Aber kein Mordversuch

Zig Brutalitäten in Wien: Gefängnis für Burschen

Gericht
02.04.2026 17:13

Weil in ihren Augen manche Gesellschaftsgruppen „verwerflich“ waren, beging eine Wiener Jugendbande unfassbare Gewalttaten. Grausame Videos belegen das. Die Serie gipfelte laut Anklage im August letzten Jahres in einem versuchten Mord – der Schöffensenat im Landesgericht sieht das aber anders. Ein 15-Jähriger und ein 16-Jähriger müssen dennoch hinter Gitter.

Die Kost im Prozess gegen drei junge Gewalttäter wird auch am zweiten Verhandlungstag im Wiener Landl nicht leichter. Zig Videos werden abgespielt: Opfer werden bespuckt, getreten, geschlagen und beschimpft. „Entschuldige dich jetzt!“, hört man die Angeklagten rufen. Die völlig verängstigten Jugendlichen, Obdachlosen, Suchtgiftkranken versuchen nur noch von den Burschen wegzukommen.

Sechs Burschen bereits verurteilt
„Es tut mir eh leid. Ich weiß nicht, warum ich das gemacht hab“, hört man von den zwei Rumänen und dem Syrer vor dem Schöffensenat einhellig. Die Strähne an unsagbaren Gewalttaten durch neun Burschen – sechs von ihnen wurden bereits verurteilt – endete schließlich am 20. August 2025.

Als die drei Hauptangeklagten (15 und 16) einen 18-Jährigen im Vogelweidpark im 15. Bezirk minutenlang prügelten. Ihm auch mehrmals gegen den Kopf traten. Einer würgte ihn zweimal bewusstlos. Schwer verletzt ließen sie ihn liegen. Das qualifizierte die Staatsanwaltschaft schon beim Prozessauftakt als versuchten Mord – obwohl der Gerichtsmediziner klar sagte: Es ist nicht das Würgen, sondern die multiplen Tritte ins Gesicht, die Lebensgefahr verursachen können. 

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Ich hab‘ ihn fast umgebracht. Er hat keine Luft mehr bekommen. Er hat Blut gespuckt.

Angeklagter Rumäne (16) in einer Sprachnachricht

„Ich hab' ihn fast umgebracht. Er hat keine Luft mehr bekommen. Er hat Blut gespuckt“, ist auf einer Audionachricht zu hören, die einer der Burschen kurz nach dem brutalen Angriff verschickt hat. „Ich wollte ihn nie umbringen. Ich war wütend, ich war dumm. Ich hab’ mir gedacht, er wird ins Krankenhaus kommen“, versicherte der 16-jährige Rumäne jetzt vor den Schöffen. Der Auslöser der Gewalt: Das Opfer hätte hinter seinem Rücken mit seiner Freundin geredet.

Anklage ausgedehnt, aber Senat entscheidet dagegen
Paukenschlag: Am zweiten Prozesstag dehnt die Staatsanwältin die Anklage aus. Nun wird zwei Burschen das Verbrechen des versuchten Mordes vorgeworfen. „Der Erstangeklagte hat das Opfer beinahe zu Tode geprügelt“, sagt die Anklägerin im Schlussplädoyer. Der Schöffensenat entscheidet jedoch trotz belastender Gutachten gegen einen Tötungsvorsatz. Der Gerichtsmediziner meinte: „Die Tritte hatten die Energie, wie wenn man einen Elfer schießt im Fußball.“

Gefängnisstrafen setzt es dennoch. Wegen absichtlich schwerer Körperverletzung und vielen weiteren Delikten wird der hauptangeklagte 16-jährige Rumäne zu drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Der 15-jährige Syrer muss zwei Jahre einsitzen. Der zweite 16-jährige Rumäne fasst drei Jahre Haft aus. Der Strafrahmen betrug bei allen Burschen bis zu fünf Jahre Haft – allfällige psychische Dauerfolgen des verprügelten 18-Jährigen, der in seiner Vernehmung völlig verstört wirkte, wurden nämlich nicht erhoben ...

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