„Krone“-Interview

Franziska Weisz: „Die Arbeit am Set war traumhaft“

Unterhaltung
05.03.2026 05:00

Anstatt in düsteren Großstädten ermitteln Franziska Weisz und Maria Wördemann als ungleiches Kommissarinnenduo ab 6. März (20.15 Uhr, ORF 2) in der vierteiligen Krimireihe „Mordufer“ immer freitags in der pittoresken Bodenseeregion. Die Wienerin Weisz hat uns im „Krone“-Talk verraten, wie die Dreharbeiten waren, warum das Team so gut harmonierte und wieso das Thema Gleichberechtigung im Fokus steht.

„Krone“: Frau Weisz, in der neuen Krimireihe „Mordufer“ spielen Sie die Kommissarin Doro Beitinger, die nach15 Jahren Abwesenheit wieder zur Polizei zurückkehrt und sich neu einfinden muss. Könnten Sie sich vorstellen, das Schauspiel für 15 Jahre zu verlassen, um dann wieder zurückzukehren?
Franziska Weisz: 
Das kann ich mir nicht vorstellen, denn die Liebe zum Spielen und zum Drehen ist weit mehr, als dass das Schauspiel bloße Existenzsicherung wäre. Wenn man reich werden will, dann wird man kein Schauspieler. (lacht) Wenn ich am Set bin, bin ich der sprichwörtliche Fisch im Wasser. Ich könnte mir jedenfalls nicht vorstellen, diesen Beruf so lange zu verlassen.

Doro hat sich bewusst dafür entschieden, weil sie Care-Arbeit leistete und ihre Kinder großzog, dafür auf eine Karriere verzichtete. Ein sehr wichtiges und allgemeingültiges Thema - das zumeist Frauen betrifft.
Richtig, das ist sogar ein ausgesprochen wichtiges Thema. Sie kommt zurück in den Beruf und sieht manche ihrer Kolleginnen von früher wieder. Die haben auch alle Familie, aber eben auch ihre Sterne und Auszeichnungen auf ihren Uniformen. Die männlichen Kollegen haben ihre Polizeikarriere gemacht und mussten sich nicht entscheiden. Sie hätte das auch machen können, hätten dann aber auf die Familie verzichten müssen. Das ist heute ja immer noch so. Wird ein Mann jemals gefragt, wie er das mit der Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf macht? Bei einer Frau fragt sich jeder, wo die Kinder bleiben, wenn sie Vollzeit arbeitet. Da muss sich unsere Gesellschaft in den Spiegel schauen. Wenn wir wollen, das Veränderung kommt, dann müssen wir bei uns selbst anfangen.

Eine Erkenntnis, die bekannt, aber noch immer nicht flächendeckend durchgedrungen ist ...
Ich bin bei der Recherche auf das sehr interessante Thema Mikrofeminismus gestoßen. Ein ganz einfaches Beispiel dafür: Eine Lehrerin, die grundsätzlich den Vater anruft, wenn was mit dem Kind ist. Nicht die Mutter. Man könnte einen Wickeltisch in Restaurants auch mal in eine Männertoilette hängen und nicht immer zu den Frauen. Warum denn nicht? Das Thema ist alt. Vielleicht nicht so alt wie die Menschheit selbst, aber sehr alt. Tatsächlich ist es noch nicht so lange, dass Frauen frei berufstätig sind, aber in den letzten 100 Jahren hätte da schon mehr weitergehen können. Ganz wichtig: Die Rolle des Mannes muss da genauso beleuchtet werden wie die der Frau.

In einem Nebenstrang rückt das Thema Haushalt ins rechte Licht. Als Doro wieder in den Job zurückkehrt, funktioniert das daheim mit dem Mann längst nicht so, wie man es erwarten würde oder sie es sich vorstellt. Alles pendelt sich erst mühsam ein ...
Er konnte seinen Beruf in der Zeit voll ausleben und als sie wieder in die Polizeidienst zurückkehrt, wurde vorab sicher abgesprochen, dass man die Aufteilung anders angehen muss. Er wird wahrscheinlich etwas mehr Home-Office machen, aber dabei vergisst er anfangs auf Dinge wie Aufräumen oder Einkaufen, die für ihn lange wie von selbst erledigt wurden. Er denkt sich vielleicht, die letzten 15 Jahre hat sich alles von alleine aufgeräumt. Das ist eine durchaus charmante Einführung des Familienthemas.

