„Krone“-Kommentar

In JJs Glanz sonnen, dann abputzen? Das geht nicht

Kolumnen
25.05.2025 07:00

Sonntag früh vor einer Woche, da wussten die meisten Menschen bereits, dass der österreichische Song-Contest-Teilnehmer Johannes Pietsch alias JJ den international so viel beachteten Wettbewerb ein paar Stunden zuvor gewonnen hatte. Und unserem Land damit die Ehre und Pflicht zuteil wird, den ESC 2026 in Österreich auszurichten.

Während der Wettkampf um die Austragungsstätte volle Fahrt aufnahm, sich selbst das burgenländische 8000-Einwohner-Städtchen Oberwart mit Berufung auf die mehrmalige Gastgeberschaft beim „Musikantenstadl“ bewirbt (wie wir in einer „Krone“-Reportage aus dem Burgenland berichten), machte ESC-Sieger JJ, ein Countertenor mit Staatsopern-Erfahrung, nur wenige Tage, nachdem er mit seinem Falsett-Song die ESC-Bühne erobert hatte, neuerlich Schlagzeilen.

Brief an die „Krone“-Leser: Klaus Herrmann, Geschäftsführender Chefredakteur
Brief an die „Krone“-Leser: Klaus Herrmann, Geschäftsführender Chefredakteur(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Der Österreicher verlangt, dass beim ESC in unserem Land im nächsten Jahr Israel Auftrittsverbot erteilt wird und vergleicht in einem Interview Israel auch gleich mit Russland. Der Protest-Aufschrei ist laut, gegenüber der „Krone“ melden sich auch Angehörige israelischer Hamas-Geiseln betroffen zu Wort. Auf krone.at und auf unseren Leserbriefseiten wird unterdessen heftig diskutiert. Da geben ihm manche auch recht, haben nicht wenige Verständnis für die Aussagen, es dürfe in unserem Land doch jeder seine Meinung sagen. Jaja, so ist es auch ...

Aber mit seiner Meinung muss man behutsam umgehen. Vor allem, wenn man – plötzlich – eine Person des öffentlichen Interesses ist. Dazu liefert eine „Krone“-Leserin unter dem Pseudonym „LucyDN“ einen besonders wertvollen Beitrag. Sie postet auf krone.at: „Wenn er in der Öffentlichkeit steht, trägt er auch eine sehr große Verantwortung für seine Äußerungen – vor allem, wenn sie politisch sind, es sich um sensible Themen handelt und er offensichtlich keine Ahnung hat.“

Richtig! Deshalb wird der ORF, der JJ erfunden und entsandt hat und für den er gewonnen hat, es nicht mit dem zu billigen Hinweis abtun können, dass seine Aussagen seine Privatmeinung wiedergeben und in keinem Zusammenhang mit dem ORF stünden. Sich einserseits im JJ-Starglanz sonnen, sich sonst aber abzuputzen, so kann es nicht gehen. Macht man so weiter, dann steht der ESC 2026 unter keinem guten Stern.

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