Einmal mehr riesengroße Aufregung im steirischen Gesundheitswesen: Kages-Chef Gerhard Stark dreht orthopädische Eingriffe in Bad Aussee und Rottenmann ab. Politik und Chirurgen schäumen deswegen.
Jetzt ist also schon wieder was passiert. Im steirischen Gesundheitswesen geht’s weiter drunter und drüber. Diesmal sorgt eine am Montag ausgeschickte Dienstanweisung von Kages-Boss Gerhard Stark vor allem im Salzkammergut für Empörung: Der Vorstandsvorsitzende des steirischen Spitalsbetreibers legt darin fest (siehe Faksimile unten), dass orthopädische Eingriffe an den Standorten Bad Aussee und Rottenmann künftig nicht mehr durchgeführt werden dürfen.
Anlassfall war seine letztwöchige Visite in Aussee, bei der er die Belegschaft über die anstehenden Veränderungen informierte (wie berichtet, wird mit April die Chirurgie im örtlichen LKH endgültig aufgelassen). Vergangenen Mittwoch kam am späten Nachmittag eine Skifahrerin mit einer Oberschenkelhalsfraktur ins Spital. „Eine derartige Verletzung muss binnen 48 Stunden operiert werden“, erklärt Stark. „Und jetzt frage ich mich, warum diese Dame nach Rottenmann transferiert wurde, wo sie erst am nächsten Tag operiert wurde, wenn da auch ein Chirurg in Aussee vor Ort ist.“
Stark forschte nach und fand heraus, dass der OP-Saal in Aussee am Donnerstag schon belegt war. „Mit geplanten Eingriffen bei einem Patienten aus Salzburg und zwei aus Oberösterreich – Operateur und Zuweiser war stets der gleiche Arzt“, so der scheidende Kages-Boss gegenüber der „Krone“.
Weisung, dass Akut-Fälle nach Rottenmann müssen?
Der betroffene Chirurg will dies nicht auf sich sitzen lassen und geht seinerseits in die Offensive: „Hier wird die Situation völlig verdreht. Ja, ich habe diese Operationen am Donnerstag geplant. Die Verlegung der Patientin war aber eine Entscheidung eines Kollegen am Vortag – natürlich nach Rücksprache mit Rottenmann. Ich finde diese Anschuldigungen sehr befremdlich. Zumal es ja sogar eine Weisung gibt, Akut-Fälle nach Rottenmann zu transferieren.“
Die Opposition im steirischen Landtag nutzt dies wieder für eine Abarbeitung an der blau-schwarzen Gesundheitspolitik: „Erst hat die FPÖ zugesagt, dass das Spital erhalten werden soll. Noch vor zwei Wochen wollte Landesrat Kornhäusl keinen konkreten Termin nennen – jetzt fällt es schwer zu glauben, dass die aktuelle Anordnung gar keinen Zusammenhang mit der geplanten Schließung der Chirurgie im April hat. Damit verunsichert man die Bevölkerung nur weiter“, sagt KPÖ-Abgeordneter Alexander Melinz.
„Völliges Regierungsversagen“
SPÖ-Chef Max Lercher sieht gar ein „völliges Regierungsversagen“. „Diese blau-schwarze Landesregierung ist eine einzige Enttäuschung. Es muss endlich Schluss sein mit dieser bewussten Unsicherheitspolitik auf dem Rücken der Patienten – es reicht jetzt einfach. Was wir hier erleben, ist keine politische Verantwortung, sondern ein gesundheitspolitischer Offenbarungseid.“
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