Mit unwürdigen Szenen ist am Sonntagabend in Rabat der Fußball-Afrika-Cup zu Ende gegangen. Das Finale zwischen Gastgeber Marokko und Senegal stand am Rande des Abbruchs, als Senegals Spieler – offenbar auf Geheiß von Trainer Pape Thiaw – nach einem umstrittenen Elfmeterpfiff in die Kabine marschierten. Marokko vergab danach den Elfmeter, und Senegal siegte nach Verlängerung 1:0. „Das Spiel, das wir hatten, war beschämend für Afrika“, erklärte Marokkos Trainer Walid Regragui.
Auslöser der tumultartigen Szenen war ein Zweikampf zwischen Brahim Díaz und Senegals El Hadji Malick Diouf in der sechsten Minute der Nachspielzeit. Nach einem leichten Halten im Strafraum forderte Díaz energisch Elfmeter. Unter großem Protest der Senegalesen schaute sich Schiedsrichter Jean-Jacques Ndala Ngambo die Szene am TV-Bildschirm an – und zeigte nach VAR-Entscheidung auf den Punkt.
Danach nahm das Drama seinen Lauf: Senegals Spieler und Betreuer wüteten, Thiaw beorderte seine Spieler nach langen und heißen Debatten sogar in die Kabine. Dort blieben sie nicht lange. Der Ex-Salzburger Sadio Mané, der zum Spieler des Turniers gewählt wurde, forderte seine Teamkollegen als Erster auf, wieder auf den Rasen zurückzukehren. Als Díaz schließlich nach rund 20-minütiger Unterbrechung ran durfte, entschied er sich für einen Lupfer a la Panenka in die Tormitte. Torhüter Edouard Mendy blieb stehen und hielt den Ball mühelos fest. Pape Gueye schoss Senegal schließlich in der vierten Minute der Verlängerung zum zweiten Titel nach jenem von 2022.
Vorfälle „Inakzeptabel“
FIFA-Präsident Gianni Infantino bezeichnete die Vorfälle als „inakzeptabel“. „Wir verurteilen das Verhalten einiger ‘Fans‘ sowie einiger senegalesischer Spieler und Mitglieder des Trainerstabs aufs Schärfste. Es ist inakzeptabel, das Spielfeld auf diese Weise zu verlassen, und Gewalt darf in unserem Sport nicht toleriert werden“, sagte der Schweizer. „So etwas hat im Fußball nichts zu suchen.“
Heftige Kritik setzte es auch von Marokkos Teamchef. „Was Pape heute Abend gemacht hat, gereicht Afrika nicht zur Ehre. Er ist jetzt ein Champion Afrikas, also kann er sagen, was er will, aber sie haben das Spiel für mehr als zehn Minuten unterbrochen“, kritisierte Regragui, der auch mit Diaz hart ins Gericht ging. „Das ist keine Entschuldigung dafür, wie Brahim geschossen hat. Er hat so geschossen und dafür müssen wir geradestehen. Wir müssen nach vorne schauen und akzeptieren, dass er vergeben hat.“
Entschuldigung von Thiaw
Senegals Teamchef bat nach dem Eklat um Entschuldigung. „Manchmal reagiert man in der Hitze des Gefechts“, sagte Pape Thiaw. „Wir akzeptieren die Fehler des Schiedsrichters, das kann passieren. Wir hätten nicht so reagieren sollen, aber das ist nun Vergangenheit. Wir entschuldigen uns beim Fußball.“ Als Díaz von Infantino den goldenen Schuh als Toptorschütze des Turniers überreicht bekam, wurde die Ehrung von einer Mischung aus Pfiffen und Applaus begleitet. Der Offensivspieler von Real Madrid wirkte dabei sichtlich niedergeschlagen.
In Senegals Hauptstadt Dakar gab es danach sofort eine Riesenparty. Menschen zündeten Feuerwerke, Tausende gingen auf die Straße und feierten mit Hupkonzerten. Senegals Präsident erklärte den 19. Jänner zum Feiertag, Schulen und Büros sollen am Montag geschlossen bleiben, damit gefeiert werden kann.
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