Mi, 15. August 2018

Interview mit CNN

30.10.2014 12:05

IS-Kämpfer sprechen über Drogen und Enthauptungen

Sie haben für die Terrormiliz Islamischer Staat gegen die "Ungläubigen" im Irak und in Syrien gekämpft. Doch seit geraumer Zeit sitzen sie in Nordsyrien in einem kurdischen Gefängnis. Was sie an der Front erlebt haben und warum sie überhaupt für den IS zu sterben bereit waren, haben nun einige der inhaftierten Dschihadisten dem US-Sender CNN erzählt. Ihre Geschichten geben einen detaillierten Einblick in den Dschihad-Alltag.

Die einzelnen Gefangenen werden mit verbundenen Augen zum Kamerateam geführt. Für das Interview enthüllt man aber ihr Gesicht. Einige von ihnen machen einen äußerst verängstigten Eindruck - ganz im Widerspruch zum Bild des stolzen Salafisten, der in Propagandavideos mit seiner Mission prahlt.

"Sie haben uns belogen und unsere Armut ausgenützt"
Einer der Kämpfer, der sich als Suleiman ausgibt, berichtet, dass er für die Durchführung eines Terroranschlags auf einen kurdischen Stützpunkt rund 3.600 US-Dollar erhalten habe. "Wofür kämpfen Sie?", fragt CNN-Reporter Ivan Watson. Der Dschihadist gibt sich zerknirscht: "Die haben gesagt, wir würden für den Islam und Gerechtigkeit kämpfen. Aber sie haben uns angelogen und unsere Armut ausgenützt." Wen der Kämpfer mit "sie" meint, wird nicht näher erläutert, aber die Vermutung liegt nahe, dass es sich um die Anführer der Miliz handelt. Der Grund für Suleimans Teilnahme am IS-Dschihad: Seine Familie sei bedroht worden, und um diese nicht zu gefährden, habe er eingewilligt.

Unter Drogen gesetzt: "Uns war egal, ob wir sterben"
Der nächste Interviewpartner ist ein 19-jähriger Kämpfer namens Karim. Er gibt gegenüber CNN an, dass er ein Jahr lang quer durch Syrien unterwegs war und gekämpft hat. Und er hat mehrere schwere Verletzungen am gesamten Körper. "Mir wurde drei Mal in den Bauch geschossen." Doch trotz der permanenten Gefahr habe niemand gezögert, unter anderem auch, weil die Dschihadisten mit Drogen vollgepumpt auf ihre Missionen entsandt wurden: "Sie haben uns halluzinogene Pillen gegeben. Es war uns vollkommen egal, ob wir überleben oder sterben."

"Frauen, die ihr Gesicht nicht verhüllen, werden geköpft"
Vor seiner Verhaftung durch die Kurden hat Karim laut eigenen Angaben zahlreiche Hinrichtungen gesehen. "Der Islamische Staat hat viele seiner Gefangenen geköpft. Immer wenn man ein neues Gebiet erobert hat, werden diejenigen bestraft, die gegen den Glauben verstoßen. Jeder muss der Ideologie vom IS folgen. Auch Frauen, die ihr Gesicht nicht verhüllen, werden geköpft", schildert der 19-Jährige den grauenvollen Alltag unter der IS-Herrschaft.

Der letzte Gefangene ist Dschabar. Er war früher Lehrer und hat zwei Kinder. CNN-Reporter Watson fragt den Mann, was mit ihm als US-Journalist passiert wäre, wenn ihn Dschabar und seine IS-Kameraden gefangen genommen hätten? "Mit dem IS wäre Ihr Schicksal der Tod gewesen. Aber es gibt unterschiedliche Arten des Todes durch den IS. Sie wären mit Sicherheit enthauptet worden. Man hätte Ihnen sicher nicht nur eine Kugel in den Kopf geschossen."

Peschmerga sicher: Gefangene weiter zum Kämpfen bereit
Der Nachrichtensender selbst räumt am Ende des Berichts ein, dass nicht zu überprüfen sei, ob die Schilderungen der Gefangenen der Wahrheit entsprechen oder ob sie vielmehr von ihren kurdischen Aufsehern dazu gedrängt wurden. Die über die Häftlinge befragten Peschmerga-Kämpfer jedenfalls geben sich gegenüber CNN sicher, dass die Dschihadisten nach ihrer möglichen Freilassung sofort wieder in den Reihen des IS zu finden wären.

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