Pistorius-Prozess

Zeuge schildert Pistorius’ Tränen über Steenkamp

Sport
06.03.2014 13:37
Dramatik hat am Donnerstag im Mordprozess gegen den südafrikanischen Paralympics-Star Oscar Pistorius geherrscht: Der 27-Jährige schluchzte, weinte und hielt sich zeitweise die Ohren zu, als der erste Augenzeuge vom Tatort über die schrecklichen Ereignisse der Tatnacht berichtete. Ohne seine Beinprothesen habe der Angeklagte über der leblosen, blutenden Reeva Steenkamp gestanden.

Pistorius habe weinend gesagt: "Ich habe sie erschossen, ich dachte, sie war ein Einbrecher und ich habe sie erschossen", zitierte der Mediziner Johan Stipp am Donnerstag im Zeugenstand des Gerichts in Pretoria den Mordverdächtigen.

Laut gebetet und Gott angefleht
Der behinderte Profisportler habe laut gebetet und Gott angefleht, seine Freundin möge nicht sterben. Der Arzt stellte aber fest, dass die blutende Frau nicht mehr geatmet und keinen Puls mehr gehabt habe. Pistorius habe weinend gesagt, er würde sein Leben geben, wenn Reeva nur durchkäme. Stipp zufolge wirkte Pistorius in der Nacht so schwer mitgenommen, dass er Angst hatte, der Sportler könnte sich etwas antun.

Der Radiologe ist Nachbar von Pistorius in der geschlossenen Wohnanlage in Pretoria und sei von drei Schüssen, "gefolgt von den Schreien einer Frau", geweckt worden. Zunächst hatte er den Sicherheitsdienst alarmiert und war dann zum Haus von Pistorius geeilt. Dort fand er vor dem Haus einen Mann vor, der mit seinem Handy telefonierte, und eine Frau, die ihm die Tür geöffnet habe.

107 Zeugen der Anklage sollen gehört werden
Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Pistorius des Mordes. Ihre These wurde in den vergangenen Tagen von den Aussagen eines benachbarten Paares untermauert, das in der Tatnacht erst die verängstigten Schreie einer Frau und dann Schüsse gehört haben will. Der Ehemann Charl Johnson blieb auch am Donnerstag trotz der aggressiven Befragung von Verteidiger Barry Roux bei dieser Version.

Zuvor hatte sich der Anwalt bei Johnson für die Veröffentlichung seiner Telefonnummer entschuldigt. Als er die Nummer vor Gericht laut vorgelesen habe, sei er sich über die Konsequenzen nicht bewusst gewesen, sagte Roux. Johnson hatte am Mittwoch berichtet, unmittelbar vor seiner Aussage sei er von anonymen Anrufern bedroht worden. Insgesamt sollen in dem Prozess 107 Zeugen allein der Anklage gehört werden.

Irisches Wettbüro zu Strafe verdonnert
Unterdessen verdonnerte die britische Werbeaufsicht das Wettbüro Paddy Power zur Rücknahme einer Wette zum Ausgang des Prozesses. Die Behörde erklärte am Mittwoch, sie habe über 5.200 Beschwerden bekommen, nachdem Paddy Power die Tage zuvor unter dem Motto "Geld zurück, wenn er freikommt" für die Wette geworben hatte.

Das irische Wettbüro hatte in der irischen und britischen Presse pünktlich zum Prozessbeginn in Pretoria sowie zur Oscar-Verleihung in den USA mit der Aktion geworben. "Es ist Oscar-Zeit. Geld zurück, wenn er freikommt", stand in der Anzeige, die eine Oscar-Statue mit dem Kopf von Pistorius zeigt. Im Internet unterzeichneten bis Mittwochabend mehr als 120.000 Menschen eine Petition gegen die Wette.

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