Hersteller versagen

60 Millionen: Neuer Rekord bei Auto-Rückrufen

Wirtschaft
07.09.2016 06:10

Bei elf Millionen Autos muss VW weltweit die eingebaute Abgas-Schummelsoftware durch "saubere" ersetzen. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Mehr als 60 Millionen Fahrzeuge müssen heuer weltweit in die Werkstätten gerufen werden, weil die Hersteller geschlampt haben, rechnet der deutsche "Autopapst" Prof. Ferdinand Dudenhöffer vor.

Ob Tank (Toyota), Gurte (GM), Automatikgetriebe (FiatChrysler) oder andere Probleme - praktisch jeder Konzern ist millionenfach betroffen. Amtliche Statistiken dazu gibt es nur für die USA, wo im Schnitt schon dreimal mehr Modelle zurückgerufen als im Jahr neu verkauft werden! In Europa ist die Relation ähnlich.

(Bild: Krone)

Dudenhöffer erklärt, warum die Hersteller so sehr versagen:

  • Kostendruck: Toleranzen beim Material werden geringer, Autos werden nach nur kurzen Tests früher vermarktet, Kontrollen versagen oftmals.
  • Immer mehr gleiche Teile von globalen (und immer weniger) Zulieferern. Beispiel: Fehlerhafte Airbags der japanischen Firma Takata dürften rund 100 Millionen Fahrzeuge fast aller Marken betreffen. Dudenhöffer: "Autobauer haben nicht mehr die Kompetenz, alles selbst zu entwickeln."
  • Steigende Modellvielfalt, um jede Marktnische zu füllen. Das macht die Erzeugung kompliziert und fehleranfälliger. Dazu kommt die Vielzahl von Elektronikteilen, Assistenz-Systemen und Software.
  • Rückmeldungen von Produktfehlern nach dem Verkauf von Autos dauern zu lange.
  • Steigende Autoverkäufe: Heuer werden weltweit über 80 Millionen Neuwagen verkauft, im Jahr 2000 waren es nur 50 Millionen. Selbst bei konstantem Fehlerrisiko sind dadurch mehr Autos betroffen.

Welche Modelle bei uns in die Werkstätten müssen, findet man auf den Internetseiten des ÖAMTC sowie des Magazins "Konsument" .

VW-Umrüstung in Österreich
Von insgesamt 388.000 Pkws des VW-Konzerns wurden bei uns bisher 51.000 mit dem 2,0-TDI-Motor EA189 in die Werkstätten gerufen: Amarok, Modellvarianten von Audi (A4, Q5, A5, A6), VW (Golf, Touran, Tiguan, Scirocco, Jetta, Passat, Caddy), Skoda (Octavia, Superb) sowie Seat (Exeo, Leon). Das deutsche Kraftfahrbundesamt genehmigte jüngst auch die Umrüstung der 1,2-Liter-TDI (VW Polo, Seat Ibiza), noch geprüft wird der 1,6-Liter-Motor.

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