20.05.2013 10:05 |

"Ordnung im Haus"

Auch Briten nehmen ihre Steueroasen nun in die Pflicht

Im Kampf gegen Steuerflucht hat Großbritanniens Premierminister David Cameron die britischen Überseegebiete und Kronbesitzungen zu einer stärkeren Zusammenarbeit aufgefordert. Wie die Nachrichtenagentur PA berichtet, unterstrich Cameron in einem Brief an die Führungen der Gebiete zwar deren Recht, niedrige Steuersätze festzulegen. Die Regeln müssten jedoch fair festgelegt und durchgesetzt werden. Er wolle "das eigene Haus in Ordnung bringen", schreibt der Premier.

Cameron rief in dem Schreiben weiters zu mehr Transparenz bei Steuerdaten und Besitzverhältnissen von Firmen auf. Viele der international als Steueroasen gebrandmarkten Regionen sind britische Überseegebiete oder britischer Kronbesitz. Im kommenden Monat findet in Nordirland der Gipfel der acht größten Industrienationen statt. Als Hauptziel des britischen G-8-Vorsitzes hat Cameron die Trockenlegung der Steueroasen vorgegeben.

"Einen Monat bis dahin, ist dies jetzt der entscheidende Moment, unser eigenes Haus in Ordnung zu bringen", schrieb Cameron an die Führungen der Bermudas, der Britischen Jungferninseln, der Kaimaninseln, Gibraltars, Montserrats, der Turks- und Caicosinseln sowie der Kronbesitzungen Jersey, Guernsey und Isle of Man. Dabei gehe es um zwei entscheidende Fragen: den Austausch von Steuerdaten und die Benennung der wirtschaftlichen Eigentümer der Firmen.

"Niedrige Steuern nur tragbar, wenn gezahlt wird"
Zwar glaube er, dass niedrige Steuern ein Motor für Wachstum und Wohlstand seien, schrieb Cameron. "Aber niedrige Steuern sind nur dann tragbar, wenn das, was geschuldet ist, auch tatsächlich gezahlt wird." Cameron forderte die Schaffung und Einhaltung weltweiter Standards. "Es macht keinen Sinn, Steuerflucht in einem Land anzugehen, wenn das Problem einfach in ein anderes verlegt wird."

Der Premier begrüßte die von den Überseegebieten bereits angekündigte Offenlegung von Steuerdaten. Es gebe jedoch noch Steigerungsmöglichkeiten hinsichtlich der "Qualität und Exaktheit". "Das bedeutet, dass wir wissen müssen, wer jedes einzelne Unternehmen wirklich besitzt und kontrolliert", erklärte Cameron.

Auch EU jagt Steuerflüchtlinge
Auch die EU hatte in den vergangenen Wochen ihren Kampf gegen Steueroasen und Steuerbetrug massiv verschärft. Österreich gab am Dienstag nach wochenlangen Diskussionen grünes Licht für ein Mandat an die EU-Kommission zu Verhandlungen mit Drittstaaten über die Ausweitung der EU-Zinsbesteuerungsrichtlinie (Infobox).

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