17.11.2014 13:46 |

Ponta gescheitert

Johannis siegt bei Präsidentenwahl in Rumänien

Klaus Johannis ist der überraschende Sieger der Präsidentenwahl in Rumänien. Der bürgerliche Politiker kam auf 54,50 Prozent der Stimmen und besiegte damit seinen sozialistischen Rivalen, Premier Victor Ponta, der bereits seine Niederlage eingestand. Rumänien bekommt damit erstmals ein gewähltes Staatsoberhaupt, das einer nationalen Minderheit angehört.
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"Das Volk hat immer Recht", sagte Ponta. Zugleich schloss er einen Rücktritt als Ministerpräsident, wie er von Tausenden Demonstranten nach Schließung der Wahllokale in mehreren Städten Rumäniens gefordert wurde, aus.

Johannis: "Wir haben uns das Land zurückgeholt"
Sieger Johannis feierte am Bukarester Universitätsplatz mit einem Bad in der Menge Tausender jubelnder Anhänger. "Wir haben uns das Land zurückgeholt", jubelte er. Mit seiner erfolgreichen Arbeit als Bürgermeister im siebenbürgischen Sibiu (Hermannstadt) hatte er für sich geworben. Johannis dankte insbesondere den Auslandsrumänen, die wegen der schlechten Organisation der Wahl in den Konsulaten stundenlange Wartezeiten auf sich nehmen mussten. Er werde "der Präsident aller Rumänen" sein, betonte der Wahlsieger.

In Umfragen vor der Wahl am Sonntag hatte Ponta noch wie der sichere Sieger ausgesehen. Die Stichwahl war notwendig geworden, nachdem im ersten Wahlgang keiner der insgesamt 14 Kandidaten eine absolute Mehrheit erreicht hatte. Ponta lag damals bei gut 40 Prozent und damit etwa zehn Prozentpunkte vor Johannis.

Die Exit Polls am Wahlabend hatten bereits auf einen überraschenden Sieg von Johannis hingedeutet. Der Abstand zwischen den beiden Kandidaten vergrößerte sich dann im Laufe der Auszählung zusehends zugunsten von Johannis. Zu dessen Sieg dürfte die hohe Mobilisierung der Wähler beigetragen haben. Die Wahlbeteiligung lag mit 62,04 Prozent um zehn Prozentpunkte höher als beim ersten Wahlgang.

Dreimal mehr Auslandsrumänen bei Wahl als in erster Runde
Zudem gingen dreimal mehr Auslandsrumänen als in der ersten Runde zu den Urnen: insgesamt rund 476.000. Motiviert hatte sie wohl auch die Tatsache, dass in der ersten Wahlrunde Tausende von ihnen ihre Stimme nicht abgeben konnten, weil die Konsulate den Ansturm nicht bewältigten. Die auf rund drei Millionen geschätzten Diaspora-Rumänen wählen traditionell mehrheitlich nicht links.

Daher warfen Johannis' Anhänger der Regierung vor, den Urnengang dieser Wählergruppe absichtlich erschweren zu wollen. Die letzte Präsidentenwahl 2009 hatten die Auslandsrumänen mit einem Stimmenunterschied von nur 70.000 gegen den damaligen linken Kandidaten entschieden. Insgesamt gab es 294 Wahllokale im Ausland.

Erneut lange Warteschlangen in London, Paris und Wien
Auch bei der Stichwahl am Sonntag bildeten sich vor den Wahlbüros etwa in Paris, London und Turin, aber auch in Wien erneut lange Warteschlangen (siehe dazu auch Video in der Infobox). In der französischen Hauptstadt ging die Polizei vor der rumänischen Botschaft mit Tränengas gegen aufgebrachte Rumänen vor, die bei der Schließung des Gebäudes am Abend versuchten, dort einzudringen, um noch ihre Stimme abzugeben. In Wien verlief die Wahl trotz langer Wartezeiten für die Stimmabgabe friedlich: Alle Auslandsrumänen konnten bis zum Abend ihre Stimme abgeben.

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