Die 15 Jahre, die Doro nicht im Polizeidienst war, haben viele Veränderungen mit sich gebracht. Die Menschen um sie herum, das Berufsbild, die ganze Welt hat sich verändert. Hat man trotzdem das Gefühl, dass sie sich halbwegs schnell wieder einfügt?
Vor allem hat sich die Polizeiarbeit unglaublich stark verändert. Vor 15 Jahren war eher die Funke als das Handy bei der Überwachung dabei. Doro staunt über die neuen technischen Möglichkeiten, fügt sich aber trotzdem sehr schnell ein. Wenn die Kollegen von der KTU und der Gerichtsmediziner Dinge herausfinden, muss sie das erst verarbeiten, weil das früher so nicht möglich war. Sie war aber nicht weg aus der Welt und weiß, wie man ein Smartphone bedient und spätestens durch die Kinder weiß sie, dass man erst mal Social-Media-Konten filzt, um etwas über Personen rauszufinden. Da kommt dann gut die Kollegin und ihre Chefin Chiara Locatelli ins Spiel, die komplett am Puls der Zeit ist. So können beide Frauen voneinander lernen. Wo Chiara Dinge sehr analytisch regelt, wählt Doro gerne den „Old School“-Weg. Bei ihr ist dafürdie Menschenkenntnis ausgeprägter.

Auch in der Gerichtsmedizin hat sich in den letzten 15 Jahren so einiges getan – wie Beitinger ...
Auch in der Gerichtsmedizin hat sich in den letzten 15 Jahren so einiges getan – wie Beitinger (Mitte) schnell lernt.(Bild: Constantin Campean)

Ich finde die Zusammenarbeit zwischen Doro und Chiara gut dargestellt. Anfangs ist Doro nicht ganz begeistert darüber, dass ihre Vorgesetzte jünger ist, aber die Frauen spielen sich schnell zusammen und bündeln ihre Stärken. Es herrscht nicht so ein Hahnenkampf, wie das bei männlichen Polizistenrollen immer dargestellt wird.
Es freut mich, dass Sie das so beobachten, denn in den ersten Drehbüchern waren die Rollen noch wesentlich konfliktreicher angelegt. Da war der Unterschied zwischen den Frauen oft Grund für Reibung, aber man hat sich beim Casting ganz bewusst für uns beide entschieden, weil wir so gut harmoniert haben. Das finde ich schön, denn im Fernsehen und vor allem im Krimi-Genre herrscht immer Angst vor Harmonie. Ich finde Harmonie aber nicht langweilig. Wenn man die Figuren mit anderen Dingen anreichern kann, braucht man den ewigen Zickenkrieg nicht. Es ist schön, dass man sich traut, hier einen anderen Weg zu gehen. Beide wollen entschieden nicht das Leben der jeweils anderen führen, aber es gibt keinen Grund, sich deshalb in die Haare zu kriegen. Der Konflikt an sich ist ja omnipräsent. Es geht um Mord und richtig große Verbrechen. Da muss man sich nicht noch zusätzlich anblöken.

Ein wichtiger Punkt, dass Kommissarin Doro so gut mit ihrem Comeback klarkommt, ist ihre Offenheit. Ist es immanent wichtig, sich Neuem zu öffnen und Dinge zuzulassen, damit man am Puls der Zeit bleibt und sich dabei trotzdem nicht selbst verliert?
Sie geht mit einer gewissen Neugier an die Dinge heran, was ich schön finde. Sie ist in ihrer Lebensmitte und voll im Leben angekommen, aber sie ist interessiert. Das ist eine Qualität, denn allzu oft gibt es Personen, die glauben, sie hätten eh schon allesgesehen. Diese neugier ist auch ihr Motor für den Polizeiberuf. Ihren absoluten Traumjob. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie auch in ihrer Abwesenheit immer dranblieb, die Polizeimeldungen in der Zeitung studiert hat und sich informierte. Sie wollte anfangs nur zwei Jahre mit den Kindern daheimblieben und dann wieder ihre Leidenschaft ausleben, aber es gab wahrscheinlich immer Gründe, die sie zurückgehalten haben. Vielleicht hatte ein Kind Schwierigkeiten in der Schule oder es gab eine Umschulung und dann auch noch die todkranke Mutter, was Doro endgültig zur Entscheidung verhilft, daheim zu bleiben.

