Exklusiv-Interview

Gieriger Exekutor hat Finanzamt selbst am Hals

Oberösterreich
19.11.2005 18:35
„Ja, ich hab was gemacht, aber es ging um viel weniger Geld“, gestand im Telefon-Interview mit der „OÖ-Krone“ jener Exekutor (43) des Finanzamts Gmunden, der eingetriebenes Geld abgezweigt haben soll. Die Vorwürfe lauten auf Zehntausende Euro. Der Vollstrecker hat jetzt sein eigenes Finanzamt am Hals.

Befragt zum Motiv, schluckte der als untadelig und ehrgeizig geltende Familienvater aus Altmünster: „Vor der Verhandlung sag´ ich nichts dazu.“ Außerdem sei die mutmaßliche Schadenssumme viel zu hoch: „Das kommt ja nur von den Angaben der Leute. Da steht Aussage gegen Aussage.“ Genau diese Angaben prüft jetzt das Büro für interne Angelegenheiten, Akt für Akt wird unter die Lupe genommen.

Der Exekutor (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) soll bei bis zu zehn Fällen gepfändete Gelder nur teilweise dem Amt abgeliefert haben. „Wenn sich der Verdacht bestätigt, werden die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft übergeben, intern leitet man ein Disziplinarverfahren ein. Da geht es vom Verweis über Geldstrafen bis zur Entlassung. Denn bei schweren Dienstverfehlungen schützt der Beamtenstatus nicht“, erklärt Finanz-Sprecherin Dr. Brigitte Stadler-Ruzicka.

Erster Skandal vor 13 Jahren
Fürs Gmundner Finanzamt ist es bereits der zweite Skandal. Vor 13 Jahren war aufgeflogen, dass zwei Beamte für Firmen neun Jahre lang die Steuererklärungen um fast 40 Millionen Schilling „im Pfusch“ geschönt haben sollen. 13 Angeklagte standen schließlich vor Gericht, die Finanzer wurden zu Gefängnis- und Millionen-Schilling-Strafen verurteilt. Auch einige „Kunden“, deren frisierte Akte die korrupten Finanzer dann selbst geprüft hatten, wurden verurteilt.

 

 

 

Foto: Erich Petschenig

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.



Kostenlose Spiele