11.07.2013 13:52 |

409 Opfer beigesetzt

50.000 Teilnehmer bei Srebrenica-Gedenkfeier

50.000 Menschen haben am Donnerstag in der Gedenkstätte Potocari des Massakers von Srebrenica vor 18 Jahren gedacht. Auch heuer wurden wieder Hunderte Opfer der Gräueltat auf dem Friedhof nahe der ostbosnischen Stadt beigesetzt. Unter den 409 Opfern befanden sich auch ein erst kurz vor seiner Ermordung geborenes Baby, zwei Frauen und 44 Buben im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Insgesamt haben damit 6.066 Opfer des Srebrenica-Massakers in Potocari ihre letzte Ruhe gefunden.

Doch auch 18 Jahre nach dem serbischen Völkermord in der ostbosnischen Bosniaken-Enklave sind noch lange nicht alle Opfer beerdigt. Insgesamt sind nämlich 8.372 Opfer namentlich bekannt. Von vielen Opfern konnten jedoch nur Gliedmaßen gefunden werden.

"Es gilt, dem Hass mit Liebe und Frieden zu begegnen"
Der internationale Bosnien-Beauftragte Valentin Inzko sagte bei der Gedenkfeier: "Es gilt, dem Hass mit Liebe und Frieden zu begegnen." Er zitierte diesen Satz aus einem SMS, das er anlässlich des Srebrenica-Jahrestags von bosnischen Bürgern erhalten hat. "Wenn wir die unschuldig Getöteten vergessen, ist es so, als ob wir sie zum zweiten Mal ermordet hätten", warnte Inzko. "Wenn wir Bosnien verstehen wollen, müssen wir Srebrenica verstehen. Wer Srebrenica nicht versteht, versteht auch Bosnien nicht."

Der österreichische Diplomat nahm zusammen mit rund 4.400 Menschen auch an dem traditionellen Friedensmarsch zum Jahrestag des Massakers teil. Die Teilnehmer gingen drei Tage lang jene Route zurück, auf der die Bewohner Srebrenicas im Juli 1995 aus ihrer Heimatstadt vor den serbischen Truppen nach Tuzla geflohen waren.

US-Botschafter Patrick Moon bezeichnete die Prozesse gegen die beiden Anführer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic und Ratko Mladic, als Genugtuung für die Opfer. Der Prozess der Wiedergutmachung werde aber erst abgeschlossen sein, wenn alle früheren Einwohner Srebrenicas in ihre Häuser zurückkehren dürfen. Srebrenica gehört infolge des Bürgerkriegs zum kleineren Landesteil, der Republika Srpska, was viele Bosniaken als Legitimierung des damaligen Völkermordes empfinden. Die Stadt hat wegen des Massakers eine serbische Bevölkerungsmehrheit.

Bei der Gedenkfeier in Potocari waren auch Minister aus der Republika Srpska vertreten. Das bosnisch-serbische Parlament bekundete in einer Aussendung sein tiefes Mitgefühl mit den Familienangehörigen der Opfer. Der Gemeinderat von Srebrenica hatte bereits am Mittwoch in einer Trauersitzung aller Kriegsopfer gedacht. "Unser Weg müssen die Vernunft und der Mut sein, uns in die Augen zu blicken und uns mit der schwierigen und blutigen Vergangenheit auseinanderzusetzen", meinte der stellvertretende Bürgermeister Hamdija Fejzic, ein Bosniake.

7.000 Männer und Buben im Juli 1995 brutal ermordet
Nach der Einnahme Srebrenicas am 11. Juli 1995 sortierten bosnisch-serbische Soldaten vor den Augen niederländischer UNO-Soldaten rund 7.000 Männer und Buben aus, die dann in der Umgebung der Stadt brutal ermordet wurden. Ihre Leichen wurden später in rund 300 Massengräbern entdeckt, nach vielen wird noch gesucht. Auf dem Friedehof von Visoko bei Sarajevo liegen immer noch über 300 nicht identifizierte Opfer.

Vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im einstigen Jugoslawien wurden sieben Personen rechtskräftig für das Srebrenica-Massaker verurteilt, gegen neun Personen wird noch verhandelt. Auch gegen die beiden Hauptverantwortlichen Karadic und Mladic sind die Prozesse im Gange. Sie wurden nach jahrelanger Flucht in den Jahren 2008 bzw. 2011 gefasst.

Der Jahrestag des Massakers ist seit 2009 ein EU-weiter Gedenktag. Weder die bosnische Serbenrepublik noch Serbien haben sich diesem Trauertag angeschlossen. Allerdings hat der serbische Präsident Tomislav Nikolic vor wenigen Monaten "auf Knien" um Vergebung für die Verbrechen in Srebrenica gebeten.

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