Gefahr für Umwelt
EU will Verbrauch von Plastiksackerln eindämmen
Der am Montag in Brüssel präsentierte Entwurf betrifft zwei Punkte der 1994 beschlossenen Richtlinie über Verpackungen und Verpackungsabfälle. Neben Abgaben und nationalen Reduktionszielen sollen künftig auch Marktbeschränkungen erlaubt sein. Zudem sollen die Mitgliedstaaten dazu verpflichtet werden, Maßnahmen zu ergreifen, mit denen der Verbrauch von Kunststofftragtaschen mit einer Wandstärke unter 50 Mikron (1 Mikron = 1/1000 Millimeter) reduziert wird, da diese seltener wiederverwendet werden als Kunststofftaschen aus stärkerem Material.
Abstimmung in der Infobox: Sollen Plastiksackerl abgeschafft werden?
Derartige Gesetzgebungsverfahren, die bei einer Änderung der Richtlinie 94/62/EG notwendig wären, dauern in der Regel mehrere Monate, ein Beschluss vor der Europawahl im Mai 2014 könnte aber möglich sein, hieß es am Montag in EU-Parlamentskreisen in Brüssel.
Reduzierung um bis zu 80 Prozent angestrebt
Der Aufholbedarf bei den Sackerln ist nicht für alle EU-Staaten gleich: "Einige Mitgliedstaaten waren bei der Reduzierung des Verbrauchs an Kunststofftaschen bereits sehr erfolgreich. Wenn andere Staaten folgen, könnten wir den derzeitigen Verbrauch insgesamt um bis zu 80 Prozent verringern", hofft der Umweltkommissar.
"Jedes Jahr landen in Europa mehr als acht Milliarden Plastiksackerl auf dem Müll und verursachen enorme Umweltschäden", so Potocnik. Die Bedrohung insbesondere für die Gewässer sei jedenfalls enorm, allein im Mittelmeer würden mehr als 200 Milliarden Kunststoffteilchen mit einem Gesamtgewicht von 500 Tonnen treiben, hieß es zuletzt.
Fast eine Billion Plastiksackerl in einem Jahr
Laut den Zahlen der Kommission wurden in der EU 2010 schätzungsweise 986 Milliarden Plastiksackerl in den Verkehr gebracht, was wiederum im Schnitt einen Verbrauch pro EU-Bürger von 198 Stück ausmacht - der größte Teil davon aus leichtem Kunststoff. Große Unterschiede gab es beim jährlichen Verbrauch, der zwischen lediglich vier dieser Taschen in Dänemark und Finnland und 466 leichten Taschen in Polen, Portugal und in der Slowakei liegt.
Potocnik: "Kein Kreuzzug gegen Plastiksackerl"
Potocnik wehrte sich dagegen, von einem "Kreuzzug" gegen Plastiksackerl zu sprechen. Es gehe vor allem um die Reduktion von Einweg-Sackerln. Darauf angesprochen, ob ein Unterschied zwischen biologisch abbaubaren leichten Plastiksackerln und den konventionellen Umweltverschmutzern gemacht werden sollte, wollte sich der Kommissar nicht festlegen. "Biologisch abbaubare Plastiksackerl sind keine ultimative Lösung für die Probleme der Meeresverschmutzung."
Österreichische EU-Mandatare loben Initiative
Österreichische EU-Parlamentarier haben den Vorschlag der EU-Kommission durchwegs positiv angenommen. Die SPÖ-Europaabgeordnete Karin Kadenbach sieht in den Plänen der EU-Kommission "ein gutes Zeichen", mahnte aber gleichzeitig, darauf zu achten, dass die Konsumenten "nicht über Gebühr zur Kasse gebeten werden". Der ÖVP-Europaabgeordnete Richard Seeber erklärte: "Es ist richtig, mehr gegen die Plastiksackerl-Flut zu machen." Für die grüne EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek ist das Plastiksackerl "ein Symbol der Wegwerfgesellschaft und vollkommen unnötig". Sie forderte daher eine rasche Umsetzung per Gesetz.
Berlakovich: "Wichtiger Schritt für mehr Umweltschutz"
"Jedes Plastiksackerl weniger ist ein Schritt hin zu mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit", begrüßt auch Umweltminister Niki Berlakovich den Vorschlag von EU-Umweltkommissar Potocnik. "Das Ziel muss sein: weg vom Plastiksackerl. Alternativen dazu gibt es bereits heute. Die Interessen der Konsumenten müssen berücksichtigt werden. Einkaufen mit einem Umweltsackerl statt einem Plastiksackerl ist die Devise", so der Umweltminister.
Österreich habe laut Berlakovich die Kommission bereits 2011 aufgefordert, gesamteuropäische Maßnahmen zu ergreifen, damit weniger Plastiktragtaschen verwendet werden. Der am Montag präsentierte Vorschlag müsse noch im EU-Ministerrat und dem EU-Parlament beschlossen werden.












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