch die Wiedervereinigung zu deutschen Staatsbürgern wurden, erscheint es absurd, dass nun mit "Deutschland den Deutschen"- und "Wir sind das Volk"-Rufen in Dresden demonstriert wird.

Krawallmacher am Deutschen Einheitsfeiertag: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte ... (Bild: APA/AFP/DPA/JAN WOITAS)
Krawallmacher am Deutschen Einheitsfeiertag: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte ...
Pegida-Gründer Lutz Bachmann: Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen Volksverhetzung. (Bild: APA/AFP/DPA/SEBASTIAN WILLNOW)
Pegida-Gründer Lutz Bachmann: Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen Volksverhetzung.

Die Feiern zum Tag der Deutschen Einheit fanden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Mit rund 2600 Beamten sicherte die Polizei die Veranstaltungen ab. "Um Zugang der Ehrengäste zu den Protokollveranstaltungen am Neumarkt zu gewährleisten, mussten Personen zurückgedrängt werden", teilte die Polizei am Montag via Twitter mit.

Politikerin beschimpft: "Sie treiben die Vernichtung Deutschlands voran"

Ein Scharfschütze auf dem Dach der Dresdener Semperoper (Bild: AP)
Ein Scharfschütze auf dem Dach der Dresdener Semperoper

Ein Video der "Welt" zeigt die Situation in Dresden:

Merkel mahnt zu mehr Respekt
Kanzlerin Merkel rief angesichts der Proteste zu mehr Respekt in der politischen Auseinandersetzung auf. 26 Jahre nach der Einheit gebe es "sicher" neue Probleme und neue Arbeit, "ich persönlich wünsche mir aber, dass wir diese Probleme gemeinsam, in gegenseitigem Respekt, in der Akzeptanz sehr unterschiedlicher politischer Meinung lösen", sagte Merkel. Man müsse miteinander im Gespräch bleiben, auch wenn einige an solchen Gesprächen nicht mehr interessiert seien, mahnte die Kanzlerin.

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