Die Chemie, die Sie mit Maria Wördemann in den Rollen haben – war die auch in der Realität so gut?
Ja, das meinte ich mit dem Casting. Es gab zwei Castingrunden und bei der zweiten waren wir in Kombination am Start und da haben die Macher offenbar gespürt, dass die Chemie eine besondere ist und sehr gut passen könnte. Ich kann noch nicht beurteilen, ob man das im fertigen Produkt so sieht, weil ich selbst erst auf den TV-Start warte, aber wir hatten unheimlich viel Spaß beim Dreh. Wir konnten uns oft gar nicht anschauen, weil wir sonst sofort losgelacht hätten. Vor allem in der dritten Folge gibt es ein paar skurrile Verdächtige und da mussten wir uns oft am Riemen reißen, dass wir nicht in Gelächter ausbrechen. Der Regisseur hat einen ähnlichen Humor wie wir, das hat alles sehr gut zusammengepasst.

Ist das nicht der Idealzustand für Dreharbeiten?
Für uns schon, aber nicht für die Maskenbildnerin. Wenn ich lache,verliere ich wahnsinnig viele Tränen und musste jedes Mal nachgeschminkt werden.

Die meisten Zeit werden sie Filme und Serien in großen Metropolen drehen, die Handlung von „Mordufer“ findet beim Dreiländereck rund um den Bodensee statt. War das ein Glücksfall?
Das war sogar ein Riesenunterschied. Das beginnt schon damit, dass wir hier in Ferienwohnungen wohnten, während man in der Stadt nach einem Drehtag normalerweise zu sich nach Hause fährt, weil niemand umsonst Nächte im Hotel bezahlen will. In dieser Konstellation mit den Wohnungen entsteht natürlich auch nach Drehschluss viel zwischen den Beteiligten. Unser Licht- und Kameradepartment hatte ein ganzes Haus gemietet, da wurde abends miteinander gekocht und dann saß man noch beim Sonnenuntergang zusammen. Zwei Monate im Sommer sind dann wie eine lange Klassenfahrt, weil man abseits des Drehs keine privaten Verpflichtungen hat. Die Leute lernen sich privat kennen. Maria und ich sind nach Drehschluss oft noch ins Wasser gesprungen, ganz unkompliziert zwei Minuten von unseren Apartements entfernt. Wir mussten nicht ins nächste Strandbad fahren, sondern einfach Klamotten aus und rein. Es war traumhaft und das strahlt natürlich auf die Arbeit am Set aus. 

Hat es Ihrer Meinung nach auch eine besondere Wirkung, wenn man menschliche Abgründe, Begierden und Emotionen mit so einem pittoresken Setting verbindet?
„Crime And Nature“ nennt sich das, zumindest beim ZDF. Der Mann, der damit begonnen hat, ist tatsächlich ein befreundeter Produzent von mir. Begonnen hat eigentlich alles mit Donna Leon, wo man spannende Kriminalfälle im pittoresken Venedig löste. Das hat sich dann immer weiterentwickelt. Man hat heute auch noch diesen Schimanski-Typen im Kopf, der durch die befahrenen Straßen einer großen Stadt läuft und nach den Verbrechern sucht. Diese neue Kombination finde ich gut, weil man einerseits Spannung hat und andererseits das Auge auch ein bisschen grün tankt. Für uns ist das auch angenehmer. In der Stadt verlierst du das halbe Drehteam, wenn wo jemand im Stau steckenbleibt, das ist hier ausgeschlossen. In der Stadt regen sich die Einwohner über die Halteverbotsschilder auf, während wir am Bodensee mit offenen Armen begrüßt wurden. Das war schön, denn sie lieben ihre Region und wollen sie im Fernsehen auch gerne herzeigen. Die Region hat so viele Touristen und braucht wirklich keine Werbung, aber trotzdem fühlten wir uns hier immer wohl. Berlin und den Bodensee kann man als Drehorte wirklich nicht vergleichen, das ist der komplette Gegensatz.

Haben diese ersten Episoden Lust auf mehr „Mordufer“-Folgen gemacht?
Auf jeden Fall. Und Ihre Leser können das maßgeblich beeinflussen, indem sie die ersten Folgen im Fernsehen anschauen. Es wird natürlich immer auf die Quote geschaut, ob es mit etwas weitergeht oder nicht und ich bin schon ein bisschen betriebsblind. Aber eine Free-TV-Premiere Anfang März ist kein schlechter Zeitpunkt. Da wird noch nicht im See gebadet und es finden wahrscheinlich auch wenige Grillabende statt – da kann man gut fernsehen. (lacht)

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