Psychologe, Werbung

So will Moskau Frauen zum Kinderkriegen animieren

Außenpolitik
22.03.2026 11:20
Porträt von krone.at
Von krone.at

Moskaus Gesundheitsministerium will Schwangerschaftsabbrüche verhindern und eine „positive Einstellung“ zur Mutterschaft fördern. Wie berichtet, sollen Frauen, die keinen Kinderwunsch haben, eine Psychologin oder eine Psychologin aufsuchen. Tatsächlich ist der Druck in Russland, Kinder zur Welt zu bringen, bereits jetzt hoch.

Staatschef Wladimir Putin hat die Steigerung der Geburtenzahlen immer wieder als dringlichste Aufgabe genannt. Es gehe um die Existenz des Landes, sagte er, und forderte neue Vorschläge von seinen Beamtinnen und Beamten. Inzwischen wird die Liste der Maßnahmen, die Frauen zum Kinderkriegen animieren sollen, immer länger. So gibt es beispielsweise bereits Prämien für Schülerinnen und Studentinnen, wenn sie ein Kind austragen. „Eine Frau muss verstehen: Je früher sie gebiert, umso besser“, sagte Gesundheitsminister Michail Muraschko. Frauen sollten sich nicht um ihre Ausbildung und Karriere kümmern, sondern zunächst um den Nachwuchs.

Die Staatsführung setzt zudem viel auf Propaganda: Die Werbebranche in Russland ist dazu angehalten, bei Clips möglichst glückliche Familien mit vielen Kindern zu zeigen. Für Familien, die zehn und mehr Kinder haben, gibt es Orden und den Titel Mutterheldin.

In Russland bekommen Schülerinnen und Studentinnen Prämien, wenn sie Kinder zur Welt bekommen ...
In Russland bekommen Schülerinnen und Studentinnen Prämien, wenn sie Kinder zur Welt bekommen (Symbolbild).(Bild: AP/Alexander Zemlianichenko)

Gespräche über Kinderlosigkeit verboten
Offen über freiwillige Kinderlosigkeit zu sprechen, ist hingegen verboten und steht unter Strafe. Auch gegen Schwangerschaftsabbrüche wird Stimmung gemacht, unter anderem von der russisch-orthodoxen Kirche. In der Sowjetunion war die Praxis noch vergleichsweise liberal. Heute sind Schwangerschaftsabbrüche zwar formal erlaubt, in der Praxis wird der Zugang aber immer schwieriger, da zum Beispiel viele Gesundheitseinrichtungen keine Schwangerschaftsabbrüche mehr anbieten. Die Fraktion der Gegnerinnen und Gegner wächst.

Jüngst sorgte die Maßnahme für Aufsehen, dass Ärztinnen und Ärzte bei der Vorsorgeuntersuchung nach dem Kinderwunsch fragen sollen. Verneinen Frauen, sollen sie eine Empfehlung für eine Psychologin oder einen Psychologen erhalten. Damit wolle man eine „positive Einstellung“ zur Mutterschaft fördern, teilte das Gesundheitsministerium mit – und Schwangerschaftsabbrüche verhindern.

Ärztin: „Zwang zur Fortpflanzung“
Von vielen Fachleuten kommt Kritik an dem Gesamtpaket. „Zwang zur Fortpflanzung. Anders kann ich diese Initiative nicht bezeichnen, die eine Frau von einer freien Persönlichkeit in ein Instrument zur Verbesserung der demografischen Lage verwandelt“, sagte etwa eine Ärztin in Russland. Wer andere Lebenspläne als Kinder habe, brauche keine „korrigierende Pädagogik“. Gerade in Zeiten mit Krisen und unsicheren Perspektiven werde der Kinderwunsch oft zurückgestellt, sagte Catherina Hinz, Geschäftsführerin am Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Bei wirtschaftlichem Aufschwung könne sich das wieder ändern. Wichtig seien mehr Anreize wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine ausreichende Zahl an Kinderbetreuungsplätzen.

Die Geburtenrate in Russland lag im Vorjahr bei 1,37 Kindern pro Frau. Das ist ein etwas höherer Wert als in Österreich. Um die demografische Entwicklung stabil zu halten, bräuchte es laut Fachleuten allerdings mindestens 2,1 Kinder pro Frau.

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